Vorzeitige Einschulung

Kleines Mädchen mit großer Zuckertüte
Ist es sinnvoll Kinder früher einzuschulen?
Foto: © Bernd_Leitner

Inhaltsverzeichnis dieses Artikel:

Viele Eltern stoßen in ihrer Umgebung auf Unverständnis, wenn sie über das Thema "vorzeitige Einschulung" laut nachdenken. "Nimm dem armen Kind doch nicht das Spielen" oder auch "In die Schule muss es noch lang genug" sind gewöhnlich die Reaktionen, die Eltern erwarten dürfen. Sie werden als überehrgeizig dargestellt und haben oft schwer an den Kommentaren zu kauen. Dabei stellen sie nicht ohne Grund das Thema zur Diskussion, etwas hat sie dazu angeregt - meist das Verhalten des Kindes.

Reguläre Einschulung:
Standard in Deutschland ist die Einschulung aller Kinder, die im selben Jahr des Schulanfangs bis zum 30. Mai sechs Jahre alt geworden sind. Kinder, die im Juni oder Juli erst sechs werden, dürfen sich theoretisch erst ein Jahr später auf die Zuckertüte freuen.

Nicht ohne Grund, denn dieser wichtige Schritt im Leben eines Kindes muss sehr gut durchdacht sein, schließlich kann er entscheidend für dessen gesamte Schullaufbahn sein und damit weitreichende Folgen haben. Häufig läuft es auf eine Gewissensfrage hinaus, richtig oder falsch mit klaren Grenzen gibt es bei diesem Thema nicht. Jedes Kind ist anders und muss anders bewertet werden. Aufschluss gibt der Einschulungstest

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Ist es sinnvoll das Kind früher einzuschulen?

Viele Schulen nehmen aus Erfahrung nur ungern deutlich jüngere Kinder auf. Die Lehrer wissen wohl um die Lernbereitschaft der Kinder und deren Fähigkeiten, Wissen aufzunehmen und zu verarbeiten. Doch viel mehr spielt in der Schule eine Rolle. Nur ein Jahr ist in diesem Alter eine sehr lange und sehr prägende Zeit. Oft sind die Kinder zwar auf dem Gebiet des Lernens weit genug und können auch den Stoff verarbeiten, entsprechen aber auf sozialem und emotionalem Terrain noch ihren Altersgenossen und haben dadurch Probleme in der Klasse.

Was spricht für eine vorzeitige Einschulung?

Eltern kennen ihr Kind sehr genau. Beginnt das Kind aus Eigeninitiative bereits vor der Einschulung allein mit dem Lesen oder dem Rechnen bzw. zeigt aufgrund von Unterforderung ein auffälliges Verhalten, darf man durchaus über einen vorzeitigen Schulstart nachdenken. Zudem sollte das Kind von selbst den Wunsch nach Schule mehrfach geäußert haben und immer wieder betonen. Beobachten Sie, dass Ihr Kind häufig mit älteren Kindern spielt und eifrig die Hausaufgaben bereits eingeschulter Kinder mit erledigt, ist eine vorzeitige Einschulung nicht abwegig.

Gründe gegen eine vorzeitige Einschulung

Abgesehen von der sozialen und emotionalen Entwicklung sprechen noch einige Gründe, je nach Kind, gegen eine vorzeitige Einschulung. Fühlt sich das Kind im Kindergarten wohl und möchte nicht eingeschult werden, sollten Eltern besser davon absehen. Oft wollen die Kinder ihre Freunde nicht verlieren und sind als jüngstes Kind Außenseiter in der neuen Schulklasse. Kann Ihr Kind sich nicht lang genug konzentrieren, spricht auch nichts für eine vorzeitige Einschulung. Zeigt das Kind keine Eigeninitiative sich zu beschäftigen und muss von Ihnen motiviert werden etwas zu tun, sollte das Kind besser noch etwas mit der Einschulung warten.

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Welche Voraussetzungen müssen für eine vorzeitige Einschulung erfüllt sein?

Kinder müssen an der kostenlosen Vorsorgeuntersuchung U9 teilgenommen haben, die der Kinderarzt bzw. der Hausarzt durchführt. In ihr wird untersucht, ob Ihr Kind sich gesund entwickelt hat und überhaupt körperlich und geistig die Voraussetzung für die Einschulung erfüllt wie auch emotional, sozial und sprachlich weit genug für die Schule entwickelt ist.

Bei der Entscheidungsfindung für eine vorzeitige Einschulung sollten auf keinen Fall die Erzieher einer eventuellen Kindertagesstätte des Kindes außen vor gelassen werden. Sie kennen das Kind in seinem Verhalten außerhalb der Familie genau, können seine Ausdauer einschätzen und die Schulbereitschaft aus ihrer Berufserfahrung beurteilen.

Die Schulleitung der neuen Schule muss der vorzeitigen Einschulung zustimmen, denn sie übernimmt nun auch die Verantwortung. Oft werden Tests mit den Kindern durchgeführt, um eine eigene Einschätzung des Entwicklungsstandes und der Schulbereitschaft des Kindes zu erhalten. Erst wenn das OK des Direktors oder der Direktorin gegeben wird, ist der Weg für die Einschulung frei.

Vorzeitige Einschulung ja, aber:

Auf keinen Fall darf der Überehrgeiz der Eltern ausschlaggebend sein. Das Kind muss es selbst wollen und auf allen Ebenen dafür bereit sein. Die gesetzlichen Voraussetzungen müssen ebenso erfüllt werden wie die familiären, zum Beispiel die Betreuung der Hausaufgaben, ein neuer Tagesablauf und das Pflegen sozialer Kontakte zu Gleichaltrigen. Im Zweifelsfall helfen Beratungsstellen und Schulpsychologen allen Eltern, die sich unsicher bezüglich der vorzeitigen Einschulung sind.
Text: C. D. / Stand: 11.10.2017

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