Kinderlebensmittel

Lebensmittel für Kinder - Sinnvoll oder schädlich?

Bärchenwurst, Müsliriegel oder Jogurt mit bunten Figuren und extra viel Calcium füllen zu Hauf die Regale der Supermärkte und Discounter. Längst hat die Lebensmittelindustrie Kinder als potentielle Käufer zu schätzen gelernt und flutet den Markt mit sogenannten Kinderlebensmitteln. Eines haben sie alle gemeinsam: sie sind bunt, auffällig, mit Comics oder Figuren aus Film und Fernsehen bedruckt - und sie haben in einer gesunden Kinderernährung nur wenig zu suchen. Lesen Sie auch: Wieviel Süßigkeiten für Kinder?

Marktpotential: Kind als Kunde

Kinderlebensmittel stellen für viele Hersteller ein lukratives Geschäft dar. Sie binden nicht nur bereits die Jüngsten an eine Marke, sondern richten sich darüber hinaus an die große Kaufkraft der Heranwachsenden. Skeptische Eltern werden mit Versprechen wie "die Extraportion Milch, mit wertvollen Vitaminen" oder "ohne Kristallzucker" zum Kauf animiert. Zumeist vermarkten die Hersteller die bunten Kinderlebensmittel werbewirksam. Verpackung und Design sind klar auf den Kindergeschmack abgestimmt. Häufig gehören zu einem Produkt passende Internetauftritte mit Spielen, eingängiger Musik oder kostenlosen Clubmitgliedschaften und Gewinnspielen. Doch seit langem warnen Ernährungsexperten wie auch Verbraucherzentralen vor einer Fehleinschätzung der vermeintlich gesunden Lebensmittel. Nur zu oft enthalten diese viel zu viel Zucker, Fett oder Zusatzstoffe. Darüber hinaus nutzen die Hersteller kleine Verpackungsgrößen, um ihre besonders kinderfreundlich gestalteten Lebensmittel teuer zu verkaufen. Die Kinderlebensmittel sind nach Angaben vieler Produzenten speziell auf die besonderen Bedürfnisse von Heranwachsenden zugeschnitten. Oftmals wurden jedoch der natürliche Geschmack des Nahrungsmittels verfälscht oder gar Geschmacksverstärker wie Glutamat eingesetzt. Dies zieht sich wie ein roter Faden durch das Leben der zukünftigen Erwachsenen, welche bereits als Kind in der Geschmacksentwicklung negativ beeinflusst werden.

Vermeintlich gesunde Lebensmittel

Gesunde Cerealien, Fructose statt Kristallzucker oder besonders viel Nuss in der Schokocreme sind Werbestrategien, mit denen Eltern zum Kauf von Kinderlebensmitteln angeregt werden sollen. Bei genauerer Betrachtung präsentiert sich verantwortungsvollen Müttern und Vätern ein ganz anderes Bild. Während des Lesens der Nährwertangaben bzw. der Zutatenliste wird schnell klar: Zucker, Fett, Salz und künstliche Aromastoffe finden sich nahezu in jedem dieser Produkte reichlich wieder. Hinzu kommen unnatürliche Farbstoffe, die das Lebensmittel interessanter gestalten sollen. So färben etwa manche Kaugummis die Zunge blau, oder der ein oder andere Jogurt mit Vanillegeschmack leuchtet schon fast neon-gelb. Als häufig eingesetzter Zusatzstoff tritt Zitronensäure in Erscheinung. Dieser wurde vom Bundesinstitut für Risikobewertung kritisch eingestuft, da er Karies bei Kindern verursachen kann. Ähnlich verhält es sich mit der Überdosierung von künstlichen Vitaminen oder Mineralstoffen. Um damit werben zu können, müssen Hersteller eine Mindestmenge dieser in ihrem Produkt nachweisen können. Verzehrt ein Kind mehrere Kinderlebensmittel davon, kann durchaus eine Überdosierung eintreten.

Die Zuckerfalle

Zwei Mädchen essen Joghurt
Lebensmittel für Kinder sind meist bunt und süß
Foto: © atikinka2

Ein besonders ärgerliches Problem, über das Verbraucherschützer schon seit langem klagen, sind die hohen Zuckergehalte in Kinderlebensmitteln. Oftmals erkennen Eltern gar nicht auf den ersten Blick die vielen versteckten Zuckerarten, die etwa als Maltodextrin, Milchzucker, Traubenzucker oder Glukosesirup dem "gesunden" Kinderlebensmittel zugeführt wurden. Natürlich genießt die junge Kundschaft die Süße in Kinderjogurts, Fruchtriegeln oder bunten Kindergetränken. Doch für die Gesundheit eines Heranwachsenden spielt es keine Rolle, ob es durch zu viel Kristallzucker falsch ernährt wird, oder etwa durch Fruchtzucker, welcher industriell aus Stärke gewonnen wurde. Ähnlich bedenklich präsentieren sich die Zuckerersatzstoffe. So können etwa Maltit, Sorbit oder Xylit in gesüßten Isodrinks oder Eistee zu Durchfall und Blähungen führen.

Kinderlebensmittel als besondere Belohnung in die Ernährung integrieren

Das Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKE) Dortmund weist darauf hin, dass eine gesunde abwechslungsreiche Ernährung für Kinder keine speziellen Lebensmittel erfordert. Kleinkinder ab einem Jahr dürfen und sollen gern am Familientisch gemeinsam mit Eltern und Geschwistern die normale Alltagskost zu sich nehmen. Dadurch werden alle wichtigen Stoffe wie beispielsweise Vitamine und Mineralien ganz natürlich und ausreichend aufgenommen. Kinderlebensmittel sind zweifelsohne kaum aus dem Alltag der Kinder wegzudenken, werden sie doch täglich überall damit konfrontiert. Daher können diese speziellen Kinderprodukte durchaus als besonderes Extra ab und zu in der Brotbüchse zu finden sein oder als Belohnung das Kind erfreuen, ohne dessen Gesundheit damit dauerhaft zu gefährden.

Beispiele für Kinder Lebensmittel und Alternativen

Beispiel Kinderlebensmittel:
  • Quarkspeisen und Joghurt
  • Cerealien
  • Süßspeisen / Kuchen
  • Würstchen
  • Getränke
  • Fertiggerichte (z.B. Pizza)
Alternative:
  • Magerquark / Naturjoghurt mit frischen Früchten
  • Naturmüsli mit Honig und frischen Früchten
  • Vollkornbrötchen mit Frischkäse und Honig
  • Frische Möhre zum Knabbern
  • Mineralwasser mit einem Schuss Schorle
  • Selbstgemachte Pizza mit frischen Zutaten

Fazit: Kinderlebensmittel sind für eine gesunde Ernährung eines Heranwachsenden überflüssig. Durch eine gesunde und ausgewogene Ernährung erhält das Kind alle wichtigen Nährstoffe, die es braucht. Verantwortungsvolle Eltern hinterfragen die Werbeversprechen der Hersteller und integrieren Kinderlebensmittel nur als besonderes "Extra" in die sonst abwechslungsreiche Ernährung ihrer Sprösslinge.

[ Bei Fragen zu diesem Thema wenden Sie sich bitte an einen Kinderarzt Ihres Vertrauens oder an Ihre Krankenkasse. Wir geben hier nur allgemeine Hinweise! ]

Text: C. D. / Stand: 30.11.2019

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