Hilfe Stillstreik!

Baby weint beim Stillen
Stillstreik beim Zahnen ist gar nicht so selten
Foto: © mariiya

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Der große Protest beim Stillen

Immer und immer wieder versucht die junge Mutter ihr Baby an die Brust zu bekommen, doch diese Aktionen werden nur mit Geschrei und Gebrüll kommentiert. Zur Faust geballte Händchen und ein grimmiger Gesichtsausdruck signalisieren: Mama - ich will nicht stillen! Lass mich mit der Brust bloß in Ruhe! Die einst so friedliche Idylle bei den Stillmahlzeiten ist plötzlich einem heftigen Protest gewichen - jetzt ist Stillstreik angesagt!

Ein Stillstreik kommt immer unerwartet und ist für die Mutter ein ziemlicher Schock. Nicht selten nimmt sie die Ablehnung ihres Babys geradezu persönlich und fühlt sich tief von der Zurückweisung gekränkt. Hinzu kommt die Sorge um die Ernährung des Kindes - schließlich braucht es doch Milch! Also wird immer eindringlicher versucht, das Baby zum Stillen zu überreden. Doch je mehr Druck die Mutter aufbaut, desto deutlicher wird der Protest des Kindes. Ein Teufelskreis. Doch wie ist dem zu entkommen? Welche Lebensmittel in der Stillzeit meiden?

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Gründe für einen Stillstreik - z.B. Zahnen

Zuerst einmal kann es hilfreich sein zu verstehen, warum das Baby die Brust verweigert. Dafür kann es mehrere Gründe geben. Ein plötzliches, lautes Geräusch während einer Stillmahlzeit kann das Kleine so erschreckt haben, dass es erstmal genug von der Brust hat. Vielleicht hat es ja versehentlich zugebissen und die Mutter hat vor Schmerz laut aufgeschrieen. Oder das Baby hat sich mit der Brust im Mund plötzlich weggedreht, was ebenfalls zu irgendwelchen lauten Schmerzensäußerungen der Mutter geführt hat. Besonders während der Zahnungsperiode verspüren viele Babys den Drang, auf irgendetwas zu kauen. Nur Pech, wenn es sich dabei um die Brustwarze der Mutter handelt... Wie dem auch sei - hier kann der Grund für den plötzlichen Stillstreik verborgen liegen.
Eine weitere Ursache liegt in einer Veränderung des Milchgeschmackes. Durch den Genuss von bestimmten Lebensmitteln kann die Muttermilch plötzlich anders schmecken als gewohnt. So mögen viele Babys keine "Knoblauchmilch" und auch nach dem Genuss von Spargel streiken die kleinen Milchmännchen häufig. Außerdem kann sich der Milchgeschmack ändern, wenn die Mutter vor dem Stillen intensiv Sport getrieben hat oder wenn sie unter einem Milchstau leidet. Auch hormonelle Veränderungen - wie etwa das Wiedereinsetzen der Periode - können ein Grund dafür sein, dass das Baby kurzzeitig die Brust verweigert.
Auch Verdauungsprobleme bei Babys können zum Stillstreik führen.

Was tun, wenn es zum Stillstreik kommt?

Einem Stillstreik sollte man mit ganz viel Ruhe begegnen und keinesfalls das Baby dazu nötigen, nun doch endlich wieder an der Brust zu trinken. Viel Körperkontakt wird Mutter und Kind nun gut tun und kann helfen, sich wieder einander anzunähern. Natürlich wird dabei dem Baby immer mal wieder die Brust zum Stillen angeboten - doch sobald die Mutter Ablehnung spürt, sollte sie den Versuch unterbrechen. In der Regel hält ein Stillstreik nur ein paar Stunden an und meist klappt die Brustmahlzeit dann in der Nacht wieder gut. Dann, wenn das Baby im Halbschlaf ist, wird es gewöhnlich wieder ganz normal saugen und der Streik gehört der Vergangenheit an. Keine Sorge - wenn es sich nicht gerade um ein Neugeborenes handelt, so wird das Baby einen mehrstündigen Streik ohne Probleme verkraften. Denken wir doch nur mal daran, dass es auch Säuglinge gibt, die des Nachts über 10 Stunden durchschlafen (wohlgemerkt: das ist mit Sicherheit die Ausnahme!) und solange ohne Milch auskommen. Unser streikendes Baby wird sich dann eben nach dem Protest seine Milch "abholen" und das vermutlich in mehreren aufeinander folgenden Stillmahlzeiten.

Wenn das Baby allerdings über längere Zeit die Brust verweigert, so muss es anderweitig Nahrung erhalten. Dazu kann die Mutter ihre Muttermilch abpumpen und ihrem Kind per weichem, biegsamen Löffel, einem Baby-Cup oder notfalls auch per Flasche füttern. Doch Vorsicht: besonders in den ersten Lebenswochen kann der Gebrauch eines Flaschensaugers zu einer so genannten Saugverwirrung führen - das Baby kann danach Probleme haben, korrekt an der Brust zu trinken. Wunde Brustwarzen und eine zu geringe Milchaufnahme können die Folgen sein.

Immer wieder machen sich Mütter Sorgen und denken, ihr Baby wird sich abstillen, wenn es die Brust verweigert. Doch dem ist nicht so. Ein Kind, was an der Brust streikt, ist immer unzufrieden. Da wird mit den Händen die Brust abgewehrt, ja, da stehen fast Zornesfalten auf dem kleinen Gesicht. Und das alles wird von heftigem Gebrüll begleitet. Solch ein Verhalten würde ein Baby, was sich abstillt, niemals zeigen. Das natürliche Abstillen geschieht sanft und mit einem Frieden, den die Mutter auf jeden Fall spüren kann. Das Baby wird der Brust gegenüber gleichgültig, es ist im wahrsten Sinne des Wortes "satt". Und genau hier liegt der Unterschied zum Stillstreik.

Ein Stillstreik verschwindet meist genauso plötzlich wie er gekommen ist. Je ruhiger die Mutter die Situation akzeptiert, desto schneller ist die Protest-Aktion vorbei. Und ganz wichtig: das Baby lehnt mit seinem Streik nur die Brust ab und nicht seine Mutter!
Text: K. L. - Stillberaterin / Stand: 04.06.2019
[Bei Fragen wenden Sie sich bitte an einen Arzt oder Ihre Hebamme. Wir geben hier nur allgemeine Hinweise!]

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