Blutuntersuchungen in der Schwangerschaft

Schwangere beim Blut abnehmen
Die Blutuntersuchungen geben dem Arzt wichtige
Anhaltspunkte - Foto: © Marco Wydmuch

Inhaltsverzeichnis dieses Artikels:

Welche Bluttest werden in der Schwangerschaft durchgeführt?

Sie halten ihren Mutterpass in der Hand und sind in froher Erwartung. Eine aufregende Zeit liegt vor Ihnen; eine Zeit, welche neben viel Vorfreude auch so manche Fragen mit sich bringt.

In Ihrem Frauenarzt haben Sie für alle Probleme einen kompetenten Ansprechpartner gefunden. Ihm liegen in erster Linie Ihre Gesundheit und die des heranwachsenden Babys am Herzen. Im Rahmen der Mutterschaftsvorsorge-Untersuchungen stehen auch verschiedene Bluttests auf dem Programm, an Hand deren Ergebnisse der Arzt für ihn wichtige Informationen erhält. Diese Untersuchungen sind für Sie kostenfrei. Daneben kann es sinnvoll sein, weitere serologische Tests durchführen zu lassen - diese sind unter Umständen aber keine Kassenleistung und müssen selbst finanziert werden.

Bestimmung von Blutgruppe und Rhesusfaktor

Sobald der Frauenarzt die Schwangerschaft feststellt, wird er bei der werdenden Mutter die Blutgruppe und den Rhesusfaktor (Rh-positiv oder Rh-negativ) bestimmen. Eine Rhesusunverträglichkeit zwischen Mutter und Kind kann schwerwiegende Folgen haben. Um zu verhindern, dass in einem solchen Fall das Blut der Mutter Antikörper bildet, welche das Baby gefährden, bekommen die betroffenen Frauen zwischen der 28. und 30. Schwangerschaftswoche eine Injektion mit einem Anti-D-Serum.

Antikörper-Suchtest

Zu Beginn der Schwangerschaft und dann nochmals zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche wird jeweils ein Antikörper-Suchtest durchgeführt. Der Arzt möchte wissen, ob sich im Blut der werdenden Mutter irreguläre Antikörper gegen den Rhesusfaktor des Kindes befinden. Ist dies der Fall, so bekommt die Schwangere die bereits erwähnte Anti-D-Prophylaxe.

Bluttest auf Röteln

Röteln sind nicht nur eine Kinderkrankheit. Tritt diese Infektion während der Schwangerschaft auf, so kann es beim Säugling zu Blindheit, Taubheit, geistigen Behinderungen und zu Herzfehlern kommen. Beim Röteln-Test wird der Titer, also der Schutzwert, bestimmt. Er sollte bei mindestens 1:16 liegen. Ist die Frau nicht gegen Röteln-Viren immun und ist ihr Titer zu niedrig, so wird ihr der Frauenarzt ein Röteln-Immunglobulin per Injektion verabreichen.

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LSR-Test

Hier wird untersucht, ob die Schwangere unter der Geschlechtskrankheit Syphilis (auch Lues oder Franzosenkrankheit genannt) leidet. Ist dies der Fall, so leitet der Arzt eine entsprechende Therapie ein. Eine unbehandelte Syphilis kann schwere Folgen für das Baby haben, daher ist dieser Test ausgesprochen wichtig. Im Mutterpass wird übrigens nur vermerkt, dass der Test durchgeführt wurde. Das Ergebnis darf dort nicht niedergeschrieben werden.

HIV-Test

Das HI-Virus kann während der Schwangerschaft oder bei der Entbindung auf das Baby übertragen werden. Entwicklungsverzögerungen und im schlimmsten Fall eine Fehlgeburt können die Folgen dieser Erkrankung sein. Wird bei der werdenden Mutter eine HIV-Infektion festgestellt, so wird der Arzt die Schwangere medikamentös behandeln und eventuell weitere Therapien einleiten. Der HIV-Test ist freiwillig. Die Schwangere wird vor der Blutentnahme gefragt, ob sie diesen Test wünscht.

Toxoplasmose-Test

Beim Toxoplasmose-Test wird untersucht, ob die Schwangere Antikörper gegenüber dieser Infektion besitzt. Es ist auch nachweisbar, wie lange diese in etwa zurückliegt. Bei einer Toxoplasmose-Erkrankung während der Schwangerschaft kann es beim Ungeborenen zu Hörschäden, Schäden an den inneren Organen und im schlimmsten Fall zu einer Fehl- oder Totgeburt kommen. Ist nachweisbar, dass die werdende Mutter sich erst ganz frisch mit dem Erreger infiziert hat, so wird sie Medikamente erhalten, welche eine Übertragung auf das Baby verhindern sollen. Die Untersuchung des Blutes auf Toxoplasmose-Erreger ist nicht vorgeschrieben, aber da die Folgen für das Baby so gravierend sein können, raten Ärzte dennoch zur Durchführung dieser Untersuchung.

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Bestimmung des Hämoglobin-Wertes

Eisen ist ein wichtiges Spurenelement um rote Blutkörperchen zu bilden. Werdende Mütter benötigen davon besonders viel und leiden nicht selten unter einem Mangel. Um eine Unterversorgung mit Eisen rechtzeitig zu erkennen wird der Arzt bei jedem Vorsorgetermin aus der Fingerkuppe etwas Blut entnehmen, um den Hämoglobin-Wert zu bestimmen. Bei einem Eisenmangel kann die Schwangere durch eine Veränderung der Ernährung mehr von diesem Spurenelement aufnehmen. Sollte das nicht ausreichen, so kann mit Eisentabletten gegengesteuert werden.

HBs-Antigen-Test

Gegen Ende der Schwangerschaft (ab der 32. Woche) wird das Blut der werdenden Mutter auf den Hepatitis B-Erreger überprüft. Hepatitis B ist eine infektiöse Leberentzündung. Damit sich das Baby nach der Geburt nicht bei seiner Mutter ansteckt, wird es im Falle eines positiven Bluttest direkt nach der Geburt gegen Hepatitis B geimpft.

Weitere Blutuntersuchungen im Einzelfall möglich

Neben diesen Bluttests wird der Frauenarzt im Einzelfall zu weiteren serologischen Untersuchungen raten. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn ein Verdacht auf eine schwere Infektion besteht oder wenn bei der Mutter beispielsweise Hinweise auf eine Schwangerschaftsdiabetes vorliegen. Des Weiteren können Blutuntersuchungen durchgeführt werden, um eine eventuelle Behinderung beim Ungeborenen zu erkennen (wie der Triple-Test zwischen der 15. und 20. SSW oder der neue umstrittene Bluttest auf das Down-Syndrom, welcher seit August 2012 auch in Deutschland zugelassen ist).
Text: K. L. / Stand: 08.12.2018

[Bitte beachten Sie: Unsere Artikel können nicht den Rat eines Arztes ersetzen. Bei gesundheitlichen Problemen wenden Sie sich bitte immer an einen Arzt Ihres Vertrauens!]

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