Anzeichen für eine Hochbegabung

Zwei Mädchen lesen Bücher
Einige hochbegabte Kinder können schon lesen bevor sie
in die Schule kommen - Foto: © Cora Müller


Inhaltsverzeichnis dieses Artikel:

Woran erkennen Eltern, ob ihr Kind eventuell hochbegabt sein könnte?

Dass Eltern von den Talenten ihrer Kinder überzeugt sind, ist kein Staatsgeheimnis.

Stolz zeigen sie die ersten Zeichnungen ihrer Söhne und Töchter vor und sind verblüfft, dass ihr Gegenüber die eindeutige Illustration einer Katze auf dem Sofa aus dem Gewirr von Strichen und Punkten nicht erkennen kann. Doch Eltern hochbegabter Kinder erleben die Besonderheit ihres Nachwuchses auf ganz eigne Art und Weise. Sie wissen: Mein Kind ist anders, dennoch können sie oft nicht sicher deuten, woran es liegt.

Streng wissenschaftlich betrachtet gilt ein Kind als hochbegabt, wenn sein getesteter Intelligenzquotient gleich oder über 130 liegt. Bis Eltern an dem Punkt angelangen, an dem sie eine eindeutige Diagnose mit bestätigten Testergebnissen in der Hand halten, ist es oft ein weiter Weg. Der erste Verdacht auf eine eventuelle Hochbegabung kann schon in ganz jungen Jahren auffallen oder erst, wenn es vielleicht Probleme in der Schule gibt. Schlimmstenfalls wissen Eltern und oft auch Pädagogen die Symptome gar nicht zu deuten. Eines haben jedoch alle gemeinsam. Ihr Kind unterscheidet sich in einer ganz seltsamen Weise von anderen Kindern, die nur schwer zu beschreiben ist.

Hochbegabung im Babyalter erkennen

Schon als Baby bekommen Eltern die genetisch veranlagte Hochbegabung ihrer Kinder oft zu spüren, ohne es zu wissen. Die Kinder brauchen häufig nur wenig Schlaf und sind über das normale Maß hinaus anstrengend. Sie wollen nie allein liegenbleiben, wollen alles sehen. Laute Geräusche sind ihnen unangenehm, sie wachen leicht aus dem Schlaf auf. Geduld war schon als Baby nicht ihre Stärke, dies setzt sich mit zunehmendem Alter fort. Auch wichtige Entwicklungsschritte im Babyalter, wie das Krabbeln, können einfach übersprungen werden und das Kind geht direkt zum Laufen über. Oder es entwickelt sehr zeitig und schnell einen großen Wortschatz, den es auch gern und ausgiebig anwendet. Natürlich treffen diese Eigenschaften auch auf viele normal begabte Kinder zu, dennoch zeigt sich, dass diese Eigenschaften bei Kindern mit einer Hochbegabung rückwirkend betrachtet, gehäuft auftreten.

Natürliche Begabung

Diese kleinen Anhaltspunkte werden durch weitere einzelne Verhaltensweisen mit den Jahren ergänzt. Auffällig und gut erkennbar sind natürlich Begabungen, die Kinder gleichen Alters nicht zeigen. Zum Beispiel, wenn das Kind bereits vor der Einschulung allein lesen, schreiben oder rechnen gelernt hat, die Uhr beherrscht oder großes Detailwissen in einzelnen Fachbereichen zeigt. Andere Zeichen sind schwieriger zu deuten. Alle Kinder stellen viele Fragen, um ihre Welt zu verstehen. Die Anzahl der Fragen hochbegabter Kinder geht jedoch weit über das normale Maß hinaus und unterscheidet sich auch in der detaillierten Art der Fragen. Oft interessieren sie sich für Themen, die normalerweise eher Erwachsenen vorbehalten sind. Beginnt ein Sechsjähriger sich über Politik ausführlich zu unterhalten, fangen Eltern an, das Verhalten ihres Kindes skeptischer zu betrachten. Wissbegierige Kinder - Wie damit umgehen?

Soziale Aspekte

Kinder mit Hochbegabung finden oft schlecht Anschluss unter Gleichaltrigen und sind in ihren sozialen Gruppen nicht voll integriert. Sie zieht es meist zu älteren Kindern hin, die in ihrer Entwicklung bereits viel weiter sind. Ebenso interessieren sie sich oft für Bücher, die über ihre Altersstufe hinaus gehen. Routinearbeiten empfinden hochbegabte Kinder als äußerst langweilig. Vielmehr suchen sie nach schweren Aufgaben und versuchen dabei, die grundlegenden Prinzipien zu erforschen.

Eltern staunen bei hochbegabten Kindern immer wieder, wie diese Ursachen und Wirkung erforschen, wie genau sie Dinge - die für sie interessant sind - beobachten und analysieren, deren Funktion erforschen und sich dazugehörige Fakten merken. Hochbegabte Kinder beobachten das menschliche Verhalten und vertreten auch gegenüber Autoritäten ihre Interessen und Ansichten. Sie sind in der Regel perfektionistisch veranlagt und oft mit sich selbst unzufrieden, da sie ihren Erwartungen noch nicht gewachsen sind, zum Beispiel in der Motorik. Dies endet oft in Wutausbrüchen.

Durch ihren hohen Gerechtigkeitssinn setzen sich hochbegabte Kinder oft für Schwächere ein, kümmern sich um andere. Sie bleiben auch bei ihrer Meinung, selbst wenn sie einer Minderheit angehören und laufen selten mit dem Strom, sondern verfolgen ihre eigene Linie auf Biegen und Brechen. Dies führt dazu, dass hochbegabte Kinder gern die Situation unter Kontrolle haben und in jeder Lage bestimmen wollen.

Nur zu oft zeigt sich eine Hochbegabung bei einem Kind nicht allgemein, sondern vielmehr in einem oder manchmal mehreren Teilgebieten, etwa in Musik oder Mathematik. Sobald Eltern den Verdacht auf eine Hochbegabung hegen, gilt es zu handeln und sich an die richtigen und qualifizierten Stellen zu wenden, um eine gefestigte Diagnose zu erhalten. Denn je eher ein hochbegabtes Kind gefördert und gefordert wird, desto besser kann es sich entfalten und eventuelle Probleme vermieden werden.
Text: C. D. / Stand: 11.04.2019

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