Stillen mit Schlupfwarzen (Hohlwarzen) oder Flachwarzen

Baby beim Stillen
Das Stillen mit Schlupfwarzen ist nicht leicht, aber auch
nicht unmöglich - Foto: © gekaskr

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Stillen mit anders geformten Brustwarzen

Fast alle werdenden Mütter haben den Wunsch ihr Baby nach der Geburt zu stillen. Muttermilch ist in ihrer Zusammensetzung einzigartig und zu jeder Zeit in genau der richtigen Temperatur verfügbar.

Keine Fläschchen sterilisieren, kein Milchpulver anrühren - und besonders in der Nacht oder unterwegs ist es äußerst praktisch, sein Baby einfach an die Brust legen zu können und somit zugleich seinen Hunger und sein Bedürfnis nach körperlicher Zuwendung zu stillen. Doch einige Mütter haben auf Grund ihrer besonderen Brustwarzenform Schwierigkeiten das Baby anzulegen. Diese Frauen müssen keineswegs auf das Stillen verzichten, denn auch mit Schlupf- oder Hohlwarzen ist eine Brusternährung möglich.
Was enthält die Muttermilch?

Was sind Schlupfwarzen (Hohlwarzen)?

Bei den so genannten Schlupfwarzen, welche auch als Hohlwarzen bezeichnet werden, handelt es sich um eine besondere Brustwarzenform. Anders als bei einer normalen Brustwarze tritt diese nicht hervor, wenn die Mutter mit den Fingern den Brustwarzenansatz leicht zusammendrückt. Babys, deren Mütter unter Schlupfwarzen leiden, haben es in der Regel schwer beim Stillen die Brustwarze anzusaugen, da sich diese in den Warzenhof zurückzieht. Jede Frau kann bereits in der Schwangerschaft testen, ob sie Schlupfwarzen hat - aber auch dann, wenn die Mutter dies erst nach der Geburt bemerkt, kann sie mit speziellen Hilfsmitteln erreichen, dass ihr Baby trotzdem an der Brust saugen kann.

Was sind Flachwarzen?

Eine ähnliche Situation stellen die Flachwarzen dar. Diese können sich nicht richtig aufrichten und erschweren daher ebenfalls das Trinken des Kindes an der Brust. Genau wie die Schlupfwarzen können die Hohlwarzen entweder beidseitig auftreten oder aber nur eine Brust betreffen.

Stillhilfsmittel

Je nach Ausprägung der Schlupfwarzen kann es notwendig werden, die Brustwarzen mittels spezieller Stillhilfsmittel aufzurichten, damit das Baby die Brust beim Trinken gut erfassen kann. Jedoch ist dies nicht immer notwendig. Handelt es sich lediglich um eine leichte Form der Schlupfwarzen, so schafft es ein normal entwickeltes Baby in der Regel trotzdem, die Warze so herauszuziehen, dass es stillen kann (das gilt ebenso für Flachwarzen). Ansonsten kann die Mutter eine so genannte Niplette oder Brustwarzenschilder benutzen. Brustwarzenschilder sind spezielle Former, welche im BH getragen werden und durch leichten Druck die Brustwarze "zwingen" nach außen zu treten. Bei der Niplette handelt es sich um eine Art kleine kanülenähnliche Saugpumpe, die im vorderen Teil einen Aufsatz für die Brustwarze besitzt. Mittels Unterdruck wird die Warze dann leicht herausgezogen und somit die verkürzten Milchgänge gedehnt, welche die Ursache für die Schlupfwarzen darstellen. Während die Brustwarzenschilder bedenkenlos bereits in der Schwangerschaft angewendet werden können, sollten Frauen die Niplette erst ab dem 5. Monat und dann nur nach Rücksprache mit der Ärztin oder Hebamme benutzen, da die Saugwirkung dieses Stillhilfsmittels unter Umständen vorzeitige Wehen auslösen kann. Bemerkt eine Frau erst nach der Geburt, dass sie unter Schlupf- oder Flachwarzen leidet, so kann sie vor jedem Stillen die Niplette benutzen, um ihre Warzen für ihr Baby in Form zu bringen. Brustwarzenschilder können einfach zwischen den Stillmahlzeiten getragen werden.
Wie finde ich die richtige BH-Größe für den Still-BH?

Stillen mit Stillhütchen

Stillhütchen sind aus Silikon oder Latex gefertigte Hütchen, welche die Frau auf ihre Brust aufsetzen kann. Der vordere Teil ähnelt dem der weiblichen Brust und kann Frauen mit Warzenproblemen das Stillen erleichtern, da das Baby durch diese Hütchen wie durch einen Sauger trinkt. Nicht alle Babys kommen mit solchen Teilen zurecht und manch eine Mutter empfindet das Aufsetzen der Saughütchen als recht umständlich. Wie so oft im Leben gilt auch hier: einfach ausprobieren und sehen, ob diese Methode für Mutter und Kind geeignet ist. Anwendung von Stillhütchen

Durch Massage die Brustwarze vorbereiten

Hebammen empfehlen "ihren" Frauen bei Flachwarzen gern die Anwendung der so genannten Hofmann-Technik - einer Massageform der Brustwarzen, welche das Hervortreten der Warze ermöglichen soll. Bei dieser Technik stellt sich die Frau gedanklich ein Kreuz auf ihrer Brustwarze vor. Nun werden beide Daumen entlang der gedachten Linie angelegt, und zwar so, das sie sich direkt am Ansatz der Brustwarzen (nicht des Warzenhofes!) befinden. Die Daumen werden jetzt fest in das Brustgewebe gedrückt und dabei gleichzeitig auseinander gezogen. Dasselbe wird an der anderen Linie und dann bei Bedarf an der anderen Brust durchgeführt. Durch die Hofmann-Technik wird erreicht, dass sich die Brustwarze ausdehnt und der Brustwarzenansatz gelöst wird. In Folge dessen kann sich die Warze dann besser aufrichten und dem Baby das Saugen erleichtern. Manche Frauen verzichten auch auf eine spezielle Massagetechnik und reizen ihre Brustwarzen einfach manuell mit den Händen, indem sie diese leicht drehen und an ihnen ziehen.

Leider raten immer noch manche Gynäkologen Frauen mit Schlupf- oder Flachwarzen generell vom Stillen ab und sind der Meinung, dass mit solch einer besonderen Warzenform nicht gestillt werden kann. Doch dem ist nicht so. Mittels der hier genannten Stillhilfsmittel und mit etwas Geduld sowie der Unterstützung einer guten Hebamme ist es in den meisten Fällen möglich, mit Schlupf- oder Flachwarzen dem Baby die Brust zu geben.
Text: K. L. - Stillberaterin / Stand: 04.06.2019
[Bei Fragen wenden Sie sich bitte an einen Arzt oder Ihre Hebamme. Wir geben hier nur allgemeine Hinweise!]

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