Tandemstillen - Wenn Mama Baby und Geschwister stillt

Mutter stillt das Baby
Beim Tandemstillen hat das Baby Vorrang
Foto: © Vitaliy Hrabar

Inhaltsverzeichnis dieses Artikel:

Langzeitstillende Mütter kommen manchmal in die Situation, dass sie wieder schwanger werden, während das ältere Kind noch immer an der Brust trinkt. Während einige von ihnen sich noch vor der Geburt zum abstillen entschließen, spüren andere den Wunsch in sich, nach der Entbindung beide Kinder an die Brust zu legen.

Warum Tandemstillen?

Das ältere Kind ist der Mutter vertraut und durch das Stillen hat sich zwischen beiden eine ganz besondere Beziehung entwickelt. Diese einfach aufzugeben ist nicht so leicht. Hinzu kommt, dass sich viele Mütter bereits im Vorfeld Gedanken um eine mögliche Eifersucht des großen Kindes auf den neuen Familienzuwachs machen. Die Brust über das erste Lebensjahr hinaus zu geben bedeutet nicht nur den Hunger zu stillen, sondern dient vorrangig der Befriedigung emotionaler Bedürfnisse. Daher möchten einige Mütter ihrem älteren Kind diesen Zugang zu Trost und Geborgenheit nicht verwehren.
Vorteile des Langzeitstillens

Stillpositionen für das Tandemstillen

Zuerst einmal: Tandemstillen bedeutet nicht zwangsläufig, dass die Mutter beide Kinder gleichzeitig an der Brust hat. Dies kann sein - muss jedoch nicht. Je nach Charakter und Temperament kann es sich manchmal als günstiger erweisen, die Geschwister nacheinander anzulegen. So wird beispielsweise ein unruhiges Baby nicht durch das ältere Kind abgelenkt. Andererseits genießen viele Geschwisterpaare das zeitgleiche Stillen und schöpfen daraus eine unsägliche Ruhe. Möchte die Mutter beide Kinder zusammen anlegen, so kann sie beispielsweise das Baby in der Fußballerposition halten, während das große Kind auf ihrem Schoß liegt oder sitzt. Auch das Stillen im Liegen oder in der Wiegehaltung ist möglich - erfahrungsgemäß sucht sich dann das größere Geschwisterchen selbst eine bequeme Position, um an die Brust zu gelangen.

Das Baby hat Vorrang

Stillt eine Mutter in der Schwangerschaft und bis über die Geburt hinaus, so stellt sich ihre Milchproduktion um. In den ersten Tagen nach der Entbindung wird so dem Neugeborenen das überaus wertvolle Kolostrum zur Verfügung gestellt. Damit das Kleine diese wertvollen Tropfen auch wirklich bekommt, ist es wichtig, dass das größere Kind ihm an der Brust den Vortritt lässt. Auch später, wenn sich die reife Muttermilch bildet, sollte immer zuerst das Baby angelegt werden. Ob das Neugeborene genug Milch erhält, erkennt die Mutter an einer stetigen guten Gewichtszunahme. Die Anzahl der nassen Windeln kann ebenso ein wichtiger Anhaltspunkt sein.

Warten lernen

Praktiziert die Mutter das Tandemstillen, so kommt auch das große Kind weiterhin in den Genuss der Muttermilch und erfährt an der Brust ganz nah bei seiner Mama Liebe und Geborgenheit. Doch nicht immer ist es möglich oder passend beide Kinder anzulegen. Das Baby hat an der Brust immer Vorrang und hin und wieder wird es nötig sein, das Geschwisterchen auf später zu vertrösten. In der Regel stellt dies kein Problem dar, wenn die Mutter auf diese Situation vorbereitet ist. Ein kleiner Snack oder das Lieblingsspielzeug können über die Stillzeit hinweg helfen - und wenn möglich, kann sich in dieser Zeit auch der Vater mit dem Kind beschäftigen. (Geschwister beim Stillen beschäftigen)

Besondere Bedürfnisse der stillenden Mutter

Mutter gönnt sich eine Pause
Das Tandemstillen ist anstrengend. Daher sollten sich
Mütter eine Pause gönnen. - Foto: © Anna Omelchenko

Stillt eine Frau zwei Kinder zeitgleich, so benötigt sie dafür auch die entsprechende Energie. Ohne eine ausreichende und ausgewogene Ernährung besteht die Gefahr von Mangelerscheinungen. Da es die Natur so eingerichtet hat, dass immer zuerst das Kind/die Kinder mit Nährstoffen versorgt werden, wird sich ein eventueller Mangel zuerst bei der Mutter zeigen. Nicht nur einer gesunden Ernährung sollte Beachtung geschenkt werden - genauso wichtig ist eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme. Wasser, Saftschorle oder (Still-) Tee sind hierzu ideal. Eine stillende Mutter benötigt natürlich auch Pausen. Regelmäßige Auszeiten, und sind diese auch noch so kurz, können die Kraftreserven wieder auffüllen und für Ausgeglichenheit und Wohlbefinden sorgen. Hilfe im Haushalt und bei der Kinderbetreuung entlastet zusätzlich und kann der Mutter die eine oder andere ruhige Minute schenken.

Empfindungen der Mutter

Tandemstillen ist eine einzigartige Erfahrung. Doch nicht immer verläuft das gemeinsame Stillen beider Kinder so, wie es sich die Mutter vorgestellt hat. Es kann gut sein, dass in ihr Gefühle aufkeimen, die sie erschrecken und verwirren. Nicht selten empfindet die Mutter das ältere Kind als unsagbar riesig und sein großer Mund an ihrer Brust irgendwie unpassend. Es ist sogar möglich, dass in ihr Wut und Aggressionen aufkeimen und sie sich schließlich dazu entscheidet, das große Kind abzustillen. Wie die Stillbeziehung schlussendlich verläuft kann niemand vorhersagen. Am besten ist, sich darüber gar keine so großen Gedanken zu machen und einfach von einem Tag zum anderen zu leben. Die Mutter spürt meist recht schnell, wenn das Stillen des älteren Kindes für sie nicht mehr stimmig ist. Diese Gefühle sollten immer ernst genommen werden.

Liebe Mütter, setzen Sie sich nicht unter Druck, wenn das Vorhaben "Tandemstillen" früher oder später scheitern sollte. Auch ohne die Brust kann ein Kind Trost und Zuneigung erfahren und sich geliebt fühlen. Und wenn Sie beide Kinder erfolgreich zustammen stillen, so freuen Sie sich über diese Momente und genießen Sie es, Ihren Nachwuchs so nah bei sich zu wissen.
Text: K.L. - Stillberaterin / Stand: 15.03.2017

[Bitte beachten Sie: Unsere Artikel können den Rat eines Arztes nicht ersetzen. Bei gesundheitlichen Problemen wenden Sie sich bitte immer an einen Arzt Ihres Vertrauens!]

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