Sportverweigerer - Wenn Kinder keinen Sport machen wollen

Kinder faulenzen auf der Couch
"Wir wollen keinen Sport machen!"
Foto: © Monkey Business


Inhaltsverzeichnis dieses Artikel:

Mein Kind will keinen Sport machen

Die Schuleingangsuntersuchung steht an. Neben einem Höhr- und Sehtest gehört auch die Kontrolle des Köpergewichtes zu den notwendigen Untersuchungen.

Der 6-jährige Moritz steigt nur unwillig auf die Waage, denn er weiß genau, was jetzt kommt. Ein Blick auf das Display zeigt deutliches Übergewicht an und lässt Sorgenfalten auf der Stirn der Kinderärztin wachsen. "Frau Schmidt - ihr Sohn muss seine Ernährung umstellen und dringend Sport machen!".

Oh ja, das leidige Thema Sport! Sportspiele austragen, sich mit anderem im Wettlauf messen oder an den Geräten die vorgegebenen Übungen absolvieren - was Heranwachsenden Spaß macht, das bereitet besonders übergewichtigen Kindern und Jugendlichen Probleme. Sie quälen sich vor jeder Sportstunde und erfinden tausend Ausreden, um eine Sportbefreiung zu ergattern. Mitgliedschaft im Sportverein? Ebenfalls Fehlanzeige. Und selbst in der Freizeit kommt Bewegung meist zu kurz. Und dabei wäre diese so dringend notwendig!

Gründe den Sport zu verweigern

Meist sind es zwei Gründe, welche übergewichtige Kinder vom Sport abhalten. Zum einen kommen sie rasch aus der Puste und fühlen sich durch die körperliche Belastung schnell an ihre Leistungsgrenzen gebracht. Sie schwitzen, haben Atemprobleme und keinerlei Kondition. Und zum anderen fürchten sie eine Blamage. Wer möchte schon ewig der Letzte beim 1000 m Lauf sein? Wer so ungelenkig, dass er wie ein nasser Sack vom Stufenbarren plumpst? Leider können Kinder ganz grausam sein und ihre fülligeren, unsportlichen Klassenkameraden mit Worten so verletzen, dass denen automatisch jegliche Lust an der Bewegung vergeht. Diese Lust wieder zu wecken und dabei ganz automatisch etwas gegen die überflüssigen Pfunde unternehmen wäre in der Tat wünschenswert. (Übergewicht bei Kindern) Doch wie motiviert man sein Kind zu mehr körperlicher Betätigung?

Wie animiert man Sportverweigerer?

Ein chinesisches Sprichwort besagt: "Auch der längste Weg beginnt mit dem ersten Schritt". Diese alte Weisheit lässt sich wörtlich nehmen. Spielen Sie nicht länger den Chauffeur für Ihren Nachwuchs, sondern laufen Sie in den Kindergarten oder zur Schule. Und wenn Sie nicht gerade in den Bergen wohnen, so lassen sich die täglichen Wege auch locker mit dem Fahrrad zurücklegen. Auf diesem Wege fließt die sportliche Betätigung ganz nebenbei mit in den Alltag ein, ohne dass sie direkt als "Trainingseinheit" benannt wird.

Sport muss Spaß machen - keine Frage. Finden Sie heraus, wozu Ihr Kind Lust hast! Vielleicht mag es ja keine Sportspiele, sondern möchte lieber auf Inlinern unterwegs sein. Mädchen gehen gern zum Tanzen oder spielen Badminton. Kampfsportarten trainieren nicht nur die Reaktionsfähigkeit, sondern vermitteln darüber hinaus noch Selbstsicherheit und Selbstvertrauen. Eigenschaften, welche gerade benachteiligte Kinder dringend gebrauchen können. Sportvereine bieten häufig Schnupperstunden an, so dass der Nachwuchs ganz unverbindlich eine neue Sportart kennen lernen kann. Doch Vorsicht: leider sind viele Vereine sehr leistungsorientiert und der dort herrschende Druck wirkt sich ungünstig auf die Kinder aus. Doch gerade übergewichtige Kids sollen ja erst einmal wieder Spaß an der Bewegung finden, und nicht gleich mit der Stoppuhr im Nacken gehetzt werden. Leistungsdruck durch die Lehrer und durch die übliche Benotung herrscht in der Schule schon genug und sollte daher aus der Freizeit ferngehalten werden.

Haben Sie schon einmal das aktuelle Info-Heft Ihrer Volkshochschule durchgeblättert? In fast allen größeren Städten werden Kurse speziell für Kinder mit erhöhtem Körpergewicht angeboten. Hier müssen sich die Kids nicht schämen, denn die anderen Kursteilnehmer sind auf einem ähnlichen Level und kommen ebenso leicht aus der Puste. Ganz langsam, Schritt für Schritt, wird die Kondition wieder aufgebaut und mit einem Mehr an Bewegung schmelzen dann auch die Kilos. Jedes Pfund weniger auf der Waage macht sich direkt bemerkbar und lässt die Bewegungsabläufe leichter werden. Neben den Volkshochschulen bieten auch Krankenkassen im Rahmen der Prävention manchmal Sportprogramme für Kinder an. Bei regelmäßiger Teilnahme werden die Kosten sogar ganz oder teilweise erstattet.

Auch die Wochenenden und die Ferien lassen sich bewegungsfreudig gestalten. Sportlich wird es auf einer schönen Radtour zu einem lohnenswerten Ziel. Oder gehen Sie doch mal wieder gemeinsam Schwimmen! Auch eine lange Wanderung - vielleicht mit Geocaching, der modernen Schnitzeljagd, kombiniert - lockt Bewegungsmuffel von der Couch. Abenteuerlich wird es bei einer Tour im Kanadier auf den Flüssen oder Seen in der Umgebung. Wichtig ist ein Ziel; etwas, das dem Kind Spaß macht und für das es sich lohnt, den Hintern zu heben. Das kann unterwegs ein Museum oder ein toller Abenteuerspielplatz sein. Oder ein Picknick am Lagerfeuer. Vielleicht hat ja ein Freund oder eine Freundin Lust dazu, sich ebenfalls mehr zu bewegen. Gemeinsam ist vieles leichter und wenn es genug dabei zu lachen gibt, dann läuft die Bewegung ganz nebenbei ab.
Text: K. L. / Stand: 16.09.2019

Lesenswerte Artikel:

Kinder