Jugendweihe feiern

Mädchen mit Blumen in der Hand
Jugendweihe feiern - Foto: © angiolina


Inhaltsverzeichnis dieses Artikels:

Die Jugendweihe - Ein Ritual mit Tradition

Unser Leben besteht aus vielen Lebensabschnitten. Wir erfahren sie, wachsen daran und warten auf die nächste Etappe. Sei es nun die Einschulung, die Hochzeit, vielleicht Kinder, die Rente oder berufliche Veränderungen. Wir brauchen diese Abschnitte, denn sie helfen uns, unser Leben klarer strukturieren zu können. Gerade in der Jugend ist es umso wichtiger, dass die Teenager ihren Platz in der Gesellschaft finden.

Bedeutung der Jugendweihe

Ein Ritus, der einen solchen neuen Abschnitt einleitet, ist die Jugendweihe. Sie hat lange Tradition, und dies nicht ohne Grund. Die Jugendweihe - heute auch Jugendfeier genannt - gibt Teenagern die Möglichkeit, zu einem klar definierten Zeitpunkt eine Akzeptanz zu erfahren, die ihre gesellschaftliche Stellung neu definiert. Im Alter von 14 Jahren können Teenager freiwillig an dieser traditionellen Zeremonie teilnehmen. Sie erhalten zwar nicht, wie zu DDR - Zeiten, in diesem Alter ihren ersten Personalausweis, aber werden zukünftig mit "Sie" angesprochen. Sprich: Sie werden sinnbildlich im Kreis der Erwachsenen aufgenommen. Spätestens zu diesem Zeitpunkt werden sich Eltern klar, dass sie nun wieder ein Stück mehr ihre Kinder loslassen müssen.

Mädchen bei der Jugendweihe
Die Jugendweihe ist der Eintritt in das
Erwachsenenleben - Foto: © Essaka

Geschichte der Jugendweihe

Bereits 1852 wurden die ersten Jugendweihen vollzogen. Zuvor war nur durch die Kirchen ein Initiationsritus möglich. In der Katholischen Kirche war dies bis dahin die Firmung, evangelisch Gläubige feierten die Konfirmation. Die Jugendweihe wurde quasi als weltliches Gegenstück zu den christlichen Aufnahmeritualen entwickelt. Eingeführt wurden sie von freireligiösen Gemeinden, die nach freidenkerischen Motiven handelten und den Humanismus ihrer Art der Freidenkerbewegung zugrunde legten. Die Jugendweihe wurde als Feier zum Schulabschluss zelebriert, damals eben bereits im Alter von 14 Jahren. Vorher durchliefen die jungen Teilnehmer einen strengen moralischen Unterricht.
Die Jugendweihe entwickelte sich über die Jahre weiter. Ihren Höhepunkt erreichte sie bis dahin in der Weimarer Republik. Mit Ergreifung der Macht durch die Nationalsozialisten geriet die Jugendweihe allerdings ins Hintertreffen, denn das Verbot vieler Freidenkerbewegungen zog zwangsläufig auch die Untersagung der dazugehörigen Rituale nach sich. Die Jugendweihe an sich war auch im Dritten Reich erlaubt, sie wurde jedoch durch die Nationalsozialisten häufig durch andere Einführungsriten ersetzt, zum Beispiel die Aufnahme in die Hitlerjugend oder den Bund Deutscher Mädel und später durch die NS - Jugendleite abgelöst. Firmung und Konfirmation wurden auch weiterhin in den Kirchen praktiziert.
Auch nach dem Krieg in den Besatzungszonen wurde die Jugendweihe wieder belebt. Sowohl in Ost wie West fand sie ihren erneuten Platz im gesellschaftlichen Leben der Heranwachsenden. Besonders später in der DDR erreichte die Jugendweihe ihren neuen Zenit. Während in der BRD weiter das freidenkerische und humanistische Verhalten an die Jugend weitergegeben werden sollte, mischte sich zunehmend der Staat im Osten ein. Gesteuert von Moskau wurde die Jugendweihe politisiert. Eine sozialistische Prägung, die Bindung an die Sowjetunion standen plötzlich im Vordergrund. Auch religiöse Jugendliche wurden gedrängt, an den mittlerweile zu Staatsfeiern erstarrten Festivitäten teilzunehmen, anstatt eine Firmung oder Konfirmation zu feiern. Verweigerten sie dieses, konnte das für sie erhebliche Nachteile mit sich bringen. Dennoch standen einige Jugendliche zu ihrer Religion und nahmen zum Beispiel eine eventuelle Verweigerung zur Zulassung für ein Studium in Kauf. Nach der Wende nahmen viele Familien Abstand von der Jugendweihe, zu sehr polarisiert waren die Erfahrungen mit der Inszenierung durch den Staat. Die Jugendlichen, aber vor allem ihre Eltern, fühlten sich instrumentalisiert. 1993 wurde per Gesetzt das Einmischen des Staates in diese Feier untersagt. Schulen dürfen seither nicht mehr bei der Organisation des traditionellen Initiationsrituals behilflich sein.

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Die Jugendweihe heute

Um die Tradition für die Jugendlichen zu erhalten, haben sich viele Verbände gefunden, die sich für das Fortbestehen der Jugendweihe einsetzen. Um das Image zu verbessern wird die Jugendweihe heute meist als Jugendfeier bezeichnet. Besonders in Ostdeutschland findet sie wieder großen Anklang. Doch heute werden in erster Linie wieder die humanistischen Beweggründe in den Vordergrund gestellt. Toleranz, Glaubensfreiheit und die Akzeptanz verschiedener Weltanschauungen und politischer Einstellungen prägen das Bild der Jugendfeier.

Tipps für die Jugendfeier

Am prinzipiellen Ablauf einer Jugendfeier hat sich nicht viel geändert. Gab es früher noch ein Gelöbnis, findet stattdessen heute eine Festrede mit einer Gratulation für jeden Jugendlichen, der an der Weihe teilnimmt, statt. Bei diesem Festakt, in dem die Jugendlichen in die Erwachsenwelt eingeführt werden, bekommen sie ein Buch überreicht, als Erinnerung, und werden mit Blumen beschenkt. Bei der Veranstaltung sind die Familien und Freunde anwesend. Nach der Jugendweihe verbringen sie anschließend den Tag mit dem Jugendlichen. Eine Feier mit reichlichen Geschenken darf nicht fehlen. Die Jugendweihe hat mittlerweile den Stellenwert der Einschulung oder der Schulabschlussfeier erreicht. Gleichbedeutend mit wichtigen Ereignissen sollte sie im Leben eines nicht christlichen Jugendlichen nicht fehlen. Sie läutet die nächste Etappe im Leben des Teenagers ein.
Text: C. D. / Stand: 16.11.2017

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