Egalitärer Erziehungsstil

Eltern und Kinder beim Spielen
Egalitärer Erziehungsstil: Gleichstellung von Eltern und Kindern - Foto: © drubig-photo

Inhaltsverzeichnis dieses Artikel:

Das grundlegende Prinzip der Gleichstellung

Im Laufe der letzten Jahrzehnte ist unsere Gesellschaft offen für neue Stile der Erziehung geworden. Sie betrachtet viel differenzierter die Einstellungen und das Verhalten von Eltern gegenüber ihren Kindern, als früher.

Wurde damals in einem schwarz-weißen Schema "autoritär" oder eben "antiautoritär" erzogen, so stehen Eltern heute zahlreiche Stile der Erziehung offen. Dazu gehört auch der egalitäre Erziehungsstil, der als eine extreme Steigerung des demokratischen Erziehungsstils gilt und nur selten konsequent praktiziert wird. Übersicht der Erziehungsstile

Eltern und Kinder stehen beim egalitären Erziehungsstil auf ein und derselben Stufe. Ein Machtgefüge als solches gibt es nicht. Aufgrund der völligen Gleichstellung von Eltern und Kindern werden alle Entscheidungen gemeinsam getroffen. Die Meinung des Kindes ist dabei explizit einzuholen und zu berücksichtigen, seine Äußerungen zum Thema sind gewünscht. Wer eine Unterordnung des Kindes gegenüber seiner Eltern sucht, wird daher nicht fündig werden. Das Prinzip der Gleichstellung bei diesem Erziehungsstil hat jedoch auch zur Folge, dass Kinder nicht nur aktiv mitbestimmen, sondern auch neben den Rechten die gleichen Pflichten wie ihre Eltern haben. (Lesen Sie dazu auch den Artikel: Kinder im Familienrat)

Egalitärer Erziehungsstil in der Praxis schwierig

Eltern, die sich für den egalitären Stil entschieden haben, bekommen in der Regel im Alltag Probleme. Dies liegt daran, dass jede Entscheidung mit dem Kind ausdiskutiert wird. Muss der Vater früh morgens pünktlich zur Arbeit und sein Sohn entscheidet sich, heute nicht zur Schule zu gehen, führt dies zwangsläufig zu Konflikten. Nicht zuletzt ist die meistens entstehende Pattsituation zwischen Eltern und Kind der Grund, weswegen die egalitäre Erziehung scheitert. Im selbigen Beispiel diskutiert der Vater mit dem Sohn im Streitfall die Pflicht des Kindes, zur Schule zu gehen. Ist dieser jedoch anderer Meinung, beginnt die Diskussion darum erneut. Allein aus der Wahrnehmung der Pflichten der Kinder heraus, wird ein entsprechendes Alter und die dafür notwendige Reife des Sohns oder der Tochter erforderlich.

Die Vorteile des egalitären Erziehungsstils

Obwohl der Erziehungsstil nicht unumstritten ist, liegen seine Vorteile recht klar auf der Hand. Kinder werden ermutigt, ihre Meinung zu äußern und lernen auch, diese zu artikulieren. Lob und Kritik werden immer sachlich geäußert, das Kind hat das Recht dazu Stellung zu beziehen. Eltern bleiben ständig mit ihren Kindern persönlich im Gespräch, was durchaus zu einer Vertiefung der Beziehung zueinander führen kann. Obendrein lernen sie beim egalitären Erziehungsstil, dass die Meinung aller wichtig und gleichberechtigt ist.

Die Nachteile des egalitären Erziehungsstils

Nicht ohne Grund ist dieser Stil der Kindererziehung umstritten. Er setzt die nötige Reife des Kindes voraus. Doch sehr oft haben Kinder ganz andere Bedürfnisse als ihre Eltern, sie suchen nach Regeln und Schutz, nach Führung und Ausbildung. Nicht zuletzt sind die Eltern in der Verantwortung für das Kind und müssen Schaden von ihm abhalten, auch wenn das Kind beispielsweise beschließt, trotz der Zahnschmerzen keinen Zahnarzt aufzusuchen, da es als Erwachsener ja auch nicht in seiner Pflicht liegen würde. Sind die Kinder es aus dem Elternhaus gewohnt, mitzubestimmen, fällt ihnen das Leben außerhalb durchaus schwer. Regeln und Verhaltensvorgaben müssen dort akzeptiert werden, hierarchische Strukturen stehen in unserer Gesellschaft hoch im Kurs.

Es erfordert viel Zeit und vor allem sehr viel Geduld, diesen Erziehungsstil konsequent und zum Wohle des Kindes umzusetzen. Nicht alle Eltern kommen daher dauerhaft und grundlegend mit dem egalitären Erziehungsstil und der damit verbundenen Gleichberechtigung von Eltern und Kind klar.
Text: C. D. / Stand: 04.06.2019

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