Baufinanzierung für Familien

Tipps für die Baufinanzierung

Baufinanzierungen sind in Deutschland seit einiger Zeit wieder ein gefragtes Thema.

Hintergrund ist u.a. die derzeit solide wirtschaftliche Lage. Gerade qualifizierte Arbeitnehmer müssen sich um ihren Arbeitsplatz keine Gedanken machen. Sie sind, nicht nur national, gefragt wie selten. Hinzu kommt die für Finanzierer günstige Entwicklung an den Zinsmärkten. Die Zinsen für Baugeld sind auf dem tiefsten Stand der Nachkriegszeit. Diese besondere Situation bringt viele, gerade junge Paare und Familien, dazu sich mit dem Traum einer eigenen Immobilie näher zu beschäftigen. Doch ist dies für junge Menschen einfach so machbar? Und was ist bei einer Finanzierung zu beachten?

Voraussetzungen für die Baufinanzierung

Zuerst einmal ist zu sagen, dass das Alter bei einer Immobilien-Finanzierung heute kaum noch eine Rolle spielt. Junge Menschen Anfang 20 können ebenso einen Kredit für eine Immobilie bekommen wie ein Rentner. Auch der Mythos des aufzubringenden Eigenkapitals (teilweise wird von 20 % des Finanzierungsbedarfs gesprochen) ist nicht zwingend richtig. Wenn die Einkommenssituation eine Vollfinanzierung zulässt, hat damit kaum noch eine Bank ein Problem.

Ein wichtiger Faktor ist natürlich, dass die Einnahmen eines Finanzierungs-Interessenten ausreichen um die laufenden Ausgaben zu decken und genügend Überschuss für die neue Kreditrate vorhanden ist. Die Bank erstellt dazu eine so genannte Haushaltsrechnung. Zuerst werden alle Einkünfte ermittelt (Gehälter, Kindergeld, Unterhalt etc.). Anschließend werden die Ausgaben zusammengerechnet. Für den Lebensunterhalt (Lebensmittel, Kleidung, Telefon etc.) sowie das Auto werden häufig Pauschalen angesetzt. Danach folgenden Fixkosten wie Unterhaltszahlungen, Kredite und Versicherungen. Eine lfd. Miete muss natürlich nicht angesetzt werden, da diese ja bei einer Finanzierung wegfallen würde. Dagegen werden kommende Nebenkosten für die Immobilie (Strom, Wasser, Heizung etc.) schon mit aufgenommen. Für eine grobe Planung kann man 2,- Euro pro m² Wohnfläche rechnen. Eine solche Haushaltsrechnung kann man in groben Zügen bereits vorweg zu Hause aufstellen, um schon einmal zu wissen, ob eine Finanzierung überhaupt in Frage kommt. Das zeigt der Bank ganz nebenbei auch, dass man sich mit dem Thema bereits etwas auseinander gesetzt hat.
Weiterhin ist es gut, wenn man in der näheren Vergangenheit in finanziellen Dingen nicht negativ aufgefallen ist. Eine saubere Kontoführung sagt immer auch etwas über die Zuverlässigkeit eines Kunden aus. Das bedeutet nicht, dass man sein Konto immer im Guthaben geführt haben muss. Aber eine Kontoführung innerhalb der vereinbarten Kreditlinien und ohne Rücklastschriften ist schon sehr hilfreich. Vergangene oder laufende Kredite sind ebenfalls kein Problem, so lange sie immer pünktlich bezahlt werden. Die meisten Banken machen vor einer Finanzierung außerdem eine Anfrage bei der Schufa. In der Schufa stehen viele Finanz-Verträge wie Darlehen oder Kreditkarten. Hat man solche Verträge laufen, steht man meistens auch in der Schufa. Dort wird aber strikt nach positiven und negativen Einträgen unterschieden. Ein Schufa-Eintrag ist also nichts Schlimmes und schon lange kein Hindernis für eine Hausfinanzierung! Werden oder wurden Kredite in der Vergangenheit immer pünktlich oder sogar vorzeitig bezahlt, wirkt sich das ggf. sogar positiv aus. Die Bank kann in diesem Fall sehen, dass der Interessent bisher ein guter und zuverlässiger Kreditnehmer war. Sie können sich auch vorab eine Schufa Selbstauskunft anfordern.

Lassen Sie sich beraten

Eine Familie bei der Beratung in einer Bank
Lassen Sie sich bei Ihrer Bank beraten
Foto: © apops

An wen kann man sich denn aber nun wenden wenn man sich für eine Baufinanzierung interessiert? Zuerst ist natürlich der Weg zur aktuellen Hausbank zu empfehlen. Diese kennt den Anfragenden oftmals seit vielen Jahren, manchmal Jahrzehnten. Gab es bisher eine gute Zusammenarbeit, kann das für beide Seiten bei der Kreditanfrage von großem Vorteil sein. Die Anfrage kann ggf. ohne lange Vorprüfungen bearbeitet werden und ein guter Zinssatz ist möglich. Das gegenseitige Vertrauen spielt gerade bei Finanzierungen in diesen Größenordnungen natürlich eine wichtige Rolle. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl an Filial- oder Internetbanken die Baufinanzierungen anbieten. Bei einer Internetbank sollte man aber selbst ein bisschen Fachwissen mitbringen, da hier einige Dinge selbst erarbeitet werden müssen, die eine Filialbank oftmals übernimmt. Dafür springt für die Mehrarbeit ggf. ein günstigerer Zinssatz heraus. Darüber hinaus gibt es diverse Baufinanzierer, Bausparkassen und Versicherungen die einem Häuslebauer bei der Verwirklichung seines Traums helfen können.

