Ideal für Familien: Das sollte eine kinderfreundliche Stadt bieten

Text: A. W. (Familienberaterin) / Letzte Aktualisierung: 17.03.2021

Eine kinderfreundliche Stadt sollte verkehrssicher sein
Kinderfreundliche Stadt: Sicherheit im Straßenverkehr ist wichtig - Symbolbild: © candy1812 - stock.adobe. com

11 Merkmale für kindgerechtes Wohnen

"Wo wollen wir wohnen?" Diese Frage stellen sich viele Menschen, wenn es um ihre Lebens- und Familienplanung geht. Der Wohnort nämlich ist mehr als nur ein Platz, an dem die eigenen Möbel stehen. Gerade die Bedürfnisse von Kindern sollte er befriedigen können, denn das Umfeld spielt bei der Entwicklung der Persönlichkeit eine bedeutende Rolle. Für eine kinderfreundliche Stadt sprechen die folgenden elf Aspekte:

Sicherheit: Stadtplanung und Straßenverkehr

Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Sie können sich daher im Straßenverkehr nicht so sicher und aufmerksam bewegen, wie es ihren Eltern möglich ist. Aus diesem Grund sollte die Stadtplanung das gesteigerte Sicherheitsbedürfnis der Kleinsten berücksichtigen. Möglich machen dies

  • beleuchtete Zebrastreifen
  • ausreichend Fußgänger-Ampeln
  • breite Fahrrad- und Gehwege
  • klug integrierte, verkehrsberuhigte Bereiche
Mit diesen Maßnahmen wird es möglich, dass Kinder den Schulweg eigenständig gehen können, ohne dass sie hierbei großen Gefahren ausgesetzt sind. Mit breiten Radwegen erlaubt eine Stadt außerdem auch das Erlernen des Radfahrens und somit das sichere Herantasten an den Straßenverkehr. Eltern sollten dennoch die Verkehrserziehung nicht vernachlässigen.

Stärkung: Vielfältiges Unterstützungs-Netzwerk

Familien können aus verschiedenen Gründen in schwierige Situationen geraten. Probleme bei der Kindererziehung, Stress in der Partnerschaft oder auch finanzielle und gesundheitliche Herausforderungen: In einer kinderfreundlichen Stadt sollten nicht nur die Kinder, sondern selbstverständlich auch ganze Familien aufgefangen werden können. Angebote zur praktischen Unterstützung, Zugang zu kostenfreier Beratung und Netzwerke für solidarische Hilfe kennzeichnen eine solche Struktur. Eine Stadt sollte diesen Angeboten Raum schenken und beispielsweise speziell ausgerichtete Vereine, Institutionen und Organisationen fördern.

Aber wo findet man nun Hilfe?
Gerade in großen Städten ist es oft schwierig den richtigen Ansprechpartner zu finden. Fragen Sie am besten zuerst im Rathaus der Stadt / Gemeinde nach. Dort hilft man Ihnen gerne weiter. Umso größer die Stadt, umso mehr Verwaltungshierarchien gibt es. Da heißt es Zähne zusammenbeißen und sich durchfragen.

Jugendpflege: Angebote für die größeren Kids

Kinderfreundlichkeit endet nicht mit dem zehnten Geburtstag. Die Bedürfnisse von Jugendlichen sollten daher nicht ignoriert, sondern ebenfalls in das kommunale Angebot integriert werden. Mit speziellen Einrichtungen wie betreuten Jugendtreffs und Orten, an denen Jugendliche ihre Freizeit mit Gleichaltrigen in einem sicheren Umfeld verbringen können, decken Gemeinden auch die oft etwas turbulente Zeit der Pubertät ab. Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch eine enge Zusammenarbeit von Sozialarbeit und Schulen. Besteht in einer Stadt die Möglichkeit, dass schulinterne Themen auch im Rahmen von Freizeittreffen geklärt und bearbeitet werden können, ist dies ein effektives Mittel zur Prävention von Mobbing. Darüber hinaus kann Sozialarbeit in einer Stadt auch dazu dienen, Angebote zur Suchtprävention zu gestalten und Jugendlichen Medienkompetenz beizubringen.

Betreuung: Genügend leistbarer Platz

In einer kinderfreundlichen Stadt sollte es Eltern möglich sein, ihre Kinder altersgerecht und leistbar betreuen zu lassen. Das bedeutet, es muss nicht nur ausreichend Platz für Kinder in Tagesstätten vorhanden sein, sondern auch ein bezahlbarer Rahmen geschaffen werden. Gibt es keine kostenfreie Kinderbetreuung, sollten sich Kommunen finanziell schwächeren Familien gegenüber mit speziellen Angeboten öffnen und ihnen individuelle Lösungen unterbreiten können. Kinderbetreuung ist nämlich in vielen Fällen ein neuralgischer Punkt auf dem Weg zurück in das Berufsleben. Als besonders kinderfreundlich gilt es daher, wenn eine Stadt Kindertagesstätten bietet, in denen auch Schichtarbeiter ihre Kinder betreuen lassen können.

Gesundheit: Alles in der Nähe

Nicht alle Familien haben Zugang zu einem eigenen PKW und müssen ihre Erledigungen zu Fuß, mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder auch per Fahrrad erledigen. Eine möglichst kinderfreundliche Stadt sollte daher im Bereich der gesundheitlichen Versorgung alles bieten, was für die kleinsten Mitglieder der Gesellschaft von Bedeutung ist. Hierzu gehören sowohl ein Zahnarzt mit Angebot für Kinder als auch ein Kinderarzt mit ausreichend Kapazitäten für die Familien der Stadt. Zum erweiterten medizinischen Angebot einer solchen Gemeinde könnten dann auch eine gynäkologische Praxis und eine gute Versorgung durch Hebammen gehören. Dies ist vor allem für Familien wichtig, die noch in der Familienplanung stecken.

Bildung: Schulangebot ohne lange Wege

Genau wie im Bereich der kinderfreundlichen Gesundheitsangebote sollte der Weg zu Bildungseinrichtungen nicht zu weit sein. Ideal im Hinblick auf die Kinderfreundlichkeit ist es, wenn eine Stadt nicht nur eine Grundschule, sondern auch weiterführende Schulen zu bieten hat. Selbstverständlich ist es hierbei wichtig, dass alle Schulen für die Kinder einer Stadt sicher zu erreichen sind. Hier spielt der Punkt der Stadtplanung und Verkehrssicherheit folglich eine besondere Rolle. Gibt es in einer Stadt nicht alle Schulformen, so spricht dies nicht sofort gegen Kinderfreundlichkeit. Als mögliche Lösung und Alternative kann dann eine gute Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel dienen. Ausreichend Busverbindungen oder sogar ein Shuttle-Service für Kinder aus abgelegeneren Stadtteilen gleichen das Fehlen einer Schule vor Ort unter Umständen aus.

Kindgerecht Wohnen: Eltern schaukeln ihre Kinder auf einem öffentlichen Spielplatz
Kindgerecht Wohnen mit ausreichend Platz zum Toben - Symbolbild: © JackF - stock.adobe. com

Freizeit: Platz zum Toben und Spielen

Spielplätze und Grünflächen sind ein besonders wichtiger Bestandteil kinderfreundlicher Städte. Der eigene Wohnort sollte es Kindern aller Altersgruppen möglich machen, sich an der frischen Luft zu bewegen und die Welt zu entdecken. Zu kommunalen Angeboten im Hinblick auf die Freizeit können

  • Spielplätze mit vielfältigen Spielgeräten
  • Skater-Anlagen
  • Bolzplätze
  • und große Wiesenstücke
zählen. Hierbei ist es essenziell, dass die gebotenen Einrichtungen keine Gefahr darstellen. Spielgeräte und andere Gegenstände oder Bauten sollten stets instandgehalten und bei Bedarf erneuert werden.

Oft gibt es auch Spielplätze in Wohnanlagen. Lassen Sie Ihre Kinder dort spielen, kann es passieren, dass sie plötzlich jemanden auf der Straße sehen und hinlaufen. Reden Sie vorab mit Ihrem Kind darüber und lassen Sie kleine Kinder nicht unbeaufsichtigt dort spielen. Auch sollten Sie sich an die Ruhezeiten halten. Denn Kinderlärm führt auch oft zu Streit mit den Nachbarn.

