Der permissive Erziehungsstil - Erziehung mit wenig Kontrolle

Text: H. J. (Pädagogin und Erziehungswissenschaftlerin), Lesedauer: ca. 3 - 5 Minuten / Letzte Aktualisierung: 19.10.2020

Permissiver Erziehungsstil Kinder treffen selber  Entscheidungen
Beim permissiven Erziehungsstil sind die Eltern sehr tolerant - Foto: © topshots - stock.adobe. com

Der Begriff des permissiven Erziehungsstils wurde vermutlich erstmals in den 1960er Jahren durch die amerikanische Entwicklungspsychologin Diana Baumrind genutzt, die die Auswirkung des Erzieherverhaltens auf die Entwicklung von Kindern erforschte. Baumrind unterschied bei ihren Untersuchungen insbesondere den autoritären, den autoritativen und den permissiven Erziehungsstil.
Durch die Psychologen Eleanor E. Maccoby und John A. Martin wurde der permissive Erziehungsstil später noch enger differenziert, und zwar in eine vernachlässigende und eine verwöhnende Ausprägung.

Permissiver Erziehungsstil - Was ist das?

Der permissive Erziehungsstil ist durch Toleranz und Nachgiebigkeit gegenüber dem Kind geprägt.
Feste Regeln, Kontrolle oder gar Bestrafung spielen nur eine geringe Rolle. Es gibt keine Richtlinien, an denen sich das Kind orientieren kann. Die Eltern zeigen ein gewisses Maß an Zuneigung, ohne zu viel Wärme auszustrahlen. Wie beim Laissez-faire sollen sich Kinder auch beim permissiven Erziehungsstil frei entfalten können, ohne dass sich die Eltern in die Entwicklung zu stark einmischen.

Beim permissiven Erziehungsstil ist das Kind stark gefordert. Die Berücksichtigung der Bedürfnisse durch die Erziehenden ist nämlich nur dann möglich, wenn das Kind sicher dieser auch bewusst ist und äußern kann. Es muss also selbst aktiv werden und einen eigenen Standpunkt vertreten.

Kriterien für den permissiven Erziehungsstil

  • die Haltung der Erziehenden ist eher passiv
  • Erziehende halten sich zurück und legen kaum feste Regeln fest
  • der Umgang mit dem Kind ist freundlich
  • das Kind wird mit seinen Bedürfnissen und Wünschen ernst genommen
  • die Eigeninitiative des Kindes beispielsweise beim Einfordern von Hilfe ist nötig
permissive Erziehungsstil - Kinder haben viele Freiheiten
Permissive Erziehungsstil bedeutet auch: Wünschen von Kindern werden ernst genommen! - Foto: © deagreez - stock.adobe. com

Der permissive Erziehungsstil in der Familie

Eltern, die auf den permissiven Erziehungsstil setzen, überlassen viele Entscheidungen ihrem Kind. Dieses darf zum Beispiel allein bestimmen, was es anzieht, unabhängig vom Zweck oder vom Wetter.
Schulische Belange werden kaum hinterfragt und das Kind muss selbst entscheiden, ob und wie es die vom Lehrer erteilten Hausaufgaben erledigt. Durch die Eltern erfolgt keine Kontrolle. Sie werden frühestens aktiv, wenn es Nachfragen aus der Schule gibt. Genauso wie mit Kritik geizen die Eltern mit Lob. Zu sagen, dass permissive Eltern ihre Kinder vernachlässigen, wäre dennoch übertrieben, denn deren Entfaltung liegt ihnen meistens durchaus am Herzen.

Auswirkungen eines permissiven Erziehungsstils

Diana Baumrind stellte bei Untersuchungen zur Auswirkung elterlicher Erziehung auf Kinder im Vorschulalter fest, dass ein permissiver Erziehungsstil ein geringes Maß an Selbstkontrolle und Selbstvertrauen bei den Kindern zur Folge hatte.
Den Fokus auf Jugendliche legten hingegen unter anderem Susie D. Lamborn und Laurence Steinberg in ihren Untersuchungen zu Erziehungsstilen zu Beginn der 1990er Jahre. Ihren Studien nach hatten Jugendliche, die in einem vernachlässigenden Stil erzogen wurden, eindeutig Nachteile im Vergleich zu solchen mit autoritativer Erziehung. Stammten sie aus verwöhnenden Elternhäusern waren die Ergebnisse eher gemischt.

Erziehungsstile in der Übersicht:

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