Tipps zur Wohnungsbesichtigung

Ein Paar bei der Wohnungsbesichtigung
Nehmen Sie zur Wohnungsbesichtigung ruhig einen Zettel
mit allen wichtigen Fragen mit - Foto: © Kzenon

Worauf achten bei der Wohnungsbesichtigung?

Endlich! Nach wochenlanger Suche haben Sie eine in Frage kommende Wohnung gefunden und sind nun zu einem Besichtigungstermin eingeladen.

Besonders in großen Städten ist es sehr wahrscheinlich, dass Sie nicht die einzigen Interessenten sind und andere Personen sich genau solche Hoffnungen auf die angebotene Wohnung machen wie Sie selbst. Daher ist es besonders wichtig, sich auf diesen Termin gut vorzubereiten, um somit die Chancen zu erhöhen, am Ende den Mietvertrag unterschreiben zu können.

Vermieter wünschen sich zuverlässige Mieter

Keine Frage: wohl jeder Vermieter ist daran interessiert, dass die Mietzahlungen pünktlich geleistet werden und der Mieter nicht in Zahlungsverzug gerät. Daher haben es Personen, welche in einem festen Arbeitsverhältnis stehen, auch wesentlich leichter eine neue Wohnung zu finden als solche, welche arbeitssuchend sind und von sozialen Leistungen leben. Doch ein gutes Einkommen ist nicht alles: der potentielle Mieter sollte mit den anderen Bewohnern friedlich zusammenleben und sich an die vorgegebene Hausordnung halten. Für viele Vermieter zählt hier der erste Eindruck: ein gepflegter Interessent wird eher als solider Mieter eingestuft als ein Punk in zerrissenen Klamotten, obgleich dieses Schubladendenken sicher nicht immer angebracht ist. Viele Vermieter sehen es gern, wenn Sie eine aktuelle Schufa-Selbstauskunft vorweisen können.

Informationsquellen für den Vermieter

Um sich einen Eindruck über Ihre finanzielle Situation zu machen, möchte der Vermieter einen Einkommensnachweis sehen. Besonders in Großstädten, wo freie Wohnungen Mangelware sind, sollten Sie diesen Nachweis bereits beim Besichtigungstermin mitbringen. Halten Sie eine Kopie Ihres Arbeitsvertrages und auch die Telefonnummer Ihres Vorgesetzten bereit, denn es ist nicht unüblich, dass sich der Vermieter auf diesem Weg über Sie erkundigt. Wichtig: geben Sie vorher Ihrem Chef Bescheid, dass Sie eine neue Wohnung suchen und dass dieser eventuell einen Anruf von einem möglichen Vermieter bekommt. Als weitere Informationsquelle möchte der neue Vermieter eventuell den Kontakt zu ihrem jetzigen Vermieter herstellen, um so zu erfahren, wie zuverlässig Sie sind oder ob es irgendwelche Probleme gab (verzögerte Mietzahlung, Ärger mit den Nachbarn etc.). Genau wie Ihren Chef sollten Sie auch Ihren derzeitigen Vermieter über Ihre Umzugswünsche informieren und nachfragen, ob dieser über Sie Auskunft geben würde.

Ganz wichtig: Ehrlichkeit

Sie haben eine Katze oder einen Hamster und der Mietvertrag untersagt die Haltung von Haustieren? Auch wenn diesbezüglich die Gerichte unterschiedlich entscheiden: lassen Sie es nicht auf einen Streit um die tierischen Mitbewohner hinauslaufen. Geben Sie die Haltung von Haustieren genauso an wie das Spielen eines Instrumentes. Wichtig ist ein gutes Miteinander und wenn von vorn herein Streitpunkte bestehen, so ist dies keine gute Voraussetzung für ein glückliches Wohnen. Auch die Frage nach eventuellen Mietschulden in der Vergangenheit sollten Sie ehrlich beantworten, da der Vermieter dies meist sowieso herausbekommt. Manche Besichtigungstermine gleichen einem wahren Verhör. Auch wenn viele Fragen seitens des Vermieters berechtigt sind: allzu private Einblicke müssen Sie nicht von sich preisgeben. Antworten Sie auf offensichtlich zu neugierige Fragen ruhig einmal mit einer Gegenfrage und erkundigen Sie sich, wieso der Vermieter dies wissen möchte und welche Bedeutung die Frage für ihn hat.

Schauen Sie sich genau um!

Ein Fenster wird geöffnet
Öffnen Sie bei der Besichtigung der Wohnung auch
mal die Fenster - Foto: © thingamajiggs

Eine Wohnungsbesichtigung ist immer eine aufregende Angelegenheit. Wenn möglich, gehen Sie mit Ihrem Partner oder einem guten Freund zu diesem Termin. Vier Augen sehen bekanntlich mehr als zwei und eines steht fest: man kann sich gar nicht genug umschauen, wenn man eine Wohnung zum ersten Mal besichtigt.

Leider kommt es immer wieder zu offensichtlichen oder versteckten Mängeln, welche einfach nicht toleriert werden können.