Sozialleben: Vereine, Gruppen und Angebote

Für eine gesunde Entwicklung von Kindern und Jugendlichen braucht es Sozialkontakte. Ein breites Angebot an Spielflächen zur freien Verfügung legt hier zwar bereits ein solides Fundament, sollte jedoch durch weitere Optionen ergänzt werden. Können sich Vereine für verschiedene Sportarten oder Hobbys in einer Stadt auf die Unterstützung der Kommune verlassen, erhalten sie Räumlichkeiten und eventuell auch finanzielle Hilfe, so kann sich ein sehr buntes Freizeitangebot entwickeln. Vom Tanzverein über das eigene Fußballteam bis hin zum Club für Comic-Fans fördert die Vielfalt dann auch die Ausbildung eigener Interessen.

Sauberkeit: Ein gesundes Zuhause auch für die Kleinsten

Ganz ähnlich wie Spielgeräte keine Verletzungsrisiken bergen sollten, zeichnet Sauberkeit das gesamte Stadtbild einer kinderfreundlichen Kommune aus. Die schönsten Spielplätze und Grünanlagen nämlich sind kaum von Wert, wenn sich dort zerbrochene Glasflaschen und anderer Unrat finden lassen. Für Kinderfreundlichkeit spricht folglich auch ein gründliches und gut gefördertes Programm zur Stadtreinigung. Werden Mülleimer regelmäßig geleert, Wiesen gemäht und häufig frequentierte Orte professionell gesäubert, sinkt das Risiko, sich beim Spielen in der Stadt zu verletzen. Außerdem schützt eine gute Stadthygiene auch vor unerwünschten Gästen wie Ratten, welche Spielflächen mit ihrem Kot verunreinigen könnten.

Mitreden: Beteiligung schon im jüngeren Alter

Ein weiterer Punkt, der ganz besonders für Kinderfreundlichkeit spricht, ist die Offenheit einer Gemeinde für die Ansichten und Wünsche der jüngsten Einwohner. Der regelmäßige Austausch kommunaler Verantwortungsträger mit Kindern und Jugendlichen kann besonders wertvoll sein, wenn es um die Weiterentwicklung des bestehenden Angebotes geht. Während sich kleinere Kinder und Grundschüler aufgrund ihres Alters lediglich mit Vorschlägen oder Wünschen beteiligen können, bietet sich die Einrichtung eines Jugend-Gremiums für ältere Kinder an. Dies bietet die Möglichkeit, in den direkten Austausch zu gehen und das Interesse der nächsten Generation an Kommunalpolitik zu wecken. Außerdem: Wer in einer Stadt mitreden darf, fühlt sich automatisch akzeptierter.

Zusammenleben: Generationen mit speziellen Angeboten verbinden

Nicht alle Familien haben das Glück, Zugang zu den Großeltern zu haben. Sind diese bereits verstorben oder wohnen sie sehr weit weg, entfällt ein besonders bedeutsamer Teil der Familie. Oft nämlich sind es die Großeltern, welche die Betreuung von Kindern in der Freizeit übernehmen und ihnen andere Perspektiven bieten können. Mit einem speziellen Angebot zur Vernetzung der Generationen, etwa der Vermittlung von Leih-Großeltern, kann sich eine Stadt nicht nur als kinderfreundlich positionieren. Auch ermöglicht die Kommune dann der älteren Generation ein abwechslungsreicheres Leben, was sich indirekt auf die Lebenszufriedenheit aller Einwohner der Gemeinde auswirken kann. Leih-Großeltern stellen zusätzlich ein weiteres Sicherheitsnetz für berufstätige Eltern dar. Fallen Kita oder Schule einmal aus, ist jemand da, der gerne einspringt. Auch ein Mehrgenerationenhaus ist ideal für Familien. Hier helfen sich junge und ältere Bewohner gegenseitig.

Quellenangabe bzw. weiterführende Informationen:

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