Mein Baby wird nicht satt

Wenn das Baby ständig Hunger hat

Das Leben mit einem Neugeborenen ist spannend und aufregend zugleich. Vor allem Paare, welche zum ersten Mal Eltern werden, sehen sich plötzlich mit vielen Fragen konfrontiert. Zu der Freude über den neuen Erdenbürger können manchmal auch Zweifel und Unsicherheiten kommen. Dies betrifft vor allem die Ernährung in den ersten Wochen und Monaten.

Bereits in der Schwangerschaft treffen die meisten werdenden Mütter die Entscheidung, ihr Baby stillen zu wollen. Doch leider geht statistisch gesehen nach der Geburt die Prozentzahl der Mütter, die ihr Kind dann wirklich ausschließlich mit Muttermilch ernähren, von Woche zu Woche zurück.

Nicht selten denken die Mütter, dass ihr Baby allein von der Muttermilch nicht ausreichend gesättigt wird und machen sich Gedanken über die Babyernährung. Doch wie äußert sich dieser Verdacht? Was sind die Ursachen für eine zu geringe Milchmenge und was kann die Mutter tun, damit ihr Kleines an der Brust wieder satt wird?

Zu wenig Muttermilch?

Zunächst einmal muss ganz klar unterschieden werden, ob das Baby wirklich nicht genügend Muttermilch erhält oder ob die Eltern nur der Meinung sind, dass es so ist. Ein quengeliges, schreiendes Baby ist vielleicht gar nicht hungrig, sondern einfach nur überreizt oder müde. Auch Blähungen (Dreimonatskoliken) und Zahnungsbeschwerden können dazu führen, dass ein Säugling viel weint und unzufrieden ist. Doch aus irgendeinem Grund läuten bei vielen Müttern dann sofort die Alarmglocken: Achtung - mein Kind wird nicht satt! Nicht gerade hilfreich sind dann auch Großeltern und Bekannte, die sich darüber, aufregen, dass "das Kind ja schon wieder an der Brust ist" und "mit Sicherheit nicht genug Milch bekommt". Ganz klar, dass diese Kommentare weitere Zweifel sähen und die Eltern verunsichern.

Die Gewichtszunahme ist ein guter Indikator für eine richtige Babyernährung

Ein guter Indikator für eine ausreichende Milchmenge der Mutter ist die Gewichtszunahme des Kindes. Diese sollte bis zum 3. Monat wöchentlich zwischen 113 g und 227 g liegen. Ab dem 4. bis 6. Monat wird eine Gewichtszunahme von 85 g bis 142 g die Woche als erstrebenswert angesehen. Und zwischen dem 6. und 12. Lebensmonat sollte das Baby in der Woche zwischen 42 g und 85 g zunehmen. Wohlgemerkt handelt es sich hierbei um Anhaltspunkte und da ein Baby nun mal ein menschliches Wesen ist, können Schwankungen hier ganz normal sein. Wichtig ist in jedem Fall eine stetige Gewichtszunahme. Doch keine Sorge: die Nachsorgehebamme und auch später der Kinderarzt kontrollieren regelmäßig das Gewicht des Babys, so dass sich niemand mit einem ständigen Wiege-Marathon zu Hause verrückt machen muss. Die Mutter erkennt zudem an der Anzahl der nassen Windeln, ob ihr Kind ausreichend Milch erhält. Ab dem 4. Lebenstag sollten es pro Tag mindestens 6 richtig nasse Wegwerfwindeln sein. Ist das Baby 6 Wochen alt, so kann die Anzahl der Stuhlwindeln stark variieren: von mehrmals täglich bis einmal in der Woche ist alles normal!

