Das Richtfest feiern

Tipps für das Richtfest

In den letzten Wochen ist viel passiert. Der Rohbau steht, die Zimmerleute haben den Dachstuhl errichtet und die zukünftigen Hausbesitzer können sich nun schon annähernd vorstellen, wie ihr neues Heim einmal aussehen wird. Jetzt ist es Zeit für das Richtfest! Auch sollte man sich nun Gedanken über den Innenausbau machen.

Das Richtfest wird traditionell gefeiert, wenn die Zimmerleute ihre Arbeit beendet haben. Je nach Region trägt diese gesellige Zusammenkunft auch andere Namen - so wird das Richtfest beispielsweise in der Schweiz als Aufrichte, in Österreich als Dachgleiche und im niederdeutschen Raum als Fensterbeer bezeichnet. Doch egal welcher Ausdruck dafür verwendet wird: dieser schöne Brauch ist ein Dank an all die fleißigen Handwerker, welche bisher auf der Baustelle gearbeitet haben. Der Bauherr selbst richtet diese Feier aus und spendiert zu diesem Anlass Speis und Trank.

Bräuche: Richtkrone, Richtkranz oder Richtbaum

Was wäre ein Richtfest ohne Richtkranz? Mit bunten Bändern geschmückt wird dieser vom Zimmermann am Dachstuhl befestigt und kündigt so schon von weitem die Fertigstellung des Rohbaus an. In manchen Regionen wird statt des Kranzes eine Richtkrone oder ein kleines Bäumchen (meist eine Birke) am First des Hauses angebracht. Oft wird noch eine kleine Flasche Schnaps und eine Salami mit an den Kranz gehängt. Die Organisation des Richtkranzes obliegt den Bauherren. Man kann nach seinen Vorstellungen ein Exemplar im Blumengeschäft fertigen lassen oder aber selbst kreativ werden. Für einen Kranz benötigt man nur ausreichend Draht (für das Grundgerüst) und kleine Zweige zum Umwickeln desselben. Bunte Bänder, welche im Wind flattern, dürfen natürlich nicht fehlen. Sie sollten idealer Weise aus hochwertigem Krepp bestehen, da preiswertes Material schnell abfärbt und zu unschönen Flecken am Dachstuhl führen kann.

Ablauf des Richtfestes

Damit alle Handwerker am Richtfest teilnehmen können, findet dieses immer an einem Wochentag während der Arbeitszeit statt. Der Zimmermann bringt den Richtkranz am Dachstuhl an und hält anschließend den Richtspruch. Damit drückt er seinen Dank an den Bauherren und den Architekten des Hauses aus. Zudem soll der Richtspruch Glück und Segen bringen und das Haus sowie die darin lebende Familie schützen. Der Zimmermann trinkt einen Schnaps auf das Wohl der zukünftigen Hausbesitzer und wirft anschließend das Glas zu Boden. Dabei sollte es unbedingt zerspringen, denn tut es das nicht, so steht der Bau unter keinem guten Stern (so ein alter Aberglaube). Anschließend muss der Bauherr auf das Dach und den letzten Nagel in das Gebälk schlagen.

Richtschmaus - geselliges Beisammensein bei leckerem Essen

Da der Richtschmaus auf der Baustelle stattfindet, versteht es sich von selbst, dass hierbei kein 5-Gänge-Menü erwartet wird. Vielfach stellen die Bauherren einfach einen großen Grill auf und braten Würste und Steaks. Dazu gibt es Kartoffelsalat, Brötchen und eventuell noch einige belegte Brote. Verschiedene Getränke, wie Bier, Wein, Schnaps, aber auch Wasser und Säfte gehören ebenfalls dazu. Damit alle Gäste einen Platz haben, sollten im Vorfeld der Feier bereits Sitzgelegenheiten sowie Tische organisiert werden. Hier haben sich Bierzeltgarnituren bewährt, welche man sich preiswert ausleihen kann.
Wird das Richtfest im Sommer gefeiert, kann man daraus ja gleich die erste Sommerparty im eigenen Garten machen. (Ideen für das Essen für die Sommerparty)

Wer wird zum Richtfest eingeladen?

Das Richtfest ist ein Dank an die am Bau beteiligten Handwerker und diese sind selbstverständlich bei der Feier dabei. Ebenso werden ein Vertreter der Hausbaufirma, der Bauleiter und der Architekt eingeladen. Aber auch Freunde, Bekannte und Verwandte nehmen mit Freude die Gelegenheit wahr, um den Baufortschritt zu bestaunen und ihre Glückwünsche auszusprechen. Die zukünftigen Nachbarn gesellen sich ebenfalls gern dazu - eine gute Gelegenheit, um erste neue Kontakte zu knüpfen und sich miteinander bekannt zu machen.

Beim Richtfest handelt es sich um einen alten Brauch und die Zimmerleute sind bekanntlich sehr traditionsbewusst. Manch ein Bauherr hat für diese Art der Feier nichts übrig und ist der Meinung, er kann die Kosten für dieses Unterfangen einsparen, indem er das Richtfest einfach ausfallen lässt. In diesem Fall muss er allerdings mit einem ganz besonderen "Richtkranz" an seinem Haus rechnen: ein alter Besen mit nur wenigen Borsten und einem daran aufgehängten toten Hering künden dann vom Geiz des unwirschen Bauherren...
Text: K. L. / Stand: 04.06.2019

Weitere Infos über die Tradition des Richtfestes finden Sie auf der Webseite der Zimmerei Arend aus Hofgeismar Hümme.

Was tun, wenn die Nachbarn sich über Baulärm beschweren?

Mehr zum Thema Wohnen