Wenn Kinder klauen... - Was können Eltern tun?

Kind stiehlt einen Apfel vom Baum
Mal einen Apfel stibitzen ist nicht schlimm - © Fotofreundin


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Hilfe, mein Kind stiehlt!

Es ist kein schöner Verdacht. Aber wer annimmt, das eigene Kind könnte stehlen, der sollte unbedingt die Ruhe bewahren. Denn Panik und Vorwürfe würden die Situation - wenn sie denn überhaupt besteht - nur schlimmer machen.

Schätzungsweise rund anderthalb Millionen Kinder und Jugendliche kommen pro Jahr in irgendeiner Form durch ein Eigentumsdelikt mit dem Gesetz in Konflikt. Das sind allerdings nur die Fälle, die "rauskommen". Die Dunkelziffer ist ungleich höher. Man sieht, ein Kind, das etwas klaut, ist beileibe kein Einzelfall. Die Ursachen für das Stehlen können jedoch sehr unterschiedlich sein.

Gründe für das Klauen

Genau wie manche Erwachsene gibt es auch Kinder, die das Verbotene lieben. Da ist der Griff in das Ladenregal dann etwas Aufregendes, mit dem sie später vor den Freunden prahlen können. Was man dabei mitgehen lässt, ist zweitrangig. Andere Kinder klauen aus sehr pragmatischen Gründen. Sie wünschen sich einen bestimmten Gegenstand, möchten ihn unter allen Umständen besitzen. Wenn man ihnen den Gegenstand nicht kauft und auch das Taschengeld nicht reicht, dann wird er eben gemopst. In beiden Fällen kommt es darauf an, dass die Eltern den Heranwachsenden deutlich klar machen, dass ihr Verhalten zwar beim ersten Mal noch "ausgebügelt" werden kann, dass es ihnen aber im Wiederholungsfall ernsthafte Schwierigkeiten bereiten wird. Zudem sollte ein Diebstahl eine Strafe nach sich ziehen, die wehtut. Damit sind aber auf gar keinen Fall Schläge gemeint. Wirkungsvoller ist es, wenn einige Stunden Sozialdienst geleistet werden müssen oder wenn es einen Taschengeldabzug gibt. So könnte zum Beispiel das Taschengeld, das dem Wert des gestohlenen Gegenstands entspricht, an eine wohltätige Einrichtung überwiesen werden.
Wie sollte man das Kind bestrafen, wenn es klaut?

Was können Eltern tun, wenn das Kind stiehlt?

Es muss an dieser Stelle aber deutlich gemacht werden, dass die oben genannten Gründe für das Stehlen eher selten sind. Fast immer liegt die Ursache fürs Klauen viel tiefer. Eltern sollten dem Kind deshalb zunächst grundsätzlich die Möglichkeit geben, etwas zu seiner Verteidigung zu sagen. Ebenfalls ganz, ganz wichtig: Wenn das Kind dann anfängt, zu sprechen, bitte auch wirklich zuhören. Jetzt ist der Moment gekommen, wo die wahren Gründe ans Licht kommen können. Nicht selten stehlen Kinder, weil sie in der Schule gemobbt und unter Druck gesetzt werden. Wenn sie den Plagegeistern nicht "liefern", was bestellt wurde, setzt es Beschimpfungen, Häme und oft auch körperliche Gewalt. Das Kind wird zunächst versuchen, die Wünsche der Mobber mit seinem Taschengeld zu erfüllen. Wenn das nicht mehr möglich ist, bleibt als einziger Ausweg das Stehlen. Wurde ein Kind beim Klauen erwischt, dann müssen Eltern genau beobachten und sich auch exakt erinnern: Hat das Kind sich in der Zeit vor dem Diebstahl verändert, war es still und bedrückt? Hat es angeblich das Handy, sein Taschengeld und andere Dinge "verloren", bevor der Diebstahl bemerkt wurde? Das alles weist darauf hin, dass das Kind unter Zwang gehandelt hat und neben seinen eigenen Wertsachen auch das Diebesgut abgeben musste.
Gerne können Sie sich auch an eine Erziehungsberatung wenden. Die Mitarbeiter können mit Ihnen gemeinsam überlegen wie Sie Ihrem Kind helfen können.

Eine weitere Ursache fürs Klauen kann der (unbewusste) Wunsch nach mehr Aufmerksamkeit und Zuwendung sein. Wenn Kinder sich nicht ausreichend beachtet und geliebt fühlen, machen sie oft ganz erstaunliche Dinge, um sich den Eltern wieder ins Gedächtnis zu rufen - ein Konflikt mit der Polizei ist dabei auch eine Option.
Text: St. He. / Stand: 18.09.2018

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