Wie lange stillen ist sinnvoll?

Mutter stillt ihr Baby
Gerade junge Mütter sind unsicher, wenn es darum geht wie
lange man ein Baby stillen sollte - © Svetlana Fedoseeva


Inhaltsverzeichnis dieses Artikel:

Muttermilch ist die beste Nahrung für Babys - da sind sich Ärzte, Hebammen und Wissenschaftler einig. Doch wie lange ein Kind an der Brust trinken sollte, darüber gibt es nach wie vor heftige Diskussionen. Während zur Allergieprävention durchaus 4 Monate vollstillen ausreichen, sind andere der Meinung, dem Baby so lange wie nur irgendwie möglich den Zugang zur Mutterbrust zu gewähren.

Motivation nach der Geburt hoch

Rund 90 Prozent aller frischgebackenen Mütter stillen ihr Baby. Doch schon kurz nach der Geburt geben viele Frauen die Brusternährung aus ganz unterschiedlichen Gründen auf. Häufig sind Stillprobleme, wie wunde und blutende Brustwarzen oder zu wenig Milch, die Ursache für eine frühzeitige Fläschchengabe. Nach 6 Monaten stillen nur noch etwa 30 Prozent der Mütter. 6 Monate voll stillen - das war lange Zeit die Expertenmeinung und diese Zeitspanne somit das Optimum, welches es durchzuhalten galt. Neue Erkenntnisse zeigen jedoch, dass Babys, welche 4 Monate ausschließlich Muttermilch bekommen, kein höheres Risiko für eine spätere Allergie entwickeln als länger gestillte Kinder.
Tipps für eine gute Stillbeziehung

Stillen oder Flasche? - Der Kampf der Mütter

Leider tobt unter den Müttern nicht selten noch immer ein wahrer Wettbewerb. Neben der körperlichen und geistigen Entwicklung des Babys ("Mein Kind geht schon mit 8 Monaten auf das Töpfchen!") versuchen sie sich immer wieder auch bei der Säuglingsernährung zu überbieten. Da werden Frauen, welche die Flasche geben, als Rabenmütter bezeichnet und Mütter, welche ihren Nachwuchs mit einem Jahr noch an der Brust haben, als Fanatikerinnen beschimpft. Dabei ist es doch so einfach. Stillen ist eine Paarbeziehung und das heißt: beide Partner müssen sich innerhalb dieser Beziehung wohl fühlen. Ist die Mutter nur noch den Tränen nahe und macht sich 24 Stunden am Tag darüber Gedanken, ob ihre Milch auch reicht, dann kann es besser sein, auf eine künstliche Nahrung umzusteigen. Und wenn sich Mutter und Kind beim stillen wohl fühlen so spricht auch nichts dagegen, diese Beziehung über das erste Lebensjahr hinaus fortzusetzen - solange bis sich das Kind von selbst abstillt oder aber die Mutter die Brust nicht mehr geben möchte. So stillen Sie ab

Manche Mütter stillen nur kurze Zeit

Auch wenn eine Stilldauer von mindestens 4 Monate empfohlen wird - keine Frau braucht sich schlecht zu fühlen, wenn sie diese "Vorgabe" nicht erfüllt. Jede noch so kurze Stillzeit tut dem Baby gut und dient seiner Entwicklung. Quält sich die Mutter nur noch durch die Stillmahlzeiten und ist in Folge dessen unausgeglichen, so überträgt sich dies auch auf das Baby und die ganze Mutter-Kind-Beziehung kann darunter leiden. Heutzutage ist die künstliche Säuglingsnahrung so ausgereift, dass sich das Baby auch ohne Muttermilch gesund entwickeln kann. Selbstvorwürfe oder gar ein schlechtes Gewissen und das Gefühl eine Versagerin zu sein sind also völlig unangebracht.

Langzeitstillen

Während manche Frauen nach kurzer Stillzeit das Handtuch werfen oder genau nach 4 oder 6 Monaten abstillen, genießen andere Mütter mit ihren Kindern diese innige Beziehung weit über das erste Lebensjahr hinaus. Zwar bekommen auch diese Babys nach etwa einem halben Jahr Beikost, doch bleibt das Stillen weiterhin ein fester Bestandteil im Tagesablauf. Hier wird deutlich, dass das Stillen weit mehr ist als nur den Hunger zu befriedigen. Gerade größere Kinder suchen die Brust ihrer Mutter, um dort Trost und Geborgenheit zu finden. Leider wird Frauen, welche ein sprechendes Kleinkind an die Brust legen, gerne einmal vorgeworfen, dass sie dies nur tun, weil sie zu bequem sind ihr Kind anderweitig zu beruhigen oder zu trösten. Manche sind sogar so dreist und unterstellen den Langzeitstillenden die Befriedigung eigener sexueller Bedürfnisse durch das Nuckeln des Kindes an der Brustwarze. All den Zweiflern und selbsternannten Experten sei gesagt: kein Kind lässt sich gegen seinen Willen an die Brust legen! Blickt man einmal gen Norwegen, Finnland oder gar zu den Naturvölkern, dann wird deutlich, dass die Mütter dort ganz selbstverständlich ihren Nachwuchs weit über den ersten Geburtstag stillen. Kinder, welche lange an der Brust trinken dürfen, profitieren davon nicht nur emotional, sondern erfreuen sich auch meist bester Gesundheit und sind Studien zu Folge sozialer als ihre Altersgenossen. Das Argument, dass die Muttermilch nach dem 6. Monat keine Wertigkeit mehr besitzt, ist nicht haltbar. Gerade dann, wenn das Baby in die Krabbelphase kommt und sich alles in den Mund steckt, steigt die Zahl der Immunglobuline stark an und schützt das Kleine so vor Infektionen.

Stillen - aber sicher! Solange Mutter und Kind sich dabei wohl fühlen, dürfen beide diese ganz besondere Beziehung genießen - egal wie lang.
Text: K.L. - Stillberaterin / Stand: 22.06.2017

[Bitte beachten Sie: Unsere Artikel können den Rat eines Arztes nicht ersetzen. Bei gesundheitlichen Problemen wenden Sie sich bitte immer an einen Arzt Ihres Vertrauens!]

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