Stillen in der Öffentlichkeit verboten?

Mutter stillt ihr Baby in der Öffentlichkeit
Darf ich mein Baby in der Öffentlichkeit stillen?
Foto: © Mila Supynska

Versunken in die Angebote eines großen schwedischen Möbelhauses geht die 26-jährige Maike durch die verschiedenen Gänge - ihr 3 Monate altes Baby hat sie im Tragetuch ganz nah bei sich. Langsam wird der Säugling unruhig und Maike weiß: die nächste Mahlzeit lässt sich nicht mehr lang aufschieben. Sie schlägt den Weg zum Stillzimmer ein und gibt ihrem Kleinen in aller Ruhe die Brust.

Aber leider sind nicht alle Geschäfte und Einkaufscentren so familienfreundlich wie der schwedische Möbelhersteller.

In diesem Artikel gibt eine Stillberaterin Tipps für das Stillen in der Öffentlichkeit:

Stillzimmer - die optimale Lösung

Zum Glück finden sich in immer mehr Einkaufszentren extra Räume für stillende Mütter. Diese sind meist mit einem bequemen Stuhl oder Sessel ausgestattet, so dass Mutter und Kind sich gut entspannen können. Idealerweise ergänzt ein Wickeltisch die Räumlichkeit, denn die volle Windel nach dem Stillen ist schon fast obligatorisch. Leider sind die Umstände für stillende Mütter nicht immer so ideal wie eben beschrieben. Vielfach finden Frauen mit ihrem Baby kaum eine geschützte Ecke und müssen immer wieder improvisieren, wenn es darum geht, ihren Säugling zu füttern. Viele Babys lassen sich während des Stillens von Geräuschen ablenken und trinken äußerst unruhig, wenn die Umgebung zu viele Reize bietet. Erfindungsreichtum und Kreativität sind also gefragt, doch mit ein bisschen Routine wird es immer leichter, einen geeigneten Rückzugsort für die Brustmahlzeit zu finden.

Umkleidekabine, Auto, Parkbank

Sie stehen mitten im Einkaufscenter und weit und breit kein Stillzimmer in Sicht? Keine Panik! Steuern Sie einfach das nächste Bekleidungsgeschäft an und ziehen Sie sich dort in die Umkleidekabine zurück. Hinter dem schützenden Vorhang kann Ihr Nachwuchs ganz ohne neugierige Blicke der anderen Menschen an der Brust trinken. In Möbelhäusern können Sie unter Umständen eine Couch oder einen Stuhl in einer etwas entlegenen Ecke nutzen. Und wenn Sie in der Natur unterwegs sind, so findet sich mit Sicherheit eine ruhige Bank. Zur Not tut es auch ein Baumstumpf oder einfach eine Wiese. Klar - hier sitzt man nicht so bequem wie in den eigenen vier Wänden und auch die
Unterstützung durch ein Stillkissen fehlt. Doch vielleicht können Sie Ihr Baby durch Ihre Tasche oder eine zusammengerollte Jacke etwas abstützen und so eine angenehme Position finden.

Autofahrer können ihren fahrbaren Untersatz als Stillmöglichkeit nutzen. Möchten Sie wirklich von niemand gesehen werden, so klemmen Sie einfach ein Handtuch in die Seitenscheibe und decken Sie die Frontscheibe durch einen Sonnenschutz ab.

Stillbekleidung für das Stillen in der Öffentlichkeit

Nicht jede Frau möchte in der Öffentlichkeit ganz selbstverständlich ihre Bluse aufknöpfen, um ihr Baby anzulegen. Spezielle Mode macht es möglich, ganz diskret zu stillen. Die eigens dafür gefertigten Kleidungsstücke sind so genäht, dass, wenn das Baby einmal "angedockt" hat, keine nackte Brust sichtbar ist. Ob T-Shirts, Langarmshirts, Kleider oder Festmode - Stillbekleidung muss sich heutzutage nicht mehr hinter normaler Mode verstecken und ist je nach Wunsch in verschiedenen Stilen zu haben. Oder probieren Sie doch einmal einen Stillschal oder ein Stilltuch - beides dient als chices Accessoires und kann diagonal so über die Schulter gelegt werden, dass das Stillen nahezu unauffällig geschieht.

Stillende Mütter - Die Kommentare der Anderen

Stillen ist die natürlichste Sache der Welt. Doch selbst in Zeiten, wo uns an jedem Zeitungskiosk von irgendwelchen Illustrierten nackte Brüste entgegen springen, finden es immer noch manche Menschen anstößig, wenn beim Stillen etwas Brust aus dem Shirt blitzt.

Mutter stillt ein Kleinkind
Beim Stillen von Kleinkindern in der Öffentlichkeit erntet man
oft verachtende Blicke - Foto: © aleksey ipatov
Manche Frauen berichten gar, dass sie aus einem Cafe verwiesen wurden, weil sie ihrem Baby dort die Brust gaben. Und hin und wieder werden stillende Mütter zur Ernährung ihres Kindes auf die Toilette verwiesen, da kein anderer geeigneter Ort gefunden werden kann. Ein wahres Armutszeugnis! Wie die Beispiele zeigen, verlangt das Stillen in der Öffentlichkeit auch immer eine gesunde Portion Selbstvertrauen. Unverschämte Kommentare und (Männer)- Blicke, welche sich tief im Dekolletee verfangen, muss sich keine stillende Mutter gefallen lassen. Also kontern Sie ruhig und verlassen Sie notfalls die Situation, wenn es Ihnen zu viel wird.

Wenn das Kind älter wird

Ein stillender Säugling wird in den meisten Fällen toleriert und die Frau heimst häufig Lob dafür ein, dass sie sich für diese Art der Babyernährung entschieden hat.

Doch spätestens nach dem 6. Monat muss die Mutter sich nicht selten anhören, dass es doch nun langsam Zeit zum Abstillen wäre. Und hat sie gar noch ein Kleinkind an der Brust, welches schon sprechen und laufen kann, dann ist es mit der Toleranz endgültig vorbei. Das, was in anderen Ländern selbstverständlich ist, wird hier mit missmutigen und nicht selten auch verachtenden Blicken verfolgt. Da ist die Rede von Abhängigkeit und schlimmsten Fall wird der Mutter sexuelles Vergnügen unterstellt, weil sie ihr Kind immer noch stillt. Das Stillen eines größeren Kindes in der Öffentlichkeit ist immer noch die Ausnahme und wirkt auf viele Mitmenschen befremdlich. Haben Sie sich für das Langzeitstillen entschieden, so gehen Sie selbstbewusst ihren Weg. Der Besuch einer Stillgruppe kann Ihnen eventuell dabei helfen, den nötigen Rückhalt zu finden und sich mit anderen (manchmal auch langzeitstillenden) Müttern auszutauschen. Als Mutter wissen Sie was gut für Ihr Kind ist und Ihr Nachwuchs profitiert auch weit über das 1. Lebensjahr hinaus von dieser ganz besonderen Beziehung.

Stillen in der Öffentlichkeit - natürlich! Je mehr Mütter ganz selbstbewusst im Park, im Straßencafe oder in der Bahn ihr Baby auf diese Weise ernähren, desto größer wird im Laufe der Zeit die Akzeptanz der Mitmenschen werden.
Text: K. L. - Stillberaterin / Stand: 22.06.2017

[Bitte beachten Sie: Unsere Artikel können den Rat eines Arztes nicht ersetzen. Bei gesundheitlichen Problemen wenden Sie sich bitte immer an einen Arzt Ihres Vertrauens!]

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