Milchstau und Brustentzündung beim Stillen

Ein Kirschkernkissen hilft bei einer Brustentzündung
Ein warmes Kirschkernkissen vor dem Stillen auf die Brust
gelegt kann helfen - Foto: © Tobias Hüfler


Inhaltsverzeichnis dieses Artikels:

Wie entsteht eine Milchstau bzw. eine Brustentzündung?

Die Brust drückt und spannt. Schon das versehentliche Berühren mit dem Oberarm ist unangenehm und signalisiert der stillenden Mutter: hier stimmt etwas nicht! Bei genauerem Hinsehen entdeckt man nicht selten eine harte Stelle an der Brust. Ein Milchstau hat sich gebildet und verursacht die Beschwerden. Dieses Stillproblem kommt häufiger vor als man vermutet - fast jede Mutter hat damit im Laufe der Stillperiode mindestens einmal zu kämpfen.

Beim Stillen wird durch das Zusammenspiel verschiedener Hormone im Drüsengewebe der mütterlichen Brust Milch gebildet. Durch das Saugen des Babys wird sie durch die Milchgänge hindurch befördert und dient der natürlichen Ernährung eines Säuglings. Dieser Prozess kann durch verschiedene Faktoren sprichwörtlich ins Stocken geraten. Kann die Milch nicht mehr richtig fließen, so staut sie sich in der Brust und verursacht somit einen Milchstau.
Die meisten Stauungen dieser Art entstehen durch Stress. Nicht selten nimmt sich die junge Mutter viel zu viel auf einmal vor, packt ihren Tag randvoll mit Terminen und der Hausarbeit und vergisst dabei, sich selbst Ruhe und Entspannung zu gönnen. Schnell noch dies erledigen, schnell noch das abarbeiten und die Wohnung putzen - schließlich hat sich die Schwiegermutter zum Besuch angemeldet und alles soll tiptop sein. Doch weit gefehlt. Der Körper quittiert diese Belastungen und zeigt durch den Milchstau genau an, dass jetzt eine Pause dran ist. Doch nicht immer ist Stress an der Entstehung eines Milchstaues schuld. Ein viel zu enger, einschneidender BH oder ein ungünstig gebundenes Tragetuch können ebenso Verursacher einer gestauten Brust sein.

Lesen Sie auch: Gute Mutter trotz Flaschenkost

Die Anzeichen eines Milchstaus

Als stillende Mutter ist es ratsam, die ersten Anzeichen eines Milchstaues zu kennen. Sobald die Brust sich voll anfühlt, sollte das Baby angelegt werden. Und bitte keine Scheu! Sie dürfen Ihren kleinen Liebling dazu ruhig auch aufwecken! Stillen ist eine Paarbeziehung und eine übervolle Brust ist ein Grund dafür, diese dem Baby anzubieten. Wird jetzt nicht gehandelt, so kann es passieren, dass sich eine Stelle der Brust verhärtet, sich rötet und Schmerzen bereitet. Nun ist es allerhöchste Eisenbahn. Befreien Sie die Brust vom einengenden BH und legen Sie Ihr Baby so an, dass sein Unterkiefer an der gestauten Stelle liegt. Sind Sie allein ohne Baby unterwegs, so versuchen Sie die Milch auszustreichen. Egal wie - schnelles Handeln ist nun notwendig und kann verhindern, dass sich der Milchstau verschlimmert.

Gönnen Sie sich Ruhe!

Als weitere Maßnahme ist Ruhe angesaugt. Der Einkauf, die Wäsche, der Abwasch - alles kann warten. Ziehen Sie sich mit Ihrem Baby zurück und lassen Sie alles andere stehen und liegen. Stillen Sie Ihren kleinen Schatz so häufig wie möglich. Meist kann das Baby die Brust gut entleeren. Sollte dies auf Grund einer übervollen Brust jedoch nicht möglich sein, so muss vor dem Stillen etwas Milch ausgestrichen oder abgepumpt werden. Es kann hilfreich sein, die Brust dafür vorher zu wärmen (Kirchkernkissen, warmes Tuch etc.). Entspannen Sie sich dabei, denn psychischer Stress verhindert erst recht das Fließen der Milch. Geht das Baby trotzdem nicht an die Brust, so kann es sein, dass die Milch durch den Stau salziger schmeckt als gewohnt. Dann muss mittels einer Milchpumpe die Muttermilch abgepumpt werden. Nach dem Stillen empfiehlt es sich die Brust zu kühlen. Jede stillende Mutter sollte immer ein Päckchen Quark im Kühlschrank haben - denn eine Auflage davon kühlt die Brust und ist gut bei entzündlichen Prozessen. Der Quark wird einfach messerrückendick auf ein Baumwolltuch gestrichen und auf die Brust gelegt. Auch Weißkohlblätter eignen sich gut zum kühlen und können zurechtgeschnitten sogar im BH getragen werden. Alternativ kann auch eine Packung Tiefkühl-Erbsen helfen - aber bitte diese vorher in ein Tuch einschlagen, um Erfrierungen zu vermeiden.

Symptome einer Brustentzündung

Bessert sich der Milchstau innerhalb von 24 Stunden nicht oder kommen weitere grippeähnliche Symptome und Fieber dazu, so sollte in jedem Fall die Hebamme kontaktiert werden. Aus einem unbehandelten Milchstau kann sich nämlich sehr leicht eine Brustentzündung entwickeln. Und eine Brustentzündung gehört unbedingt in die Hände eines Gynäkologen - wer jetzt noch versucht, der Sache mit Hausmittelchen beizukommen, der handelt sehr leichtsinnig. Die Übergänge von der Brustentzündung zu einem Abszess können fließend sein und dieser müsste im Fall der Fälle operativ behandelt werden. Doch soweit sollte es erst gar nicht kommen. Eine Brustentzündung wird meist mit Antibiotika therapiert und die Mutter erfährt so nach recht kurzer Zeit bereits eine Linderung ihrer Beschwerden. Eigens für die Stillzeit stehen hierfür Medikamente zur Verfügung, bei denen die Mutter keine Stillpause einlegen muss.

Volle Brust - übervolle Brust - Milchstau - Brustentzündung - Brustabszess - diesen Werdegang sollte jede stillende Mutter kennen. Wer bei leichten Symptomen bereits handelt, der erspart sich größere Probleme und ist schneller wieder auf dem Damm.
Text: K. L. - Stillberaterin / Stand: 12.10.2019
[Bei Fragen wenden Sie sich bitte an einen Arzt oder Ihre Hebamme. Wir geben hier nur allgemeine Hinweise!]

Lesenswerte Artikel:

Stillprobleme:

Tipps zum Stillen:

Baby Ratgeber: