Trauerbewältigung mit Kindern

Frau mit traurigem Kind
Trauerarbeit mit Kindern - Foto: © Grischa Georgiew


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Tod in der Familie

Jedem Erwachsenen ist klar, der Tod gehört zum Leben wie die Geburt.

Und dennoch: Tritt das Ereignis Tod in der Familie ein, trifft es Einen wie ein harter Schlag. Der Schmerz scheint unerträglich und kennt scheinbar keine Grenzen. Das Thema Tod ist unangenehm, aber unumgänglich. Irgendwann muss sich jeder mit der Situation auseinandersetzen - früher oder später. Besonders hart ist es für die Kinder, wenn ein Familienmitglied stirbt. Bis zum sechsten Lebensjahr hatten die meisten Kinder bereits Kontakt mit einem Sterbefall in der Familie. Eine Trauerfeier gestalten

Wie stark das Trauerempfinden ist, hängt ganz davon ab, wie eng der Verstorbene mit dem Rest der Familie in Beziehung stand. Gerade innerhalb der Familie ist jedoch der Tod eines Verwandten mit weitreichenden Konsequenzen im Rahmen des Familienverbundes verknüpft. Besonders direkt nach dem Bekanntwerden des Todesfalls wächst die Familie enger zusammen. Der Schmerz verbindet die Menschen. Selbst Beziehungen, die vorher eher vage oder reserviert waren, verändern sich positiv. Es entsteht eine Art Trauergemeinschaft, die den Betroffenen anfänglich hilft, den Schicksalsschlag zu verwinden. Die Phasen der Trauerbewältigung

Doch nach einiger Zeit beginnt jedes Familienmitglied auf andere Art und Weise die eigene Trauer zu verarbeiten. Spätestens dann beginnt die Phase, in der die Trauernden auch Hilfe aus dem außerfamiliären Bereich annehmen, sich diese wünschen oder sie einfach nur benötigen. Egal ob in der Familie oder mit Bekannten, Freunden oder ausgebildeten Trauerhelfern, eine funktionierende Kommunikation ist Grundvoraussetzung für das Bewältigen einer derartigen schwerwiegenden Lebenssituation. So schmerzhaft es auch ist über das Erlebte oder die Beziehung zum Verstorbenen zu reden, ist es gleichermaßen erleichternd seine Gefühle und Wünsche zum Ausdruck zu bringen und sie laut auszusprechen. Es fühlt sich dann an, als ob ein Stein von der Seele fällt. Außenstehende oder andere Familienmitglieder sollten in dem Fall einfach nur geduldige Zuhörer sein. Es braucht keine Wertung des Gesagten, kein Kommentar oder eine eigene Stellungnahme. Mit offenem Herzen zuhören und die Gefühle verinnerlichen - das ist der Kern der Hilfe, die jeder in diesem Moment leisten kann.

Wie sage ich es meinem Kind? - Trauerarbeit mit Kindern:

Die größte Herausforderung bei einem Sterbefall in der Familie ist es, mit den Kindern umzugehen. Sie trifft es am härtesten. Das Alter des Kindes steht maßgeblich mit dessen emotionaler Reife in Zusammenhang. Bis ungefähr zum vierten Lebensjahr sind sich Kinder noch nicht über die Endgültigkeit des Todes im Klaren. Ein Dreijähriger gibt durchaus Sätze zum Besten wie: "Die Oma ist doch nur ein bisschen tot" oder "Es ist nicht schlimm Mama, morgen wenn die Oma nicht mehr tot ist, besuchen wir sie wieder." Diese Aussagen scheinen grotesk zu klingen. Aber Kinder gehen je nach Alter unterschiedlich mit dem Thema Tod um. Erst mit ca. zehn Jahren haben Kinder die Bedeutung und die Endgültigkeit des Todes wirklich verstanden. Bis dahin ist es wichtig, den Kindern das Thema und die damit verbundenen Konsequenzen zu erläutern. Als Gesprächspartner der Kinder ist es unverzichtbar, völlig offen und ehrlich mit den Kindern umzugehen. Kinder haben einen Sinn für die Gefühle von Erwachsenen. Sie spüren genau, dass etwas nicht in Ordnung ist. Man kann es kaum vor ihnen verbergen. Und sei es nur, weil man selbst Augenringe hat, da man die ganze Nacht nicht geschlafen und geweint hat. Die Kinder müssen lernen, dass auch die Eltern schmerzliche Empfindungen haben, denn so können sie ihre eigenen Gefühle ausdrücken. Wenn sie es nicht von den Erwachsenen lernen, woher dann? Erklärt man dem Kind ehrlich und kindgerecht die Situation, hilft man ihm auch, seine eigene Trauer zuzulassen. Besonders Eltern wollen ihre Kinder vor der schmerzlichen Erfahrung beschützen. Das ist aber leider unmöglich. Kinder erleben die Situation ganz eigen. Eltern unterschätzen dabei häufig die Fähigkeiten ihrer Kinder, die Trauer in der Familie zu minimieren, in dem sie sie nicht noch mehr mit den eigenen Sorgen belasten. Es ist erstaunlich, wie Kinder ihre Gefühle verschleiern können. Umso wichtiger ist es, sie in den Trauerprozess mit einzubeziehen.

