Sprachentwicklungsstörung bei Kindern (SES)

Buchstabensalat beim Logopäden
Bei einer Sprachentwicklungsstörung kann eine
Therapie beim Logopäden helfen - Foto: © pholidito

Inhaltsverzeichnis dieses Artikel:

Die Sprachentwicklungsstörung erkennen

Ab einem gewissen Punkt in der Sprachentwicklung eines Kindes werden Eltern, Erzieher und Pädagogen im wahrsten Sinne des Wortes hellhörig.

Und zwar spätestens dann, wenn sich ein Kind weit außerhalb der breiten Normwerte sprachlich auffällig zeigt. Eltern sind daraufhin verunsichert, ob es sich bei ihrem Kind schlicht um einen Spätentwickler handelt oder eine ernsthafte und behandlungsbedürftige Störung der Sprache vorliegt. Im Zweifelsfall bleibt nur der Gang zum Kinderarzt bzw. zum Logopäden, um Gewissheit zu erlangen.

Da Sprache eine Schlüsselfunktion im Leben der Kinder besitzt, sollten Eltern bei Verdachtsmomenten handeln. Kinder werden durch Sprache sozial integriert, lernen und kommunizieren. Zeigt ein Kind Auffälligkeiten im Spracherwerb oder in der Artikulation und ist ansonsten altersgemäß entwickelt, deutet dies auf eine Sprachentwicklungsstörung hin. Betroffene Kinder sind dabei normal intelligent. Logopäden und Ärzte unterscheiden differenzierter zwischen Sprachentwicklungsverzögerungen, -störungen oder gar -behinderungen. Bei letzterer liegen die Ursachen für die Erkrankung in einer körperlichen oder geistigen Behinderung des Kindes. Verzögert sich der Beginn einzelnen Sprachphasen, setzt die Entwicklung lediglich später ein als bei anderen Kindern. Bei einer Sprachentwicklungsstörung hingegen, weicht das Sprachbild deutlich von einzelnen Normwerten der normalen Entwicklung ab.

Wie erfolgt die Diagnostik?

Stellen Eltern ihr Kind beim Arzt vor, kann dieser anhand einfacher Tests bereits viele Diagnosen eingrenzen oder ausschließen. Detailliert erstellt jedoch ein Logopäde, Phoniater bzw. Pädaudiologe eine differenzierte Diagnostik. Vorher werden bei jedem Kind organische Ursachen abgeklärt.

Was erfolgt nach der Diagnose Sprachentwicklungsstörung?

Betroffene Kinder erhalten eine individuelle Therapie, die speziell auf ihre Diagnose und Befunde ausgelegt wird. In einer Einzelbetreuung, meist durch Logopäden, werden sie geschult, therapiert und motiviert. Eltern werden intensiv in die Therapie mit einbezogen bzw. immer auf dem aktuellen Stand gehalten.

Worin liegen die Ursachen einer Sprachentwicklungsstörung bei Kindern?

Kinder mit einer allgemeinen Entwicklungsverzögerung zeigen oft auch auf dem Gebiet der Sprache Auffälligkeiten. Eine weitere klassische Ursache für eine Sprachentwicklungsstörung ist eine eingeschränkte Hörfähigkeit. Auch eine Sehbehinderung kann sich auf die Sprache auswirken. Erbliche Faktoren spielen ebenso eine Rolle wie auch kognitive Schwächen oder eine Erkrankung der Sprechorgane. Wird ein Kind sprachlich nicht ausreichend gefordert und gefördert, kann ebenso eine Sprachentwicklungsstörung die Folge sein. Kinder die zweisprachig aufwachsen können ebenso betroffen sein. Häufig liegt eine Ursache in Teilleistungsstörungen, wie zum Beispiel einer Lese-Rechtschreib-Schwäche, einer Dyskalkulie (Rechenschwäche) oder einer auditiven Wahrnehmungsstörung.

Welche Symptome zeigt ein Kind mit einer Sprachentwicklungsstörung?

Eine Störung der Sprache kann sich vielseitig äußern. Typische Symptom-Beispiele sind:

  • Artikulationsprobleme: die Kinder haben motorische Probleme in der Lautbildung, auch bei Lautkombinationen. So zum Beispiel wird aus dem "Drachen" ein "Grachen".
  • Wortschatzprobleme: Kinder verstehen oft die Bedeutung einzelner Wörter nicht und erweitern nur unter argen Schwierigkeiten ihren Wortschatz. Sie drücken sich oft unpassend aus und verwenden allgemeine Begriffe anstatt detailliertes Wortgut, wie zum Beispiel das Hilfsverb "tun" anstatt Vollverben wie gehen, sitzen, spielen oder trinken usw.
  • Wortfindungsprobleme: kennt ein Kind bestimmte Wörter und versteht diese auch, wendet sie aber nicht in der passenden Situation spontan an, kann es eine Störung in der Wortfindung haben.
  • Ausdrucksschwierigkeiten: dem Kind fällt es schwer, seine Wünsche und Bedürfnisse zu äußern. Es hat nicht viel Freude an der Sprache.
  • Grammatikprobleme: das Kind kann im Alter von 5 - 6 Jahren die Mehrzahl nicht vom Singular unterscheiden, hat Probleme mit Zeitformen und dem Satzbau.
  • Probleme mit der Phonologie: kann ein Kind die einzelnen Sprachlaute nicht unterscheiden, kann eine phonologische Störung vorliegen. Dem Kind ist dabei nicht bewusst, aus welchen Lauten ein bestimmtes Wort besteht und es kann dies daraufhin auch nicht anwenden.
  • Erzählschwierigkeiten: das Kind hat auffällig Probleme damit, Geschichten wie auch Erlebnisse und Sachverhalte wiederzugeben. Experten sprechen von einer eingeschränkten Pragmatik.

Eine "gesunde" und gut entwickelte Sprache können Kinder nur erlernen, wenn das Zusammenspiel von kognitiver und körperlicher Entwicklung stimmt, das Kind emotional gestärkt ist und die motorischen Gegebenheiten stimmen. Zudem muss Sprache von dem Kind "gelebt" und oft angewendet werden. Treten leichte oder starke Defizite bei einem Kind auf, bietet eine differenzierte Diagnostik und hochqualifiziertes Fachpersonal von Form von Logopäden und Phoniatern eine gute Voraussetzung für die erfolgreiche Therapie eines Kindes.
Text: C. D. / Stand: 27.07.2019

[Bitte beachten Sie: Unsere Artikel können nicht den Rat eines Arztes ersetzen. Bei gesundheitlichen Problemen wenden Sie sich bitte immer an einen Arzt Ihres Vertrauens!]

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