Sprachförderung bei Kleinkindern durch Bücher

Sprechen lernen mit Hilfe von Büchern

Jedes Kind sollte Zugang zu Büchern haben. Wie auch bei Erwachsenen bereichern Bücher die Welt der Kinder in besonderem Maße.

Bereits bei kleinen Kindern hilft das Anschauen der Bücher großartig, um ihren Wortschatz zu erweitern und die Sprachentwicklung zu fördern. Jeden Tag mindestens ein Buch pro Kind sollte daher die Regel in jedem Familienhaushalt sein.

Nun möchte man meinen, so etwas Simples wie "Buch anschauen" braucht weder besondere Fertigkeiten noch ein bestimmtes Vorgehen. Doch weit gefehlt: durch unwissentlich falsches Handhaben der ersten Bücher für Kinder können Eltern viele Fehler machen und das nahezu naturgegebene Interesse ihrer Kinder für Bücher minimieren. Kleine Tipps helfen Ihnen, ganz neu mit Ihren Kindern zu kommunizieren. Kinder beim Lesen lernen unterstützen

Lieber Vorlesen oder Bilderbücher anschauen für Kleinkinder?

Kinder und Eltern mögen das Vorlesen. Auch wenn Mama oder Papa sich manchmal dazu durchringen müssen, ist die gemeinsame Zeit mit dem Kind unersetzlich und Eltern wie Kinder genießen sie. Das Kind kuschelt sich an, es lernt sich zu konzentrieren und zuzuhören. Was eine wunderschöne Zeit und wichtige Erfahrung für beide Seiten ist, dient aber nur bedingt der Sprachförderung. Zwar sollte keinesfalls das Vorlesen für Kleinkinder weggelassen werden, aber sprechen und Wortschatz erlernen die Kinder eher durch das Anwenden der Sprache: also wenn sie selbst das Wort ergreifen. Dies schaffen sie leichter durch Bilderbücher mit weniger Text, bei denen Eltern mit ihren Kindern in einen Dialog finden. Je älter die Kinder werden, desto textlastiger werden die Bücher. Mit vier bis fünf Jahren hat sich der Wortschatz der Kinder so stark vergrößert, dass auch längere Geschichten interessant werden.

Welche Bücher sind für die verschiedenen Altersgruppen geeignet?

Schon Babys schauen sich Bücher an. Ab einem Jahr kommen dann die ersten Bilderbücher in das Buchregal der Kinder. Einfache Abbildungen, von denen sich möglichst nur eine pro Seite befindet, sind der Beginn. Mit zwei Jahren dürfen es schon Bücher sein, die eine einfache Szene zeigen, zum Beispiel die Kuh auf der Wiese mit einer Ente davor und dem Traktor im Hintergrund. Mit drei bis vier Jahren werden Wimmelbücher immer interessanter, aber auch spezialisierte Bücher - beispielsweise alles über Rennautos - findet reißenden Absatz bei den Kleinen.

Ihr Kind findet schlecht Zugang zu Büchern?

Wenn Sie bemerken, dass Ihr Kind sich mit Büchern eher langweilt, können Sie zu Büchern mit kleinen Effekten greifen. Für die Kleinsten sind das Fühlbücher, bei welchem beispielsweise der Teddy ein weiches Fell eingearbeitet hat. Für die Zwei- bis Dreijährigen Kinder werden Bücher höchst interessant, wenn sie Schieber eingearbeitet haben, mit denen man zum Beispiel ein Reh hinter einem Baum verschwinden lassen kann oder an einer Scheibe dreht und sich hinter der Schubkarre auf dem Bauernhof plötzlich eine Maus statt einem Hund versteckt. Zwischen drei und vier Jahren lieben Kinder kleine Klappen, hinter denen sich etwas verbirgt. Da kann man plötzlich in Feuerwehrautos hineinschauen oder entdecken, wie ein Toaster von innen aussieht. Sogar Riechbücher sind auf dem Markt neu erschienen. Durch Reiben erzeugt man den Geruch dessen, was gerade abgebildet ist, wie beispielsweise einer Rose oder eines Bonbons.
So können Sie Kinder zum Lesen bringen

Welche Themen sollten die Bücher haben?

Kinder brauchen gerade in der Anfangszeit ihrer Bucherfahrung einen Anreiz, über die abgebildeten Dinge zu sprechen. Nur so können sie ihren Wortschatz erweitern. Also nehmen sie am besten Bezug zu alltäglichen Dingen wie der Puppe, dem Auto oder Büchern über den Spielplatz, die Kita bzw. den Garten - also Dinge des täglichen Lebens ihres Kindes. Wohnen Sie am Meer, wird sich das Kind für Bücher über Schiffe interessieren, Kinder vom Lande finden Bücher von Mähdreschern spannend. Ein Buch über Krokodile und Giraffen ist für Ihr Kind anfangs zu abstrakt, kennt es doch nur die heimische Katze, das Pferd welches es auf dem Weg zur Kita immer sieht und den Hasen im Kindergarten. Später interessieren sich Kinder für bestimmte Themen wie Feuerwehr, Prinzessinnen oder Lastwagen usw. Hauptsache Sie kommen mit Ihrem Kind in ein Gespräch. Waren Sie dann mit dem Kind im Zoo, kann es auch ein Buch darüber werden.

Wie schaue ich richtig mit meinem Kind ein Buch an?

  • Zunächst lassen Sie das Kind das Buch aussuchen. Auch wenn es schwer fällt, zum zwanzigsten Mal dieselbe Seite zu diskutieren.
  • Ihr Kind hält das Buch in der Hand, nicht Sie als Erwachsener.
  • Sie führen keinesfalls das Gespräch. Dies übernimmt immer das Kind. Es wird Ihnen zeigen, für was es sich in dem Buch interessiert und darüber sprechen wollen. Das Kind sagt etwas und sie antworten. Warten Sie, bis das Kind wieder das Wort ergreift.
  • Fragen Sie nicht ständig: Wie heißt das? Was siehst du da? usw. Ihr Kind wird dadurch sehr schnell das Interesse verlieren.
  • Lenken Sie das Kind nicht ab. Wenn es auf der Seite gerade einen Ball entdeckt hat, über den es reden möchte, dann zeigen Sie nicht auf das Auto in der anderen Ecke der Seite. Ein junges Kind erfasst nur einen kleinen Ausschnitt eines Bildes pro Seite, ähnlich dem Lichtkegel einer Taschenlampe auf einem Blatt.
  • Bestätigen Sie die Aussagen des Kindes. Zum Beispiel: Das Kind sagt: "Da, Ball!" Sie antworten: Ja, da rollt der Ball. Sie zeigen damit ihrem Kind, dass Sie es verstanden haben und stärken auch noch sein Selbstbewusstsein auf diesem Gebiet. Außerdem hört das Kind, dass Bälle rollen. So erweitert sich spielend der Wortschatz.
  • Korrigieren Sie Ihr Kind nicht. Wiederholen Sie seine Aussage in korrektem einfachen Deutsch. Zum Beispiel sagt das Kind: Mama, Wauwau dingt Pütze. So antworten Sie: Ja genau, der Hund trinkt aus der Pfütze.
  • Antworten Sie einfach auf Fragen mit kurzen Sätzen. Beispielsweise fragt das Kind: Papa, Teddy hin geht? Geben Sie zur Antwort: Der Teddy geht bestimmt nach Hause. Falsch wäre zum Beispiel die Antwort: ich weiß nicht, könnte sein er fährt heim oder auch zu seiner Oma oder so.
  • Wenn es sich anbietet, können Sie Gesten mit einbeziehen, um Ihrem Kind das Verständnis zu erleichtern.
  • Stellen Sie Bezüge zum Leben des Kindes dar, wie: Schau mal, das Mädchen da hat auch eine Oma, genau wie du.

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Nehmen Sie sich Zeit für das Buch anschauen und lesen. Manche Kinder sind in zehn Minuten fertig, andere Kinder wollen gern eine halbe Stunde blättern und reden. Bücher sind eine wunderbare Möglichkeit, abends als Ritual das Kind zur Ruhe zu bringen.
Tipps für das Lesen üben mit Kindern
Text: C. D. / Stand: 27.07.2019

Einige Kinderbuchklassiker für Kleinkinder:

  • Die kleine Raupe Nimmersatt
  • Sandmännchen
  • Kleine ente Nellie
  • Pippi Langstrumpf
  • Michel aus Lönneberga
  • Karlsson auf dem Dach
  • Pünktchen und Anton
  • Emil und die Detektive
  • Grimms Märchen
  • Till Eulenspiegel

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[Bitte beachten Sie: Unsere Artikel können nicht den Rat eines Arztes ersetzen. Bei gesundheitlichen Problemen wenden Sie sich bitte immer an einen Arzt Ihres Vertrauens!]

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