Stillen unter widrigen Umständen

Mutter mit Frühchen im Krankenhaus
Wie stillt man unter widrigen Umständen - z.B. ein Frühchen?
Foto: © Friday


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Viel zu früh kam die kleine Luise auf die Welt. Ihre Eltern waren auf diesen Schritt noch gar nicht vorbereitet und nun liegt ihr Baby auf der neonatologische Station des städtischen Krankenhauses. Ähnlich geht es der Mutter des kleinen Tobias. Statt eines gesunden Kinder hält sie nun ein Baby in den Armen, welches voraussichtlich noch mehrere Wochen in der Klinik behandelt werden muss. Ein krankes oder zu früh geborenes Baby muss nicht das Aus für das Stillen bedeuten. Im Gegenteil: gerade diese Säuglinge profitieren ganz besonders von der Milch ihrer Mutter, da sie wichtige Enzyme und Immunglobuline enthält, welche die Gesundheit des Kindes stärken und es bei seiner Entwicklung unterstützen. Ursachen für eine Frühgeburt

Wenn das Baby in die Klinik muss

Muss das Baby direkt nach der Geburt oder später in eine Kinderklinik verlegt werden, so wäre es wünschenswert, wenn die Mutter ebenfalls dort aufgenommen wird. Nicht immer ist dies jedoch möglich, sei es, weil die Mutter per Kaiserschnitt entbunden hat und selbst noch nicht wieder auf den Beinen ist oder weil diese noch andere Kinder in der Familie zu versorgen hat. Leider stellen sich auch manche Ärzte quer und verweigern der stillenden Mutter das direkte Zusammensein mit ihrem Kind - hier kann es lohnenswert sein, eine andere Klinik zu wählen, sofern die Zeit dafür ausreicht. Nur ganz selten sprechen wirklich medizinische Gründe gegen die Mitaufnahme der Mutter und das Stillen beziehungsweise gegen die Gabe von abgepumpter Muttermilch. Bereits bei der Aufnahme des Babys sollte die Mutter mitteilen, dass sie ihr Kind stillen möchte und alle weiteren Details mit dem behandelnden Arzt abklären. Ist das Baby (noch) nicht in der Lage direkt an der Brust zu saugen, so kann die Mutter ihre Milch abpumpen. Diese wird dann je nach Gesundheitszustand per Sonde oder Flasche gegeben. Füttern Sie Ihr Baby selbst, so kann es sinnvoll sein, statt des Fläschchens die Muttermilch mit einem kleinen weichen Löffel oder einem Baby-Cup zu verabreichen, um eine spätere Saugverwirrung zu vermeiden.
Mit dem Baby ins Krankenhaus

Das Stillen von Frühchen oder kranken Babys erfordert eine spezielle Hygiene

Arzt mit Schild Hygiene Vorschrift
Achten Sie beim Stillen von kranken Kindern ganz
besonders auf die Hygiene - Foto: © dp@pic

Frühgeborene und kranke Kinder sind besonders anfällig für Keime und Bakterien. Daher ist es unbedingt notwendig, die von den Ärzten und Schwestern empfohlenen Hygienemaßnahmen in Bezug auf das Stillen oder das Abpumpen von Muttermilch einzuhalten.

Bevor Sie Ihr Baby anlegen oder die Milchpumpe benutzen, waschen Sie sich zuerst gründlich Ihre Hände. Ob Sie zusätzlich die Hände und Ihre Brust desinfizieren müssen, das sagt Ihnen der Arzt. Füllen Sie Muttermilch nur in vorher sterilisierte Fläschchen und achten Sie beim Transport der wertvollen Fracht von Zuhause in die Klinik darauf, dass die Milch gut gekühlt wird. Eventuell wird die Muttermilch im Krankenhaus auf Bakterien hin untersucht, bevor diese dem Baby gefüttert werden kann.

Stillen von behinderten Kindern

Ein behindertes Baby ist für alle Beteiligten eine Herausforderung. Nichts ist so, wie es sich die Eltern während der Zeit der Schwangerschaft erträumt haben. Statt des Glücksgefühls sind nicht selten Angst und Traurigkeit zu spüren. Gerade in solch einer Situation kann das Stillen für die Mutter sehr heilsam sein und die Beziehung zu ihrem Baby positiv beeinflussen. Je nach Art der Behinderung kann es sein, das das Kleine Unterstützung beim Stillen benötigt. Vielleicht ist ein spezielles Lagerungskissen notwendig oder die Mutter muss ihr Baby vor dem Anlegen an die Brust erst im Mund-Kiefer-Bereich massieren, um die Muskeln zu lockern. Babys mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalte können in der Regel nach dem Einsetzen einer Gaumenplatte und der Lippen-Verschluss-OP ohne größere Probleme an der Brust trinken. Immer dann, wenn medizinische Probleme das Stillen erschweren, finden Mütter neben den behandelnden Ärzten Rat und Unterstützung bei ihrer Hebamme und Stillberaterin.

Gut für sich selbst sorgen

Gerade dann, wenn die gegebenen Umstände das Stillen erschweren, geraten viele Mütter fast unweigerlichen in einen Strudel von Zweifeln, Ängsten und Druck. Druck, den sie sich häufig selbst auferlegen und genau dieser psychische Stress ist es auch, der dem Stillen oftmals im Wege steht. Nur dann, wenn die Mutter entspannt ist, kann ihre Milch gut fließen - sei es beim direkten Stillen an der Brust oder beim Abpumpen an der Milchpumpe. Natürlich lassen sich Ängste und Sorgen nicht einfach per Knopfdruck abschalten, doch schon eine positivere Grundeinstellung kann entscheidend zum besseren Befinden beitragen. Ebenso wichtig ist es, dass die stillende Mutter gut auf sich selbst achtet und ihre eigenen Bedürfnisse nicht permanent ignoriert. Eine gesunde Ernährung und regelmäßige (wenn auch noch so kleine) Pausen zum Atem holen geben Kraft für den anstrengenden Alltag und schenken neue Energie. Wenn stillende Mütter eine Pause brauchen

Stillen unter widrigen Umständen ist alles andere als leicht. Dennoch kann genau das über so manches Tief hinweghelfen und der Mutter Glücksmomente schenken. Allerdings sollte sich keine Frau Vorwürfe machen, wenn es trotz aller Bemühungen mit dem Stillen nicht klappt. Durch viel Körperkontakt, zum Beispiel im Tragetuch, und durch so manche liebevolle Kuschelstunde kann die Mutter-Kind-Beziehung ebenso gefördert werden.
Text: K.L. - Stillberaterin / Stand: 22.06.2017

[Bitte beachten Sie: Unsere Artikel können den Rat eines Arztes nicht ersetzen. Bei gesundheitlichen Problemen wenden Sie sich bitte immer an einen Arzt Ihres Vertrauens!]

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