Regenbogenfamilie - Wenn Liebe konventionelle Grenzen überwindet

Ein Regenbogen aus Herzen
Was ist eine Regenbogenfamilie? - Foto: © Silberblatt

Wie viele Kinder in Deutschland werden innerhalb althergebrachter Familienmodelle geboren, ohne wirklich von ihren Eltern gewollt worden zu sein? Und dennoch gibt es außerhalb der gewöhnlichen Familienkonstellation genügend gleichgeschlechtliche Eltern, die sich von ganzem Herzen ein Kind wünschen, weil sie so viel Liebe und Geborgenheit zu geben haben. Doch ihnen werden Stolpersteine in den Weg gelegt, die es ihnen schwer machen, diesen Wunsch zu verwirklichen.

Tipps & Infos zum Thema Regenbogenfamilie

Was ist eine Regenbogenfamilie?

Die Regenbogenfamilie steht für eine alternative Familienform mit Zukunft. Lesben, Schwule, bisexuelle und transsexuelle Menschen wünschen sich, ebenso wie Heterosexuelle, Kinder, um ihr Leben vollkommen zu machen. In der Theorie und dem gesunden Menschenverstand zufolge steht dem nichts entgegen. In der Praxis jedoch, stellen gesellschaftliche Konventionen, gesetzliche Hürden und Restriktionen die gleichgeschlechtlichen Eltern vor scheinbar unüberwindbare Hindernisse. Dabei leben in Deutschland mehr als zwei Millionen Kinder in einer Regenbogenfamilie. Zugegeben, die meisten davon stammen ursprünglich aus vorangegangen heterosexuellen Beziehungen, und leben erst seit dem Coming Out ihrer Eltern in einer Regenbogenfamilie. Aber das Bedürfnis junger gleichgeschlechtlicher Paare nach Kindern wächst. Die Möglichkeiten diesen Wunsch umzusetzen, sind nicht unbedingt vielseitig:

Wie wird man zur Regenbogenfamilie?

Die Pflegeelternschaft:
Gleichgeschlechtliche Paare können - wie alle anderen auch - beim Jugendamt einen Antrag auf eine Pflegeelternschaft stellen. So weit so gut. In Abhängigkeit der Ansicht der zuständigen Sachbearbeiter "was ist eine normale Familie und was ist das Beste für ein Kind", liegt allerdings der positive Bescheid auf einer Waagschale. Die Chancen stehen in einer Großstadt natürlich besser, als auf dem Land. Denn Toleranz ist ausschlaggebend. Hat ein Paar das Glück mit der Pflegeelternschaft eines oder mehrerer Kinder betraut zu werden, müssen sie leider immer mit dem Risiko der Unsicherheit leben. Wie alle anderen Pflegeeltern auch, können sie in die Situation kommen, dass die Kinder wieder ihrer Obhut entzogen werden und eine Familienzusammenführung mit den leiblichen Eltern zustande kommt. Daher scheuen viele Paare diesen Schritt und wenden sich der Samenspende zu.

Die Samenspende:
Die Samenspende bringt zumindest den lesbischen Frauen den Vorteil, ein leibliches Kind zur Welt zu bringen. Obwohl Paare auf das "leiblich" gar nicht unbedingt das Augenmerk gelegt haben, erreichen sie dadurch wenigstens grundlegende rechtliche Sicherheit, zumindest für die Mutter des Kindes. Zur Samenspende kommen die Paare auf verschiedenste Arten. Mittels einer Samenspende aus dem Bekanntenkreis oder einer Samenbank erfüllen sich immer mehr Paare ihren Kinderwunsch. Insemination wird diese Methode genannt, nicht zu verwechseln mit der künstlichen Befruchtung, der In - Vitro - Fertilisation. Bei der Insemination wird der Samen aus einer Spende, z.B. mittels einer Spritze, vor den Muttermund der Frau platziert. In Deutschland ist die Rechtslage zweideutig. Zwar ist diese Art der Befruchtung nicht zulässig, aber Ärzte können deswegen nicht belangt werden. Möchten die Frauen nicht die Heiminsemination mit Hilfe der Bechermethode anwenden, begeben sie sich ins Ausland. Dort sind die bürokratischen Hürden oft kleiner, besonders Dänemark und die Niederlande sind prädestiniert. In Frankreich hingegen ist die Befruchtung einer lesbischen Frau sogar verboten. In einigen Fällen haben sich auch schon Homosexuelle Männer und Frauen zusammengeschlossen, um gemeinsam ein Kind großziehen zu können.

Die Adoption:
Eine Adoption wäre mit Sicherheit rein rechtlich die beste Lösung, jedoch wird in Deutschland für eine Adoption immer ein traditionelles Familienbild vorausgesetzt. Das bedeutet: Vater, Mutter und Kind gepaart mit möglichst einem guten Einkommen und reichlich Zeit der Mutter für das Kind. Das macht es gleichgeschlechtlichen Paaren unmöglich, klassisch zu adoptieren. Adoptionen als Einzelpersonen sind zwar möglich, scheitern nur häufig aus den gleichen Gründen. Obwohl alternative Familienformen immer häufiger werden, reagieren Politiker nicht auf die gegebenen Umstände. Es wagt sich niemand wirklich, die festgefahrenen Strukturen zu lösen und eine gesetzliche Grundlage für die Adoption von Kindern durch gleichgeschlechtliche Paare zu schaffen, wie es etwa in vielen Bundesstaaten der USA möglich ist. In Deutschland ist maximal das "kleine Sorgerecht" umsetzbar. Das heißt, die Lebenspartner der leiblichen Eltern dürfen in den Angelegenheiten des täglichen Lebens des Kindes mitentscheiden.

Die Problematik ein Kind zu bekommen, steht also nur für den Anfang einer schwierigen Reise. Neben Erbschaftsrecht, Adoptionsrecht oder steuerlichen Nachteilen, reihen sich Sorgerechtsprobleme und die Absicherung der Partner in das Dilemma ein. Es bleibt zu hoffen, dass sich in naher Zukunft eine Verbesserung der Situation ergeben wird.

In einem sind sich glücklicherweise alle Parteien einig. Das Wohl des Kindes steht an erster Stelle. So sehen es heterosexuelle und homosexuelle Eltern. Und sogar die Behörden stimmen dem zu. Was ist also das Beste für ein Kind? Wissenschaftliche Studien haben ergeben, dass Kinder, die bei gleichgeschlechtlichen Eltern aufwachsen, sich nicht anders, als bei heterosexuellen Eltern entwickeln. Es gibt keinerlei Einfluss auf ihre spätere sexuelle Identität. Sie entfalten sich in genau der gleichen liebevollen Umgebung wie alle anderen Kinder ebenso. Geborgenheit und Vertrauen finden sie auch, wenn sie zwei Väter oder zwei Mütter haben. Die Bedenken, es fehle die weibliche oder männliche Bezugsperson und dies würde dem Kind schaden, wurde bereits in mehreren Studien widerlegt. Solange die Eltern selbstbewusst und offen mit ihrer Sexualität umgehen, schaffen es die Kinder auch, die Stigmatisierung durch ihre Umwelt zu verarbeiten. Kinder aus Regenbogenfamilien gehen ausgenommen selbstbewusst durchs Leben, weil sie gelernt haben, auf ihre Familie stolz zu sein.
Text: C. D. / Stand: 13.12.2018

Lesen Sie auch: Homosexualität bei Jugendlichen

Familienformen:

Familienmitglieder: