Fernbeziehung - Zweisamkeit auf Distanz

Paar begrüßt sich freudig am Zug
Fernbeziehung - Wenn man sich nur am Wochenende sieht
Foto: © Gina Sanders


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Was ist eine Wochenendbeziehung?

Man möchte meinen, das Motto einer Fernbeziehung sei: Gemeinsam einsam. Betrachtet man Fernbeziehungen näher, eröffnen sich oftmals völlig neue Perspektiven. Unumstritten ist eine Fernbeziehung auch immer eine Belastung für die Partnerschaft. Egal ob sich die Paare bewusst auf eine Fernbeziehung eingelassen haben, oder diese durch äußere Umstände, wie zum Beispiel berufsbedingte oder familiäre Verpflichtungen, zustande gekommen ist - Fernbeziehungen unterliegen besonderen Bedingungen.

Sie können sich ganz unterschiedlich vollziehen. Ist der Partner durch einen Auslandsaufenthalt gleich mal ein halbes Jahr abwesend, fällt dies den Betroffenen sicherlich schwerer, als die normale Wochenendbeziehung von Pendlern. Ob während des Studiums, durch Urlaubsbekanntschaften oder auch via Internet entstandene Fernbeziehungen, die Anzahl nimmt stetig zu. Mindestens acht Prozent der Paare leben in einer solchen, die Dunkelziffer liegt vermutlich deutlich höher.
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Fakt ist, dass sich die Paare jeweils in völlig eigenen Welten bewegen, und sich mit unterschiedlichen Einflussfaktoren, Erlebnissen, Personen und damit auch Prioritäten konfrontiert sehen. Die Schwierigkeit besteht darin, diese Welten miteinander zu verbinden und sie gemeinsam zu verarbeiten. Und dies sollte nicht ausschließlich in der gemeinsamen und zeitlich arg begrenzten Zeit geschehen, sondern auch während der Trennungszeit passieren. Telefonate oder Emails, vielleicht sogar eine Webcam helfen, eine persönliche Verbindung aufzubauen - ein Gemeinschaftsgefühl, das sagt: Wir sind ein Paar und gehören zusammen. Ohne Kommunikation kann keine Fernbeziehung funktionieren. Eine starke Liebe vorausgesetzt, bedarf es vor allem einer großen Portion Vertrauen in den Partner.

Fernbeziehung - Eifersucht vorprogrammiert

Neigt ein Mensch dazu, schnell eifersüchtig zu werden und misstraut dem Partner, so ist eine Beziehung auf Distanz mit hoher Wahrscheinlichkeit zum Scheitern verurteilt.

Wir können nicht steuern, ob wir uns verlieben. Auf einmal ist dieses Gefühl da und jeder macht das Beste daraus. Doch bevor man sich auf eine Fernbeziehung einlässt, sollte sich jeder fragen: Bin ich dafür geeignet? Schaffe ich es jedes Mal erneut eine Trennung auf Zeit durchzustehen? Erstaunlicherweise gelingt dies den meisten Paaren ganz gut. Das Geheimnis liegt darin, sich selbst Zeit zu geben, diese Tatsache zu akzeptieren. Und dies dauert länger als sich das die Paare gern zugestehen möchten. Bis sich jemand auf die Situation emotional eingelassen hat, kann schon einmal ein halbes oder dreiviertel Jahr vergehen. Danach haben sich Rituale eingespielt. Der Abschied fällt nicht mehr so schwer, man lernt die gemeinsame knappe Zeit sinnvoll zu nutzen. (Wochenende mit der Familie) Kleinere Streitereien werden nebensächlich, weil man gelernt hat, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Konflikte werden auch einmal am Telefon gelöst. Die enormen Gefühlsschwankungen, wie sie jeder am Anfang einer Fernbeziehung erlebt, werden weniger. Zuerst fühlte man Wut, weil der Partner weg geht, danach Trauer dass er weg ist, danach Sehnsucht, dass er wiederkommt und zum Schluss Freude und Harmonie, weil er wieder zu Hause ist. All dies wird mit der Zeit einfacher, die Fernbeziehung gewinnt an Stabilität. Man lernt die Tatsache, dass der Partner wieder gehen wird, auszublenden, um sich die gemeinsame Zeit nicht durch negative Hintergedanken zu verbauen.

Das Vorurteil, Paare in Fernbeziehungen neigen dazu, eher fremdzugehen ist definitiv falsch. Ein Vorteil dieser besonderen Art der Beziehung ist die tiefe Vertrautheit miteinander. Wie viele Paare können schon von sich behaupten, dass nach mehreren Jahren Beziehung immer noch ein Bauchkrabbeln sich einschleicht, wenn der Partner nach Hause kommt? Der Alltag bleibt bei einer Fernbeziehung eher außen vor, als bei dauernd gemeinsam lebenden Paaren, bei denen der Wunsch nach Abwechslung viel stärker ausgeprägt ist. Da man sich nicht permanent sieht, bleibt das Sexualleben länger attraktiv. Die Intimität innerhalb der Beziehung nimmt zu.

Vorteile einer Wochenendbeziehung

Die meisten Fernbeziehungen haben auch den positiven Nebeneffekt, die Karrieren der Partner zu begünstigen und zu fördern. Überstunden und unzählige Meetings fallen einem leichter, wenn niemand mit dem Abendbrot zu Hause wartet.

Partner in einer Fernbeziehung haben das Glück oder auch das Problem - je nach Ansicht der Betroffenen - ein Singleleben mit dem einer tiefen Beziehung abwechselnd erleben zu dürfen. Es entwickeln sich zwei Lebensmittelpunkte, die sich nur teilweise überschneiden. Unterschiedliche soziale Kontakte entstehen, während der Trennungszeit fühlen sich die Beteiligten freier. Sie gestalten sogar jeweils ihren Wohnsitz nach eigenem Ermessen. Es hilft den Paaren diese zu verbinden, indem sie jeweils in der anderen Wohnung persönliche Gegenstände und Utensilien hinterlassen. Dadurch fühlt man sich doch eher heimisch am anderen Wohnsitz.

Durch die Trennungszeiten erleben Paare ihren Partner viel intensiver. Bereits geringste Veränderungen werden instinktiv wahrgenommen, egal ob sie nur äußerlich oder aber emotional sind. Es entwickelt sich eine geistige Verbundenheit.

Schaffen es die Paare in Fernbeziehungen also, die starken Gefühlsschwankungen in den Griff zu bekommen und die belastenden Verpflichtungen, wie Besuche innerhalb der Familie oder Haushaltsaufgaben, in der kurzen gemeinsamen Zeit so gering wie möglich zu halten, dann kann eine Fernbeziehung durchaus funktionieren. Schraubt man dazu noch den Druck der Erwartungen an die gemeinsame Zeit nicht zu hoch und geht immer offen miteinander um, dann lässt sich diese wunderschöne Zeit viel intensiver erleben. Man sollte eine Fernbeziehung nicht ausschließlich als Belastung betrachten, sie bietet auch Möglichkeiten, die in einer "normalen" Partnerschaft unmöglich wären.
Text: C. D. / Stand: 15.03.2017

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