Der negierende Erziehungsstil - Desinteresse an der Entwicklung des Kindes

Text: H. J. (Pädagogin und Erziehungswissenschaftlerin), Lesedauer: ca. 3 - 5 Minuten / Letzte Aktualisierung: 05.08.2020

Der negierende Erziehungsstil hat schlimme Auswirkungen auf Kinder
Der negierende Erziehungsstil setzt Kindern keine Grenzen - Foto: © zinkevych - stock.adobe. com

Der negierende Erziehungsstil ist eigentlich keiner, denn Eltern die ihr Kind negierend heranwachsen lassen, lehnen jede Form von Erziehung ab und haben kein Interesse an der Entwicklung ihres Kindes. Für Psychologen, Soziologen und Pädagogen spielt der negierende Erziehungsstil jedoch eine Rolle bei der Beobachtung der Auswirkung des Erzieherverhaltens auf das Kind.

Negierender Erziehungsstil - Was ist das?

Der negierende Erziehungsstil ist einer von sieben Erziehungsstilen, die der Psychologe Glen H. Elder zu Beginn der 1960er Jahre definierte. Elder ergänzte damit die drei Erziehungsstile, die Kurt Lewin rund zwanzig Jahre vorher prägte, und unterschied nun zwischen autoritär, demokratisch und Laissez-Faire sowie autokratisch, egalitär, permissiv und negierend.

Der Begriff negierender Erziehungsstil bezeichnet den Umstand, dass keine Erziehung stattfindet.
Das Kind bleibt sich im Prinzip selbst überlassen und muss alle Entscheidungen allein treffen. Die Eltern oder die Erziehenden stehen nicht leitend oder beratend zur Seite. Sie legen keine Regeln fest und zeigen kein Interesse an den Wünschen oder Sorgen des Kindes.
Der Umgang mit dem Kind lässt Zuneigung und Emotionen vermissen. Zwischen den Eltern beziehungsweise den Erziehenden und dem Kind besteht keine emotionale Bindung.

Negierender Erziehungsstil Junge spielt allein ohne Regeln und Feedback
Beim negierenden Erziehungsstil werden die Kinder sich selbst überlassen. Auch beim spielen!
Foto: © famveldman - stock.adobe. com

Der negierende Erziehungsstil in der Familie

Ein negierender Erziehungsstil äußert sich oft durch eine Vernachlässigung, die bis zur Verwahrlosung des Kindes führen kann. Anzeichen für einen negierenden Erziehungsstil können zum Beispiel diese sein:

  • es gibt in der Wohnung keinen Raum, der kindgerecht eingerichtet ist
  • die Kleidung des Kindes ist zu groß, zu klein, kaputt oder unsauber
  • Schularbeiten und Zensuren werden nicht kontrolliert
  • es finden keine gemeinsamen Aktivitäten statt
  • es gibt keine gemeinsamen Mahlzeiten
  • die Ernährung des Kindes ist mangelhaft oder ungesund
  • Beim negierenden Erziehungsstil bleiben die Eltern Elternversammlungen oder Elterngesprächen in Schule oder Kindergarten fern.

Nicht immer ist der negierende Erziehungsstil so einfach zu erkennen. Der Verzicht auf jegliche Erziehung muss nicht zwangsläufig mit einer äußeren Verwahrlosung einhergehen.
Auch Kinder mit sauberer Kleidung und einem üppig ausgestatteten Kinderzimmer können unter der Ignoranz und der Negierung ihrer Eltern leiden und sich durch diese vernachlässigt fühlen.
In der Psychologie wird eine seelische Vernachlässigung emotionale Deprivation genannt. Diese liegt beispielsweise vor, wenn Eltern ihr Kleinkind lange allein lassen oder wenig berühren.

Auswirkungen eines negierenden Erziehungsstils

Negierend aufwachsende Kinder leiden oft unter einem mangelnden Selbstwertgefühl und einem geringen Selbstbewusstsein. Auch Defizite bei der intellektuellen Entwicklung oder der Aggressionskontrolle werden als Folge dieses Erziehungsstils angesehen. Durch das Fehlen einer emotionalen Bindung zwischen den Erziehenden und dem Kind, ist dieses in späteren Jahren unter Umständen beziehungsunfähig. Die Suche nach Geborgenheit und Zuneigung kann dazu führen, dass es als Erwachsener Beziehungen mit Menschen eingeht, die ihm nicht gut tun. Auch der Missbrauch von Alkohol, Medikamenten oder Drogen kann als Folge eines negierenden Erziehungsstils in Frage kommen.

Erziehungsstile in der Übersicht:

[ Zum Seitenanfang ]