Die Wochenendehe mit Kindern

Ein Paar verbringt das Wochenende gemeinsam
Paare, die eine Wochenendehe führen, genießen die
gemeinsame Zeit viel mehr - Foto: © Africa Studio

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Wochenendehe - Kann das gut gehen?

Gesucht und gefunden, das Bauchgefühl sagt ja: Finden zwei Menschen als Paar zueinander, spielen viele Dinge vorerst eine Nebenrolle. So auch der Arbeitsort des Partners. Nach einiger Zeit hat sich dann eine Wochenendbeziehung entwickelt, die später eine Wochenendehe werden kann. Dass solch eine Distanzbeziehung funktionieren kann, beweisen unzählige Paare, die nach diesem Modell glücklich leben. Dass jedoch zu solch einer Ehe auch viel Kompromissbereitschaft, Vertrauen und Geduld von Nöten ist, bleibt außer Frage.

Miteinander reden

Nicht jeder Mensch ist für eine Wochenendehe wirklich geschaffen. Man muss lernen, seinen Alltag weitestgehend allein zu meistern und dabei trotzdem den Ehepartner zu unterstützen, indem man zum Beispiel Ämtergänge für ihn erledigt. Das fällt vielen Menschen schwer, und dennoch nehmen sie es auf sich, um den Mann oder die Frau fürs Leben zu halten. Statt den Alltag miteinander zu teilen, wird sich eher dem anderen "mitgeteilt". Eine gute Kommunikation untereinander, ist das A und O einer funktionierenden Wochenendehe. Viele Paare nutzen die Distanz als Chance, denn sie regt zu Gesprächen an. Die abendlichen Telefonate sind bei vielen Pendlerpaaren zu einem liebgewonnenen Ritual geworden. Dabei geht es nicht um Kontrolle, sondern um das Schaffen von Nähe auf emotionaler Ebene. Das Gespräch suchen, sich mitteilen - viele Menschen in einer Ehe unter einem Dach haben dies verlernt. Schafft man es in einer Distanzehe nicht, die Kommunikation aufrecht zu erhalten, sind Einsamkeit und Entfremdung vorprogrammiert und die Beziehung steht auf wackeligen Beinen.
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Probleme in einer Wochenendehe

In einer Wochenendehe bleibt wenig Zeit füreinander. Unzählige Dinge müssen erledigt werden, und seien es nur das Rasenmähen oder der Einkauf. Die Familie und Freunde fordern ebenfalls ihre Zeit ein. Und so planen Paare in einer Fernbeziehung ihre gemeinsame Zeit sehr aufmerksam. Sie genießen die Stunden zu zweit bewusster und gestalten sie schön, sie konzentrieren sich auf das Positive. So wird in einer Wochenendehe öfter mal das Frühstück ans Bett gebracht als in konventionellen Ehen unter einem Dach. Die damit verbundene Erwartungshaltung, dass das Wochenende super werden muss, kann schnell in eine Enttäuschung umschlagen - und zwar spätestens, wenn auch in einer Wochenendehe der Alltag mit all den kleinen Komplikationen eintritt, die nun einmal zum Leben gehören.
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Obwohl die Paare die partnerschaftliche Unterstützung untereinander in ihrem eignen geregelten Alltag vermissen, birgt sie auch eine Unabhängigkeit in sich, die die meisten genießen. Ein Fußballspiel im Fernsehen ansehen, ohne dass die Ehefrau ein langes Gesicht bekommt oder abends noch mit einer Freundin ausgehen, ohne dass der Ehemann vorwurfsvoll sagt: schon wieder?! - das sind die klaren Vorteile einer Wochenendehe. Das Negative daran ist und bleibt, dass die Wochenenden dafür regelmäßig dem Partner vorbehalten sind und die Zeit für sich, zum Beispiel um auf ein Konzert zu gehen oder eine Veranstaltung zu besuchen, dann oft ins Wasser fällt.

Ein weiterer negativer Effekt einer Wochenendehe ist die Konfliktlösung. Probleme treten in jeder Beziehung auf, und gehören einfach zum Miteinander dazu. Ehepartner in einer Fernbeziehung neigen dazu, kleinere Konflikte zu unterdrücken, um die knapp bemessene Zeit nicht noch mehr zu belasten - doch diese Konflikte schwelen im Untergrund weiter und kommen irgendwann zum Vorschein. Andererseits schaffen es manche Paare, Probleme schnell und zeitnah zu lösen, denn ein langes hin und her können sie sich zeitlich nicht leisten. Diese Routine fehlt herkömmlichen Ehepaaren, die jeden Tag zusammenleben, häufig. Mehr zum Thema Partnerschaftsprobleme lösen

Viele Ehen funktionieren über Jahre gerade so gut, weil sie als Wochenendehe geführt werden. Andere Ehen zerbrechen daran. Einfach ist es nicht für alle Beteiligten. Denn das Bedürfnis nach Nähe und Geborgenheit oder auch nach Rückzug und Abgeschiedenheit passt sich leider nicht automatisch dem Rhythmus des Dienstplans an.
Text: C. D. / Stand: 28.03.2017

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