Albträume bei Kindern und Jugendlichen

Wenn ein Traum das Kind nicht schlafen lässt

Bitterlich weinend steht die kleine Marie mitten in der Nacht vor dem Bett ihrer Eltern: "Mama, ich habe einen schlimmen Traum gehabt." Alle Eltern kennen diese Situation oder werden sie noch mehrfach erleben. Albträume bei Kindern sind nichts außergewöhnliches, sie kommen hin und wieder vor. Wieso träumen Kinder manchmal schlecht und wie kann ich meinem Kind helfen?

Welche Kinder haben Albträume?

Genaugenommen hat jedes Kind einmal Albträume, selbst Erwachsene kennen das Phänomen aus eigner Erfahrung. Im Kindesalter treten Albträume jedoch gehäuft auf. Besonders Kleinkinder zwischen zwei und ca. 5 bis 6 Jahren berichten von schlimmen Träumen, in denen sich Schreckliches für sie abgespielt hat. Doch Kinder aller Altersgruppen werden von den unangenehmen, aber sinnvollen Träumen heimgesucht.

Ist es wirklich ein Albtraum?

Albträume treten gegen Ende der Nacht auf und dürfen nicht mit einem Nachtschreck verwechselt werden. Der Nachtschreck (Pavor Nocturnus) zeigt sein unschönes Gesicht bereits im ersten Drittel der Nacht, also meist vor Mitternacht, wenn die Kinder ein bis drei Stunden geschlafen haben. Während Kinder mit einem Albtraum völlig unruhig und oft schweißgebadet wach werden und mitunter selbst zu ihren Eltern laufen und ihren Traum genau beschreiben können, befinden sich Kinder mit einem Nachtschreck weiterhin in einer Schlafphase und sind trotz lautem Weinen nicht ansprechbar bzw. reagieren nicht auf die Bemühungen ihrer Eltern. Am nächsten Morgen wissen sie nichts mehr von dem Ereignis.

Wieso haben Kinder Albträume?

So unangenehm die schrecklichen Träume auch sind, so sinnvoll sind sie bei Auftreten in normaler Anzahl auch. Das Gehirn des Menschen hat auf diese Weise eine Methode gefunden, Erlebnisse, Gefühle und Eindrücke zu verarbeiten. Nicht selten werden während eines Albtraums schwelende Konflikte gelöst und Spannungen abgebaut. Oft wälzen Kinder Probleme, die Sie als Erwachsener gar nicht wahrnehmen. Etwa die Sorge um den möglichen Verlust eines Elternteils, ein Streit mit einem Freund im Kindergarten oder das Training, sich allein anzuziehen. Auch aufregende Erlebnisse, wie ein Ausflug in den Kletterpark oder ein aufregender Kinofilm können Auslöser für einen Albtraum sein. In der Phase zwischen zwei und sechs Jahren machen Kinder enorme Schritte in ihrer geistigen und körperlichen Entwicklung. Auch diese werden mitunter in Albträumen verarbeitet. Ganz speziell nach wichtigen Entwicklungsschritten, wie etwa dem Sprechen, motorischen Fähigkeiten oder sozialen neuen Erkenntnissen, zeigen sich bei Kindern gehäufter Albträume.

Wie reagiere ich bei einem Albtraum meines Kindes?

Kurz nach dem Albtraum trösten Eltern natürlich ihre Kinder ganz intuitiv. Diese Nähe und Geborgenheit brauchen die Kleinen in diesem Moment dringend. Natürlich sollten Eltern, wenn das Kind nachts im Bett weint, sofort nachschauen, was das Kind bedrückt. Ruhiges Reden und eine Menge Streicheleinheiten geben wieder Sicherheit. Möchte das Kind lieber im elterlichen Bett einschlafen, so geben Sie dem Wunsch ruhig nach. Das Kind braucht die Nähe.
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Kämpft Ihr Kind auch noch am Morgen danach mit dem Albtraum, so sollten Sie darauf ernsthaft eingehen. Lassen Sie zum Beispiel das Kind den Albtraum malen und vernichten Sie dann das Bild "rituell", zum Beispiel durch einen Aktenvernichter oder das Zerreißen in kleine Schnipsel. Reden Sie mit dem Kind über den Albtraum, dieser Austausch ist für die Aufarbeitung wichtig. Versuchen Sie den Grat zu halten zwischen "sich mit dem Thema auseinandersetzen" und "zu viel Gewicht auf das Problem lenken".

Hat Ihr Kind in den folgenden Tagen aufgrund des Albtraums Angst vor dem Einschlafen, werden die lieb gemeinten Worte "es war doch nicht echt" ihm nur bedingt helfen. Das Kind hat die Angst wirklich erlebt und kann besonders in jungen Jahren noch nicht zwischen Wirklichkeit und Fiktion klar unterscheiden. Vielmehr sind Kindern reale Dinge eine Hilfe, wie etwa eine selbstgebastelte Traumfalle, ein Traumfänger oder ein neues Zaubernachtlicht. Mit einem beschützenden Tuch am Bett aufgehängt und einigen Tropfen Lavendelöl oder ähnlichem draufgegeben, ist im Handumdrehen ein kleiner Albtraum-Abwehr-Duft ins Leben gerufen worden. Bleiben Sie erfindungsreich und gehen auf Ihr Kind ein.

Merken Sie, dass die Albträume gehäuft auftreten und sich dadurch ernsthafte Schlafprobleme mit den entsprechenden Folgen auch im Alltag entwickeln, so scheuen Sie nicht, ihren Kinderarzt aufzusuchen. Eventuell wird er wenn nötig eine Überweisung zum Kinderpsychologen ausschreiben, da die Ursachen für die Albträume womöglich tiefer liegen.

Allgemein sollten Sie nach wie vor viel Aufregung vor dem Einschlafen vermeiden, also keine Trickfilme oder anderes Videomaterial im Fernsehen zeigen. Bettgeh-Rituale helfen Ihrem Kind, langsam den Tag ausklingen und im wahrsten Sinne des Wortes Ruhe einkehren zu lassen. Eine tröstende und wiederkehrende Handlung gibt Ihrem Kind außerdem Sicherheit. Lesen Sie eine Geschichte vor oder singen Sie ein Lied, legen Sie das beschützende und vertraute Kuscheltier mit ins Bett usw. Auch dies kann das Auftreten von Albträumen reduzieren und Ihrem Kind beim sanften Schlummern helfen.
Text: C. D. / Stand: 11.04.2019

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