Wenn der Vater bei der Geburt dabei ist

Vater mit schreiendem Neugeborenen
Wenn der Vater bei der Geburt dabei ist...
Foto © sylv1rob1


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Helden im Kreißsaal

"Und, wie haltet ihr es, du wirst doch sicher bei der Geburt deine Frau unterstützen wollen, oder?" Kaum ein Mann traut sich noch, "Nein" zu sagen, wenn es um das Thema Männer im Kreißsaal geht. Heute wird erwartet, dass bei der Geburt eines Babys der Vater anwesend ist. Egal, ob sie es wollen oder nicht, es wurde quasi in eine Art Pflichtveranstaltung verwandelt. So kam es, dass mittlerweile neun von zehn Vätern der Geburt beiwohnen. Komme was wolle! Männer stehen das durch.

Dabei fällt vielen Männern dieser Weg sehr schwer. Der Gedanke, einem nahestehenden Menschen zuzusehen, wie er schlimme Schmerzen erleidet, ist nicht unbedingt einladend. Und trotzdem wagen es die meisten Männer ganz bewusst. Nicht, weil sie die Gesellschaft zwingt, sondern um der Partnerin beizustehen und sie in der schwierigen Situation nicht allein zu lassen. Der Lohn dafür ist glücklicherweise unersetzlich. Den Moment zu erleben, in dem das eigene Kind den ersten Atemzug nimmt, wird immer in der Erinnerung bleiben. Und später folgt das Durchtrennen der Nabelschnur, ein Privileg, welches gern den Vätern zugesprochen wird - sie werden zu einem Bindeglied zwischen Kind und Mutter - ein wunderschönes Erlebnis. Doch nicht jeder steht das durch.

Zwingen Sie Ihren Partner nicht

Männer, die von vorn herein sagen, sie möchten nicht bei der Geburt anwesend sein, sollten auch nicht dazu gezwungen werden. Kennen sie alle Fakten und sind über die Details informiert oder haben sich mit anderen Vätern über ihre Erlebnisse ausgetauscht, ist das in Ordnung. Ein Mann der nicht dabei sein möchte, wird einer Frau bei der Entbindung auch nicht wirklich beistehen können. Dann sollte wohl doch lieber die Freundin oder eine vertraute Person mitkommen. Andersherum liegt der Fall ähnlich. Eine Geburt ist einer der intimsten Momente im Leben einer Frau. Möchte sie nicht, dass der Partner in dieser Ausnahmesituation erlebt, sollte dass der Vater akzeptieren, auch wenn es ihm schwerfällt.

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Bereiten Sie sich gemeinsam auf die Geburt vor

Für alle Paare, die sich gemeinsam einvernehmlich für ein Familiengeburtserlebnis entscheiden, gilt es, sich gut vorzubereiten. Hebammen, Krankenhäuser und Geburtshäuser führen Geburtsvorbereitungskurse durch. Besonders für Erstgebärende sind diese sehr sinnvoll. Die Kursleiterinnen zeigen einfühlsam auf, was auf die Paare zukommen wird. Leider wird dabei die Rolle des Vaters zu oft nur am Rande erwähnt. Genauergenommen ist er auch nur eine moralische Unterstützung für die Mutter. Helfen im eigentlichen Sinne kann er kaum, vielleicht durch Massagetechniken oder Atemübungen, die im Geburtsvorbereitungskurs erlernt wurden. Ansonsten fühlen sich die Väter meist sehr hilflos. Ihnen sind die Hände gebunden, obwohl sie in ernsten Situationen gern zum Handeln neigen. Das kann zu einer Qual werden. Männer möchten gern vorher wissen, was auf sie zukommt. Hebammen möchten jedoch die Väter ungern verschrecken, denn eine Geburt ist nun einmal eine blutige und schmerzhafte Angelegenheit, bei der es lange - oder auch sehr, sehr lange - dauern kann und die durchaus mit Komplikationen verbunden sein könnte, wie einem Kaiserschnitt, einer PDA, einem Dammschnitt oder einer Glocken- oder Zangengeburt. Darauf sollte jeder Mann vorbereitet sein, so gut es eben geht. Auch die Tatsache, dass viele Männer ihre Partnerin während des Geburtsvorgangs nicht wiedererkennen, ist ungeahnt. Die sonst so schüchterne Person wird vielleicht zu schimpfenden und laut schreienden Entbindenden. Überhaupt unterschätzen es die Väter, wie laut die Mutter ihres Kindes bei der Entbindung ihre Schmerzen veratmen kann. Doch der Kreißsaal heißt nicht umsonst Kreißsaal, von "kreißen" = schreien. Wird es einem Mann zu viel, sollte er sich nicht scheuen, den Kreißsaal kurz zu verlassen, um einen Kaffee zu trinken oder frische Luft zu schnappen. Ein ohnmächtiger Vater neben der werdenden Mutter lenkt dann doch eher vom Geschehen ab. Daher sollten auch die Mütter dafür Verständnis aufbringen, wenn es dem Vater zu viel wird. Sei es während der Geburt, bei der Nachgeburt oder dem Nähen eines Dammschnittes oder Dammrisses.

Haben Mutter und Vater die Geburt samt aller Höhen und Tiefen überstanden, steht letztendlich das Baby im Mittelpunkt. Die ersten Momente mit dem Kind, das Bonding, sind diejenigen, die eine Beziehung zwischen den Eltern und dem Kind ernsthaft vertiefen können. Und noch hat es kaum ein Vater bereut, die Geburt seines Kindes miterlebt zu haben. Viele würden es jederzeit wieder wagen.
Text: C. D. / Stand: 22.06.2017

[Bitte beachten Sie: Unsere Artikel können nicht den Rat eines Arztes ersetzen. Bei gesundheitlichen Problemen wenden Sie sich bitte immer an einen Arzt Ihres Vertrauens!]

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