Achten Sie bei dem Besichtigungstermin besonders darauf, dass

  • Fenster und Türen dicht schließen und es nirgendwo zieht (Wärmeverlust = steigende Heizkosten)
  • sich kein Schimmel an Wänden, Decken oder unter dem Fußbodenbelag befindet (ein muffiger Geruch, graue Ablagerungen und ein sehr feuchtes Raumklima sind Warnzeichen)
  • die Tapete sich nicht ablöst (besonders im Fensterbereich wird diese gern einfach überstrichen und nach kurzer Zeit kommt hier der Schimmel wieder durch, was Ihnen dann als ein mangelndes Lüften der Räume zur Last gelegt wird)
  • die sanitären Anlagen sauber und in ordnungsgemäßen Zustand sind (achten Sie auf Risse in der Keramik, auf eine gut funktionierende Duschabtrennung, auf nicht beschädigte Armaturen...)
  • Bodenbeläge sauber und nicht beschädigt sind (Auslegeware sollte keine Flecken oder extreme Trittspuren aufweisen; Fliesen sollten nicht ausgebrochen oder gerissen, Laminat oder Parkett nicht aufgequollen sein)

Was ist Ihnen persönlich wichtig?

Neben dem Erkennen eventueller Mängel an der Mietsache ist ihr ganz persönlicher Eindruck von der Wohnung von entscheidender Bedeutung.

  • Sind die Räume so geschnitten, dass Sie Ihre Möbel unterbringen?
  • Hören Sie genau hin: wie laut ist die Wohnung? Hört man die vorbeifahrenden Autos oder das Kleinkind von nebenan? Stört Sie dies oder können Sie damit leben?
  • Gibt es einen Abstellraum oder einen Keller? Sind diese Räume groß genug, um auch alles zu verstauen?
  • Wo befindet sich der Waschmaschinenanschluss? In der Wohnung oder außerhalb in einem separaten Waschraum?
  • Falls Sie Ihre alte Küche mitnehmen möchten: passt diese oder kann sie auf den neuen Raum umgearbeitet werden?
  • Kann ausreichend Tageslicht in die neue Wohnung scheinen?
  • Ist der Balkon gut nutzbar und so ausgerichtet, dass Sie je nach persönlichen Vorstellungen die Sonne genießen können?

Worauf sollte man bei der Wohnungsbesichtigung noch achten?

  • Wie sieht der Hausflur aus? Wird er regelmäßig gereinigt?
  • Sind in der Wohnung ausreichend Steckdosen vorhanden?
  • Sind Einrichtungsgegenstände vom Vormieter zu übernehmen - genau prüfen!
  • Besichtigen Sie die Wohnung nach Möglichkeit bei Tageslicht
  • Besichtigen Sie die Wohnung nach Möglichkeit auch an verschiedenen Tagen zu verschiedenen Uhrzeiten, um evtl. Lärmquellen auf die Spur zu kommen
  • Fragen Sie auch nach den Nachbarn (ruhig, Musiker, Kinder etc.)
  • Frage der Renovierung klären (bei Ein- oder Auszug?)
  • Was steckt in den Nebenkosten?
  • Sprechen Sie mit Ihren zukünftigen Nachbarn über evtl. Probleme im Haus
Weitere wichtige Punkte finden Sie auch in unserer Checkliste zur Wohnungsbesichtigung

Teilen Sie dem Vermieter Ihren Eindruck mit

Nachdem Sie alle Räume der Wohnung besichtigt haben, spüren Sie sicher schon ein gewisses Gefühl in sich. Gefällt Ihnen die Wohnung und können Sie sich vorstellen, diese zu mieten, so teilen Sie es dem Vermieter mit. Kommt das Angebot nicht für Sie in Frage, so seien Sie bitte ehrlich. Vielleicht kann der Vermieter noch etwas ändern (zum Beispiel ein neuer Fliesenspiegel oder neue Sanitärkeramik) oder Sie finden einen Kompromiss hinsichtlich des Mietpreises (dies ist selten, aber bei wenig gefragten Wohnungen eventuell möglich). Hegen Sie Zweifel und möchten gern noch weitere Mietobjekte besichtigen, so bitten Sie um etwas Bedenkzeit. Eventuell geht der Vermieter darauf ein - jedoch sollten Sie ihn nicht länger als eine Woche im Unklaren lassen.

Je mehr Wohnungen Sie besichtigen, desto besser können Sie die aktuelle Marktlage einschätzen. Sehen Sie eine langwierige Suche daher nicht als Belastung, sondern eher als Chance für sich selbst. Und wer weiß: vielleicht finden Sie beim nächsten Besichtigungstermin schon das für Sie passende Zuhause?

Und noch ein letzter Tipp:
Besichtigen Sie die Wohnung nach Möglichkeit ein zweites oder gar drittes Mal. Beim ersten Besuch ist man oft so aufgeregt, dass man gar nicht alles mit einmal in sich aufnehmen kann. Meist schaut man sich nur um und überlegt, ob man sich in dieser Wohnung wohl fühlen könnte. Sehen Sie also beim zweiten Besichtigungstermin genauer hin. Manchmal sieht man dann erst Mängel, die man beim flüchtigen ersten Hinsehen übersehen hat.
Text: K. L. / K. F. / Stand: 26.03.2019

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