Die Schulwahl für hochbegabte Kinder

Mädchen hält eine Tafel hoch
Interessiert sich das Kind für Mathe oder Physik, sollte dies
bei der Schulwahl berücksichtigt werden - © studioessen


Inhaltsverzeichnis dieses Artikel:

Welche Schule für hochbegabte Kinder?

Auf eines ist Verlass: Hochbegabte Kinder brauchen intensive Förderung, um sich gesund entwickeln zu können. Und sie nimmt großen Einfluss auf die Wahl der Schule. Wer Elternteil eines Kindes ist, bei welchem bereits eine Hochbegabung festgestellt wurde oder sie zumindest vermutet wird, beginnt schon im Grundschulalter mit den Recherchen für die passende Schule.

Die Grundschule:

Hier kommen viele Eltern schnell zu der Erkenntnis, dass in den ersten vier Jahren der Schullaufbahn die Kinder dem Schulsystem nahezu ausgeliefert sind. Besondere Spezialisierungen in Grundschulen sind nur sehr selten anzutreffen. (Infos über die Grundschule) Oft quälen sich hochbegabte Kinder durch diese Zeit, in der sie gemeinsam mit Kindern unterrichtet werden, die bei weitem nicht ihrem Wissenstand oder intellektuellen Fähigkeiten entsprechen. Kindern, die bereits lesen, schreiben oder rechnen können, wird der Unterricht sehr schnell langweilig. Nur wenige Optionen bleiben Eltern, um im Rahmen von zugewiesenen Pflichtschulen für ihre Kinder, einen möglichst optimalen Unterricht für ihr Kind zu ermöglichen.


Zum einen bieten einige Bundesländer in Deutschland eine Begabtenförderung in der Gruppe nach dem Regelunterricht an, zum anderen sind auch individuelle Begabtenförderungen an Grundschulen in Zusammenarbeit mit dem Bildungsministerium des jeweiligen Bundeslandes im Programm. Diese sind jedoch leider nur sehr selten und nicht flächendeckend. Vielen Eltern bleibt daher nichts anderes übrig, als ihr Kind individuell außerschulisch zu unterstützen oder einen verständnisvollen Pädagogen als Klassenlehrer seines Kindes zu haben, der das Potential erkennt und über den üblichen Schulstoff hinaus das Kind während des Unterrichts fördert. Typisch ist zudem, dass hochbegabte Kinder nicht selten ein Schuljahr überspringen oder zumindest in einem Fach, dem ihrer Begabung entsprechenden, in einer höheren Klassenstufe am Unterricht teilnehmen.

Alternativ sind Privatschulen aufgrund ihres positiveren Betreuungsschlüssels eher in der Position, Kinder einzeln zu fördern. Dies ist natürlich mit oft nicht unerheblichen Kosten und großem Aufwand für die Eltern verbunden, und lange kein Garant für ein besseres und interessiertes Lernen des Kindes in der Grundschule.

Die weiterführende Schule:

Kinder, die eine Hochbegabung zeigen und zudem auch motiviert sind, dieser zu folgen, können ihr Potential natürlich an einem Gymnasium am ehesten ausreizen. Die meisten hochbegabten Kinder kommen sehr gut durch die normale Gymnasialzeit. Sie wählen die Schule in dem Profil, welches ihnen am meisten liegt. Dies könnte musisch sein, neusprachlich oder mathematisch-naturwissenschaftlich orientiert bzw. technisch sein. Humanistische Gymnasien punkten mit Altsprachen wie Latein und Griechisch und Wirtschafts- oder Sozialwissenschaftliche Gymnasien vertiefen entsprechend ihrer Richtung den Unterricht.

Für hochbegabte Kinder, die sich auch am Gymnasium noch langweilen und die in ihrer Freizeit auch keinen adäquaten Ausgleich finden, bleiben noch die Spezialschulen für Hochbegabte. Sie sind in Deutschland nur in geringer Zahl vertreten und nicht selten treten sie als Privatschule auf, die per Stipendium allen Schülern den Zugang zumindest theoretisch ermöglichen möchte. Um diese Schulen besuchen zu können, müssen die Kinder Aufnahmetests bestehen und aufgrund der Entfernung zum Wohnort in der Regel auf ein Internat gehen. Dennoch wissen diese Schulen um die Besonderheit der Kinder und Jugendlichen und betreuen sie entsprechend hochwertig, nicht nur in ihrem Begabtenprofil.

An einigen allgemeinen Gymnasien wurde zudem in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Bundesländern ein vertiefender Förderunterricht entwickelt, der die Gymnasiasten über den Schulstoff hinaus im Hinblick auf die spätere Berufswahl fördert. Oft geschieht dies in den so genannten MINT-Bereichen, also Mathematik-Informatik-Naturwissenschaft-Technik.

Einige Städte in Deutschland haben in ihrem Kreis eine oder mehrere Hochbegabtenklassen eingeführt. Hier werden hochbegabte oder besonders begabte Kinder in einer eigenen Klasse an einem normalen Gymnasium separat unterrichtet, um ihrer Art des Lernens und dem dazugehörigen Stoff besser entsprechen zu können. Dies ist für Hochbegabte eine Chance mit Mitschülern auf gleichem Niveau lernen zu dürfen und ihren Wissensdurst zu stillen. Der Nachteil liegt bei diesem Modell eher in der sozialen Komponente, bei der die hochbegabten Klasse von den restlichen Schülern als "anders" wahrgenommen und behandelt wird.

Fazit:
Die richtige Schulwahl für das Kind ist für Eltern mehr ein Marathon als ein Sprint. Es gilt viele Schulen zu vergleichen, Erfahrungswerte anderer Schüler und Eltern einzuholen, Gespräche mit den Lehrern und der Schulleitung zu führen und gegebenenfalls Schulpsychologen oder höhere Stellen auf Landesebene in die Recherche mit einzubeziehen. Bei all dem nicht aus den Augen zu verlieren, dass ein hochbegabtes Kind auch nur ein Schüler ist, der mit Freunden in der Pause quatschen mag, sich nach dem Unterricht treffen will und dabei auch noch cool bleiben möchte, ist eine Gratwanderung.
Text: C. D. / Stand: 15.11.2018

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