Probleme mit dem Stiefkind

Text: H. J. (Pädagogin und Erziehungswissenschaftlerin) / Letzte Aktualisierung: 16.01.2021

Probleme mit dem Stiefkind
was tun bei Problemen mit der Stieftochter oder dem Stiefsohn? - Foto: © Pixel-Shot - stock.adobe. com

Viele Stiefeltern haben Probleme mit der Stieftochter oder dem Stiefsohn

Konflikte zwischen Eltern und Kindern gibt es in allen Familien. Die besondere Konstellation innerhalb von Patchworkfamilien kann diese aber unter Umständen verschärfen. Welche Probleme auftreten können und wie man es schafft, sie zu bewältigen, lässt sich pauschal nicht sagen. Viel zu viele Komponenten spielen dabei eine Rolle, beispielsweise wie lange die Patchworkfamilie schon zusammenlebt und wie alt die Kinder sind.

Ursachen der Probleme zwischen Stiefeltern und Stiefkindern

Probleme zwischen Stiefeltern und Stiefkindern können auf unterschiedlichen Ursachen beruhen, die nicht immer an den Kindern liegen. Auch die Stiefeltern oder die leiblichen Eltern können durch ihr Verhalten Konflikte auslösen. Nicht immer sind sich alle Beteiligten dessen bewusst.

Welche Gründe bei Kindern die Auslöser für Probleme mit den Stiefeltern sein können

  • die Kinder haben die Trennung der Eltern noch nicht überwunden und zeigen daher gegenüber der neuen Person an der Seite von Mutter oder Vater eine starke Ablehung bzw. Abwehrhaltung
  • die Kinder sind eifersüchtig auf Stiefmutter oder -vater, weil sie glauben, dass diese mehr Aufmerksamkeit bekommen
  • die eigenen Kinder der Stiefeltern sind eifersüchtig auf die Stiefkinder oder umgekehrt
  • die Kinder sind im Trotzalter oder befinden sich in der Pubertät
  • das Kind hat Schwierigkeiten in der Schule oder mit anderen Kindern und reagiert deshalb innerhalb der Familie problematisch
  • Tipps zum Umgang mit dem Stiefkind

Wann das Verhalten der Stiefeltern zu Problemen innerhalb der Patchworkfamilie führen kann

  • Stiefmutter oder Stiefvater versuchen, die leiblichen Eltern zu ersetzen und stoßen deshalb auf Widerstand bei den Kindern
  • die Stiefeltern sind nicht bereit oder in der Lage, sich auf die Kinder mit ihren Eigenheiten und Wünschen einzustellen
  • die Stiefeltern sind eifersüchtig auf die Kinder
  • die Stiefeltern ziehen ihre eigenen Kinder den Stiefkindern vor oder diese empfinden es zumindest so

Probleme und Unstimmigkeiten können entstehen, wenn sich die Erwachsenen nicht einig sind

  • innerhalb der Patchworkfamilie herrscht keine klare Rollenverteilung
  • die gesetzlichen Eltern der Kinder sind sich bei der Erziehung nicht einig, wodurch es besonders zu Problemen mit Kindern kommen kann, die bei beiden Eltern abwechselnd wohnen
  • das nicht mehr im Haushalt lebende Elternteil akzeptiert die Stiefmutter oder den Stiefvater nicht und hetzt das Kind gegen diese auf
  • das mit im Haushalt lebende Elternteil bezieht die neue Partnerin oder den Partner nicht mit in die Erziehung ein

Eine Schwierigkeit für Stiefmütter und Stiefväter ist es zudem, dass ihre Stellung in der Gesellschaft noch kaum geklärt ist. Die Gesetze beziehen sich in der Regel auf die Form der Kernfamilie, also von Kindern mit ihren gesetzlichen Eltern. Stiefeltern haben daher im Prinzip kein Mitspracherecht bei der Kindererziehung, obwohl beim Zusammenleben trotzdem bestimmte Ansprüche an sie gestellt werden. Eine Ausnahme besteht, wenn die Stiefeltern die Kinder adoptiert haben.

Probleme mit dem Stiefsohn oder der Stieftochter vermeiden oder lösen

Viele Probleme zwischen Stiefeltern und den Kindern des Partners entstehen gar nicht erst, wenn die Rollen innerhalb der Familie klar verteilt sind und die Erwachsenen bei der Erziehung zusammenhalten. Vieles lässt sich klären, wenn alle Beteiligten miteinander reden und ihre Erwartungen sowie Wünsche äußern. Konflikte gemeinsam zu bewältigen, lässt eine Patchworkfamilie aber auch zusammenwachsen und stärker werden.

Allgemeine Tipps für Stiefmütter und Stiefväter

Bedienungsanleitungen wie für den Fernseher oder den Computer gibt es leider für das Zusammenleben mit den Kindern aus einer vorherigen Beziehung des Partners nicht. Jede Familie ist anders und alle Familienmitglieder bringen ihren eigenen Charakter und bisherige Erfahrungen mit. Aus diesem Grund kann es kaum allgemeingültige Tipps geben, die für jede Familiensituation passen. Viele Familientherapeuten geben ihren Klienten jedoch folgendes mit auf den Weg:

  • Stiefmamas oder - papas sollten nicht versuchen, die Mutter oder den Vater zu ersetzen, sondern als weitere Bezugsperson für das Kind da sein.
  • Die Stiefeltern sollten die Erziehungsregeln der Eltern akzeptieren und nicht boykottieren. Wenn sie mit diesen nicht einverstanden sind, ist es besser, das mit dem im Haushalt lebenden Elternteil oder idealerweise mit beiden Eltern zu besprechen, als vor den Kindern auszutragen.
  • Zwischen den eigenen Kindern und den Stiefkindern dürfen die Stiefeltern keine Unterschiede machen beziehungsweise diese bevorzugen.

Hilfe durch Therapeuten

Ist es innerhalb der Familie nicht möglich, zu einer Lösung zu kommen, helfen Familientherapeuten oder systemische Therapeuten, die die Ursachen der vorliegenden Probleme erkennen und Lösungskonzepte finden können. Ein Therapeut agiert überparteilich. Er steht also weder auf der Seite der Eltern oder Stiefeltern noch auf der Seite des Kindes. Stattdessen versucht er sich in jedes Familienmitglied einzufühlen, um die Situation einschätzen zu können. Adressen von Familientherapeuten in der Nähe findet man zum Beispiel auf der Website des Pro Psychotherapie e. V. (https://www.therapie.de/psychotherapie/-art-/familientherapie/). Die Kosten übernehmen in vielen Fällen die gesetzlichen oder privaten Krankenkassen. Bevor ein Therapeut hinzugezogen wird, kann es auch sinnvoll sein, eine Familienberatungsstelle aufzusuchen. Auf der Internetseite des Fachverbandes für Erziehungs- und Familienberatung (https://bke.de/ ) kann man nach Beratungsstellen am Wohnort suchen. Außerdem wird eine kostenfreie sowie anonyme Online-Beratung für Eltern und für Jugendliche angeboten.

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