Wenn Kinder das Sexspielzeug der Eltern entdecken

Wie erklärt man Kindern das Sexspielzeug?

Wie oft predigen Eltern ihren Kindern: Nach dem Spielen wird aufgeräumt! Zu dumm, dass immer wieder auch Eltern selbst vergessen, ihre Spielzeuge nach dem Sex wegzuräumen oder sie kindersicher zu verstauen. So gerät manches Sextoy ungewollt in die Hände der Kinder. Je nach Alter der Kleinen oder Großen kann das zu peinlichen Momenten führen, auf die sowohl Eltern als auch Kinder unsicher reagieren. Wie soll man sich in einem solchen einem Fall verhalten?
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Liebesspielzeug - private Gegenstände

Zweifelsohne können Sexspielzeuge das Liebesleben in einer Paarbeziehung wie auch von alleinerziehenden Müttern und Vätern bereichern, diese Erkenntnis macht natürlich vor Eltern keinen Halt. Doch egal wie offen der Umgang mit dem Thema Sexualität in der Familie ist, zählen die Toys in der Regel für viele Erwachsene zu den Themen, über die sie nur ungern mit ihren Kindern sprechen wollen. Kein Wunder, denn Dildos, Liebeskugeln und Co. besitzen den Anspruch, eindeutig in die Privatsphäre der Eltern zu gehören. Lassen diese ihre Spielzeuge jedoch offen liegen oder verstauen sie lediglich im Schubkasten ihres Nachtisches, sind sie für die Kinder des Haushalts frei zugänglich. Damit auseinandersetzen müssen sich alle Eltern, denn sie tragen dafür die Verantwortung.

Die eigene Schamgrenze als Hindernis

Mit hochrotem Kopf und leicht hektisch begegnen Eltern ihren Kindern, wenn diese plötzlich mit dem Vibrator vor ihnen stehen. Dabei sind es weniger die Kinder, die damit etwas Peinliches oder Verbotenes verbinden. Vielmehr das eigene Schamempfinden und das schwierige Trennen von Verstand und Gefühl bewirken diese Reaktion. Viele Sextoys sind für Kinder bis zu einem gewissen Alter einfach nur "Spielzeuge", da sie oft stilisiert und in ihrer eigentlichen Funktion gar nicht zu erkennen sind. Ein sechsjähriges Kind wird einen Anal-Plug als solchen nicht wahrnehmen, aber zu Recht in seiner kindlichen Neugier fragen, wofür man ihn nutzt. Wie offen man auf gezielte Fragen reagiert, hängt nicht zuletzt vom eigenen Schamempfinden, den persönlichen Grenzen von Intimsphäre sowie dem Alter des Kindes ab.

Das Alter des Kindes einbeziehen

Findet ein 16-jähriger Sohn den Penisring seines Vaters ungewollt, verhält sich dessen Reaktion zwangsläufig anders, als bei dem Fund durch seine dreijährige Tochter. Kann man bei kleinen Kindern noch mit Spruch: "Du hast deine Spielzeuge, Papa und Mama haben eigene. Mit denen dürfen nur wir spielen" die Sache abbügeln, braucht es bei Teenagern schon andere Lösungen. Denn Kinder sehen ihre Eltern nicht als sexuelle Wesen, selbst wenn sie eine umfangreiche sexuelle Aufklärung genossen haben und ihnen immer vermittelt wurde, dass Sex etwas ganz Natürliches, Schönes und Normales ist. Gerade ältere Kinder wissen um die Sextoys und ihre Funktion, wenn auch nur selten durch die Eltern. Sehr oft gehen sie sogar sehr locker mit dem Thema um und finden die Eltern gar nicht mehr so prüde wie sie zunächst dachten. Sind die Kinder verunsichert und stellen Fragen, die gerade in der Pubertät brisant sind, steht man als Elternteil in der Verantwortung, offen mit den Kindern zu sprechen, jedoch die eigene Privatsphäre so gut wie möglich zu schützen. Die Gratwanderung gelingt nicht immer, sollte dennoch zunächst der erste Lösungsversuch sein.

Offen aufbewahren oder gute Verstecke finden?

Spätestens wenn das eigene Kind mit den Handschellen, die eigentlich fürs Liebesspiel gedacht waren, an der Heizung angekettet ist oder vor der Schwiegermutter mit dem neuen Strap-on steht, ist klar: auch mit Sextoys sollten Eltern verantwortungsvoll umgehen und diese sicher verstauen. Verbote wecken Begehrlichkeiten. Also sind Aussagen, wie: Dies ist unsere Schublade, da gehst du nicht ran! auf Dauer eher wenig erfolgversprechend. Eine abschließbare Kiste oder ein für die Kinder unerreichbares Eckchen sind für viele Eltern eine beruhigende Sicherheit und ersparen mitunter peinliche Situationen vor den Nachbarn oder Großeltern. Das Säubern und aufräumen der Liebesspielzeuge nach dem Sex fällt den meisten Eltern leicht, sobald ihr Kind erst einmal das intime Spielzeug wegen der mangelnden Ordnung gefunden hat. Diskretion ist für beide Seiten mitunter von Vorteil.

Ist Reden Silber, Schweigen aber Gold?

Wo sind die Grenzen der Aufklärung? Muss ich meinem Kind erklären, wofür der Gegenstand genutzt wird? Auch hier gehören die eigenen Erfahrungen und die persönliche Einstellung gepaart mit dem Alter des Kindes in den Vordergrund. Manchen Eltern fällt es keineswegs schwer zu erläutern, wofür ein Dildo verwendet wird, andere hingegen können damit gar nicht umgehen und führen auch keine derart offene Beziehung zu ihren Kindern, die ein solches Gespräch erfordern würde. Im weitgefassten Sinne ist also durchaus eine sachliche Erklärung ab einem gewissen Reifegrad der Kinder sinnvoll, jedoch ohne dabei die eigenen persönlichen Grenzen zu überschreiten oder zu sehr ins Detail zu gehen.

Im Nachhinein sehen viele Eltern die Situation mit Humor. Speziell bei älteren Kindern im späten Teenageralter wissen Sie schließlich auch nicht immer, welche Sextoys diese bereits selbst im Schrank liegen haben oder wie oft sie sich an dem Kondom-Vorrat der Eltern bedienen.
Text: C. D. / Stand: 20.04.2019

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