Welche Möglichkeiten der Baufinanzierung gibt es?

Die Finanzierung kann dann über diverse Bausteine aufgebaut werden. In vielen Fällen ist es ratsam sich nicht nur für einen dieser Bausteine zu entscheiden, sondern für eine gute Mischung. Dabei gibt es aber keine Ideallösung. Die richtigen Finanzierungskomponenten müssen individuell auf den Interessenten und seine aktuelle Lebenssituation sowie weitere Lebensplanung zugeschnitten werden.

Bankdarlehen
Eine dieser Komponenten ist das klassische Bankdarlehen. Der Kreditnehmer zahlt hierbei eine fest vereinbarte Rate, die aus Tilgung und Zinsen besteht. Der Tilgungsanteil ist anfangs meist sehr gering. Im Regelfall beträgt er anfangs nur 1 %. Bei der derzeit niedrigen Zinssituation sollten aber mindestens 2 % vereinbart werden, damit das Darlehen auch bei steigenden Zinsen noch bezahlbar bleibt.
Um bei der monatlichen Kreditrate langfristige Planungssicherheit zu haben, wird der Zinssatz (und somit auch die Rate) in der Regel für einen gewissen Zeitraum festgeschrieben. Der Zinssatz kann damit während dieser Laufzeit weder vom Kreditnehmer noch von der Bank verändert werden. Derzeit wählt man eher langfristige Zinsfestschreibungen (10, 15 oder sogar 20 Jahre).

Staatliche Förderbank
In sehr ähnlicher Form kann manchmal die Einbindung einer Finanzierung über eine staatliche Förderbank (z.B. KFW) sinnvoll sein. Hier kann es günstigere Zinsen oder sogar Zuschüsse für bestimmte Bauweisen (z.B. Niedrigenergiehaus) geben. Eine Einbindung solcher Mittel ist über die finanzierende Bank zu prüfen.

Bausparvertrag
Weiterhin kann der Einbau eines Bausparvertrages in die Finanzierung gut sein. Ggf. ist in der Vergangenheit ja sogar bereits ein solcher Vertrag angespart worden, so dass zusätzliche Eigenmittel zur Verfügung stehen. Selbst wenn das nicht der Fall ist, kann ein Bausparvertrag helfen.
In der Anfangsphase ist ein Darlehen aus Bausparmitteln manchmal etwas teurer, da die Zinsen für den Kredit ebenso bezahlt werden müssen wie die Ansparung des Bausparvertrages. Doch im späteren Verlauf der Finanzierung kann sich das auszahlen. Zum einen hat der Bausparvertrag einen dauerhaft gebundenen Kreditzinssatz und zum zweiten bietet er die Möglichkeit von unbegrenzten Sondertilgungen.

Lebensversicherung
Zuletzt bleibt dann noch die Finanzierungs-Variante über eine Lebensversicherung. In diesem Fall erhält der Kreditnehmer sein Darlehen über eine Versicherung an die er auch die Zinsen zahlt. Die Tilgung wird in einer Kapitallebensversicherung angespart. Sobald diese den Wert des Darlehens erreicht hat, löst die Lebensversicherung das Darlehen ab. Gleichzeitig hat der Kreditnehmer einen Versicherungsschutz. Verstirbt er während der Kreditlaufzeit, wird das Darlehen aus der fälligen Versicherungssumme beglichen.

Baufinanzierung - Denken Sie auch an diese Kosten

  • Bodengutachten
  • Grundstückskauf
  • Hausbau
  • Erschließung des Grundstücks (Wasser, Abwasser etc.)
  • evtl. Maklergebühren
  • Grunderwerbssteuer
  • Notarkosten
  • Umzugskosten
  • Nebenkosten für das Haus
  • Reserven für Reparaturen am Haus, Auto, Neuerwerb von z.B. Fernseher, Waschmaschine

Fazit
Welche dieser Varianten, allein oder in Kombination, für den Interessenten in Frage kommen ist immer individuell zu entscheiden. Sieht man sich gegenüber diesen Fragen gut gerüstet, kann man sein Augenmerk tatsächlich in erster Linie auf den Zinssatz richten. In diesem Fall wird man vermutlich über das Internet fündig. Im Regelfall macht sich bei einem Vertrag über so lange Zeit aber eine gute Beratung bezahlt. Denn nicht nur durch die Zinsen lässt sich viel Geld sparen, sondern auch durch die richtigen und passenden Empfehlungen.

Zu einer guten Finanzierungsberatung sollte auch eine Beratung zur Abdeckung der Risiken gehören. Wichtig ist dabei zum einen der bereits erwähnte Todesfallschutz für alle an der Finanzierung Beteiligten. Speziell dann, wenn eine Familie mit Kindern im Hintergrund steht. Auch ein Schutz gegen die finanziellen Folgen einer Berufsunfähigkeit ist heute sehr wichtig. Daneben sollte natürlich auch das finanzierte Objekt versichert sein. Dies ist über die Wohngebäudeversicherung und ggf. zusätzlich eine Hausratversicherung machbar.

Stand: 25.04.2019

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