Kinder trauern auf unvorstellbar viele Weisen in einem ganz eigenen Trauerstil. Und jede für sich ist in Ordnung, solang sie niemanden verletzt. Die Trauer kann sich in Gelächter oder in Weinen ausdrücken, in Wut, Schweigen oder Leugnen. Trotzen, Anklammern an die Bezugspersonen, Verweigerung oder völlig untypisches Verhalten für das Kind sind nicht ungewöhnlich oder besorgniserregend. Manche Kinder möchten nicht auf den Friedhof gehen. Das sollte auch akzeptiert werden. Es ist der völlig falsche Weg, Kinder zu etwas zu zwingen. Irgendwann wird es von allein das Bedürfnis verspüren hinzugehen. Auf der anderen Seite wäre es auch falsch, dem Wunsch an der Beerdigung oder dem Friedhofsbesuch teilzunehmen, nicht nachzugeben. Sind sehr kleine Kinder involviert, ist es einfacher für die Betroffenen auf der Beerdigung einen Ansprechpartner für das Kind zur Verfügung zu stellen. Möglichst jemanden, der persönlich nicht so eng betroffen war und der für das Kind da ist, wenn man sich selbst außer Stande sieht, dessen Bedürfnissen gerecht zu werden. Ältere Kinder vertrauen sich sehr oft Freunden oder Personen in ihrem Bekanntenkreis an, nicht unbedingt den Eltern. Gerade im Teenager - Alter kann der Freund oder die Freundin manchmal mehr helfen als die Eltern. Ihnen gegenüber können sie sich öffnen, ohne vor den Eltern als schwach zu erscheinen. Das sollten Erwachsene in der Situation auch akzeptieren und nichts erzwingen. Freiräume geben ist auch eine Form von Trauerarbeit. Wie lang jeder trauern möchte ist egal. Es gibt keinen festgelegten Zeitraum, in dem jeder seine Trauer zu bewältigen hat. Irgendwann wird der Alltag wieder eintreten und der Schmerz wird leichter zu ertragen. Lediglich wenn ein Kind sich besonders negativ verändert, ist professionelle Trauerhilfe angebracht. Wenn es sämtlichen Kontakte in seinem Freundeskreis abbricht, gar nicht mehr lachen kann und jegliches Interesse an Allem verliert, gibt dies Anlass zur Sorge.

Trauerbewältigung mit Kindern

Kinder brauchen eine Bezugsperson, um ihre Trauer zu verarbeiten. Sie brauchen jemanden, der ihnen nicht erklärt, es sei doch nicht schlimm. Sondern einen Erwachsenen, der sagt: Ich weiß, es ist schlimm. Du darfst traurig sein. Und der auch erklärt, dass es Lebenskreisläufe gibt. Vielleicht hat ja die Nachbarin gerade ein Baby bekommen. Auch Dinge aus der Natur sind schöne Beispiele, den Kindern in Bildern zu erklären, was Vergänglichkeit und Neubeginn ist. Veranschaulicht wird auch in vielen Religionen, was nach dem Tod passiert, so dass Kinder eine Erklärung finden. Eine Mutter erzählte ihrem vierjährigen Kind folgende Geschichte: Die Oma ist gestorben. Aber nicht ihre Seele. Das was sie fühlte ist ihre Seele. Sie ist wie ein Schmetterling in den Himmel geflogen und leuchtet jetzt als Stern nachts am Himmel. Ihr Körper ist beerdigt, so dass wir sie immer besuchen können. Eltern haben ein Gespür dafür, was ihr Kind verarbeiten kann und was nicht.

Die Familie wird lernen, mit dem Verlust zu leben, auch wenn die Lücke, die entstanden ist, niemand füllen kann. Die überwältigende Trauer wird dann in Akzeptanz umschlagen und das seelische Gleichgewicht der Familie wird mit der Zeit wieder hergestellt.
Text: C. D. / Stand: 13.12.2018

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