Wie Kinder sprechen lernen
Text: K. L. (Stillberaterin und selber Mutter von 3 Kindern) / Letzte Aktualisierung: 28.04.2026
In diesem Artikel erklärt eine erfahrene Mutter wie Sie Ihr Kind beim Sprechen lernen unterstützen können.
So lernen Kinder richtig sprechen
Die Sprache ist ein ganz wichtiges Element unseres Lebens. Mit ihrer Hilfe teilen wir uns Anderen mit, verstehen unser Gegenüber und sind so erst in der Lage wirklich zu kommunizieren.
Babysprache verstehen
Schon lange bevor ein Baby seine ersten Wörter spricht, lernt es unsere Sprache. Dieser Lernprozess beginnt damit, dass ein Baby hört was wir zu ihm sagen. Aus diesem Grund ist es so wichtig, dass wir immer mit unserem Baby sprechen. Das ist ganz einfach und lässt sich problemlos in den Alltag integrieren. Begleiten Sie all Ihre Tätigkeiten mit Worten, zum Beispiel beim Wickeln oder bei der Mahlzeit. Schon bald werden Sie merken, dass Ihr Baby darauf reagiert. Zuerst mit einem Lächeln, dann mit glucksenden Lauten und irgendwann wird es dann ganz einfache Silben und später dann Worte von sich geben. Etwa mit einem halben Jahr können Sie sich an den ersten "Ma-ma-ma" oder "Ba-ba-ba" erfreuen. Und ab dann schreitet die Sprachentwicklung merklich voran. Es folgen weitere Silben und erste einfache Wörter, wie "Mama", "Papa", "Licht", "aus", "ein". Die ersten Wörter bezeichnen Dinge, die Ihr Baby sehr häufig hört oder von denen es völlig fasziniert ist. Zwischen dem ersten und dem zweiten Lebensjahr kann Ihr Kind dann schon einfache Zwei-Wort- oder Drei-Wort-Sätze bilden.
Manche Kinder brabbeln auch vor sich hin, wenn sie allein sind. Mit einem Babyphone können Sie zuhören und bekommen die ersten Wörter mit.
Richtig vorsprechen
Da Kinder durch Nachahmung das Sprechen lernen, ist es besonders wichtig, dass Sie Ihrem Kind die Wörter korrekt vorsprechen. Viele Eltern fallen in den ersten Jahren Ihres Kindes in die Babysprache zurück. So wird dann die Katze als "Miau" und der Hund als "Wau-Wau" bezeichnet. Ihr Kind wird diese Worte zwar relativ schnell sprechen, muss aber später dann wieder umlernen, dass eben der "Wau-Wau" kein "Wau-Wau", sondern ein "Hund" ist.
Ihr Nachwuchs wird anfangs noch Probleme haben die Wörter richtig auszusprechen - das ist völlig normal. Korrigieren Sie Ihr Kind - aber tun Sie dies auf eine indirekte Weise. Sagt es beispielsweise "atze" statt "Katze", so können Sie antworten: "Ja mein Schatz, das ist eine Katze". So lernt Ihr Kind ganz nebenbei die richtige Aussprache und fühlt sich nicht ständig belehrt.
Wie können Sie Ihr Baby noch beim Sprechen lernen unterstützen?
Nun, eine wunderbare Möglichkeit bietet sich im Vorlesen. Wenn Kinder mit Büchern aufwachsen, so werden sie ständig von Wörtern umgeben. Schon für die ganz Kleinen gibt es schöne Bilderbücher zum anschauen. Mama oder Papa erzählen dann dem Baby, was da alles drauf zu sehen ist. Größere Kinder lieben es, wenn sie Geschichten vorgelesen bekommen. Die Zeit, welche Sie in das Vorlesen stecken, ist gut investiert. Ihr Kind lernt so deutlich schneller sprechen und später, wenn es selbst lesen gelernt hat, wird es ganz automatisch auch zu Büchern greifen.
Aber wie bereits eingangs erwähnt ist es das Wichtigste, dass Sie viel mit Ihrem Kind sprechen. Ihr Baby liebt den Klang Ihrer Stimme und es genießt die Aufmerksamkeit, welche es damit bekommt. Die Sprache Ihres Kindes kann sich nur dann entwickeln, wenn sein Gehirn Anreize dazu erhält. Und der wichtigste Anreiz bleibt nun mal unsere Ansprache. Weitere Infos zur Sprachentwicklung bei Kindern und Sprachförderung zuhause
Babys entwickeln sich unterschiedlich, das haben Sie ja sicher schon in vielen anderen Bereichen erlebt. Das eine Kind lernt eher rabbeln als das Andere (Lesen Sie dazu auch: Ab wann krabbeln Babys?) und wenn das Kind der Freundin vielleicht schon seine ersten tapsigen Schritte unternimmt, denkt Ihr eigenes Baby noch gar nicht daran aufzustehen. Unterschiede in der Entwicklung sind also völlig normal, das ist beim Sprechen lernen nicht anders. Sollte Ihr Kind jedoch mit etwa 14 oder 15 Monaten noch kein einziges Wort sprechen, dann ist es notwendig darüber mit dem Kinderarzt zu sprechen. Hinter einer verzögerten Sprachentwicklung können sich Hörprobleme verstecken. Dies sollte unbedingt abgeklärt werden Lesen Sie auch unsere Tipps zur Babypflege.
Mehrsprachig aufwachsen
Immer mehr Kinder wachsen heute mit zwei oder mehr Sprachen auf. Bilingualer Spracherwerb ist für das Gehirn keine Überforderung, sondern ein Gewinn - mehrsprachige Kinder entwickeln meist eine bessere Konzentrations- und Wechsel-Fähigkeit. Bewährt hat sich das Eine-Person-eine-Sprache-Prinzip: Jeder Elternteil spricht konsequent nur seine eigene Muttersprache mit dem Kind. So entwickelt das Kind getrennte Wortschätze und ordnet die Sprachen klar zu. Bitte nicht erschrecken: Mehrsprachige Kinder beginnen oft ein paar Monate später aktiv zu sprechen und mischen vorübergehend die Sprachen. Beides ist normal und legt sich spätestens im Vorschulalter.
Häufige Fragen zum Sprechen lernen
Wann beginnen Babys zu sprechen?
Erste Silben wie "Ma-ma" oder "Ba-ba" kommen meist um den 6. Lebensmonat. Erste sinngebundene Wörter folgen zwischen dem 10. und 14. Lebensmonat. Mit 24 Monaten bilden viele Kinder bereits Zwei- oder Drei-Wort-Sätze.
Soll ich Babysprache vermeiden?
Ja, dauerhaft sollten Eltern Wörter korrekt vorsprechen. Statt "Wau-Wau" besser "Hund" sagen - sonst muss das Kind später umlernen. Liebevolle Tonlage und Wiederholung sind dagegen wichtig.
Wie korrigiere ich falsch ausgesprochene Wörter?
Indirekt - durch korrektes Wiederholen statt Tadel. Sagt das Kind "atze", antworten Sie "Ja, das ist eine Katze". So lernt es nebenbei die richtige Aussprache, ohne sich belehrt zu fühlen.
Wann zum Logopäden?
Bei deutlichen Verzögerungen sollten Eltern aufmerksam werden: Mit 24 Monaten weniger als 50 Wörter, mit 3 Jahren noch keine Zwei-Wort-Sätze, schlechte Verständlichkeit für Außenstehende. Kinderarzt und Logopäde können abklären - je früher, desto besser.