Wenn sich der Still-Rhythmus verändert

Doch zurück zu der Sorge, das der Säugling nicht genügend Muttermilch erhält. Meist werden Mütter unsicher, wenn der normale Still-Rhythmus plötzlich aus den Fugen gerät und ihr Kind öfters an die Brust möchte. Zwar stillen die meisten Frauen ihr Baby nach Bedarf - trotzdem entwickeln die Kleinen dabei einen gewissen Rhythmus. Doch es gibt bestimmte Zeiten, da möchten fast alle Kinder vermehrt an der Brust saugen: dies betrifft das Alter zwischen 2 und 3 Wochen, mit 6 Wochen und dann nochmals mit 3 Monaten. Zu diesen Zeiten machen die Babys so genannte Wachstumsschübe durch. Dazu muss man wissen, dass das Stillen auf dem Prinzip von Angebot und Nachfrage basiert. Je häufiger das Baby an der Brust saugt (also seine Milch "bestellt"), desto mehr Muttermilch wird produziert. In Zeiten von Wachstumsschüben benötigen die Kleinen mehr Nahrung. Sie wollen daher öfters stillen und regen so die Brust zu einer vermehrten Milchproduktion an. Meist dauert so ein Wachstumsschub nur ein oder zwei Tage - aber in dieser Zeit kann man fast damit rechnen, dass das Baby mindestens aller 2 Stunden an die Brust möchte. Danach ist der Spuk vorbei und das Kleine kehrt zu seinem gewohnten Rhythmus zurück. Stillt eine Frau nun aber ihr Baby trotz eines Wachstumsschubes nicht häufiger als sonst, so reicht in der Tat die Milchmenge für ihr Kind dann nicht mehr aus. Aus diesem Grund raten Hebammen und Stillberaterinnen immer zu einem Stillen nach Bedarf und nicht nach der Uhr.

Ursachen für zu wenig Muttermilch

Bekommt das Baby tatsächlich nicht ausreichend Muttermilch, so geht es in erster Linie darum, die Ursachen dafür festzustellen. Dabei muss bedacht werden, dass auch die Psyche der Mutter entscheidend für eine ausreichende Milchproduktion verantwortlich ist. Sorgen, Zweifel und Ängste hemmen die Milchbildung und sind daher hinderlich. Ganz wichtig: das Vertrauen in die eigene Fähigkeit, sein Baby mit der Brust zu ernähren. Dazu braucht es eine Hebamme oder Stillberaterin, welche zuhört, die Mutter ermutigt und beratend zur Seite steht. Gemeinsam wird das Stillmanagment unter die Lupe genommen, eventuell die Stillposition verbessert und die Häufigkeit des Anlegens erhöht. Mit dem so genannten Wechselstillen kann die Milchbildung recht schnell erhöht werden - dazu wird das Baby während einer Stillmahlzeit mindestens zweimal an jeder Seite angelegt. Viel Körperkontakt und das Tragen im Tragetuch begünstigen ebenfalls das erfolgreiche Stillen. Während der Stillmahlzeit sollte die Mutter versuchen sich zu entspannen. Eine schöne Tasse Tee und leise Musik können ihr dabei helfen.

Ihr Baby wird nicht satt? - Was tun? - Lesen Sie die Tipps einer Stillberaterin:

Babyernährung - Füttern mit Baby-Cup und Co

Natürlich ist es wichtig, dass das Baby zunimmt. Sollten die oben genannten Maßnahmen nicht ausreichen, so muss der Säugling anderweitig Nahrung erhalten. Ist ausreichend Muttermilch vorhanden, das Baby jedoch trinkt nicht gut an der Brust, so sollte die Milch abgepumpt und zugefüttert werden. Ist dem nicht so, muss künstliche Säuglingsnahrung gegeben werden. Nach Möglichkeit ist auf den Einsatz von Fläschchen zu verzichten - stattdessen kann man das Baby auch mit einem weichen Löffel oder mit einem Baby-Cup (ein weicher Becher eigens für de Säuglingsernährung) füttern. Alternativ kann auch ein Brusternährungsset zum Einsatz kommen. Die genaue Technik aller hier genannten Möglichkeiten zeigt Ihnen gern die Hebamme.

Eine zu geringe Milchmenge muss nicht zwangsläufig das Ende der Stillbeziehung sein. Mit viel Geduld, Zutrauen und fachlicher Hilfe kann dieses Stillproblem sehr gut in den Griff bekommen werden.
Sprechen Sie auch mit Ihrem Kinderarzt und Ihrer Hebamme über die richtige Babyernährung!
Text: K. L. - Stillberaterin / Stand: 11.04.2019

[Bei Fragen wenden Sie sich bitte an einen Arzt oder Ihre Hebamme. Wir geben hier nur allgemeine Hinweise!]

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