Kind wird behindert geboren

Schwangere mit ihrem Partner
Eltern, die wissen, dass ihr Kind behindert geboren wird,
sollten zusammenhalten - Foto: © Iryna Tiumentseva

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Diagnose behindertes Kind

Mit ganz gemischten Gefühlen begibt sich die 29-jährige Sophie in die Klinik. Vor einer Stunde haben die Wehen eingesetzt und die Geburt ihres Kindes steht unmittelbar bevor.

Doch neben der Freude auf das ersehnte Wunschkind sind da auch Angst und Ungewissheit. Sophie weiß seit der Chorionzottenbiopsie, dass ihr Baby behindert auf die Welt kommen wird. Diese Nachricht traf die werdenden Eltern völlig unvermittelt und zerriss all die Bilderbuchvorstellungen von einem unkomplizierten Familienleben. Sophie und ihr Mann entschieden sich trotzdem gegen eine Unterbrechung der Schwangerschaft und sind bereit, diesen Weg gemeinsam zu gehen.

Pränataldiagnostik informiert frühzeitig

Früher erfuhren Eltern meist erst bei der Geburt, dass ihr Baby eine Behinderung hat. Dank verschiedener Möglichkeiten der Pränataldiagnostik haben Ärzte nun die Möglichkeit, die Wahrscheinlichkeit einer möglichen Behinderung frühzeitig zu erkennen und die werdenden Eltern darüber zu informieren. Für die Schwangere und ihren Partner ist dies erst einmal ein Schock. Doch sie haben den großen Vorteil, dass ihnen genügend Zeit bleibt, um sich auf diese ganz besondere Situation vorzubereiten. Anders als Eltern, welche erst im Kreissaal erfahren, das ihr Baby behindert ist, können sie sich sowohl gedanklich als auch ganz praktisch mit den gegebenen Tatsachen auseinandersetzen.
Was tun, wenn das Kind unerwartet behindert geboren wird?

Informationen rechtzeitig einholen

Je nach Art und Schwere der Behinderung kommen auf die werdenden Eltern mehr oder weniger zusätzliche Aufgaben zu. Und auch die Geburt will gut geplant sein. Eventuell kann es notwendig werden, in einer Klinik mit angeschlossener Kinderintensivstation zu entbinden oder für die Geburt ein ganz spezielles Krankenhaus aufzusuchen. Ist das Baby dann auf der Welt, folgen neben den normalen U-Untersuchungen noch weitere Tests und es wird zusammen ein Therapieplan entwickelt, um das Kind von Anfang an zu fördern. Die zukünftigen Eltern sollten sich schon während der Schwangerschaft darüber informieren, welche Ärzte und Therapeuten nach der Geburt für das Baby in Frage kommen. Spezialisten haben zudem oft längere Wartezeiten und in Absprache mit dem behandelnden Arzt kann es unter Umständen sinnvoll sein, bereits vor der Geburt einen Termin zu vereinbaren. All dies wird Ihnen vielleicht verfrüht erscheinen, doch bedenken Sie bitte: der Alltag mit einem Neugeborenen stellt schon im Normalfall alles auf den Kopf, und Kinder mit besonderen Bedürfnissen fordern Eltern noch deutlich mehr. Alles, um was Sie sich vor der Geburt kümmern können, sollten Sie auch erledigen.

Abschied von den Wunschvorstellungen

Jede werdende Mutter träumt von einer rosigen Zukunft. Sie und ihr Partner haben vielleicht schon Bilder im Kopf, wie das gemeinsame Familienleben aussehen wird. Eine Prinzessin an der Ballettstange, ein kleiner Wildfang, der auf der Schaukel den Wolken entgegen fliegt. In ihren Vorstellungen kommt weder ein Rollstuhl noch ein Hörgerät vor, und auch kein Kind, welches geistig behindert ist und kaum kommunizieren kann. Doch die Realität sieht nun eben anders aus und es ist an der Zeit, von den eigenen Wunschvorstellungen Abschied zu nehmen und der Zukunft mit einem behinderten Kind entgegen zu blicken. Diese Zukunft muss keineswegs trostlos sein - doch sicher wird vieles anders werden, als bisher gedacht. Auch wenn es im Moment für Sie vielleicht schwer vorstellbar ist: die kleinen Momente des Glücks werden Sie genauso wahrnehmen wie alle anderen Eltern auch. Ein mit Karottenbrei verschmiertes Mündchen, ein glucksendes Lachen oder das Strahlen aus himmelblauen Babyaugen - es gibt so viel Schönes zu erleben und in solchen Augenblicken wird die Behinderung zur Nebensache werden.

Kontakt zu anderen Eltern suchen

Ein Kind mit einer Behinderung erfordert viel Aufmerksamkeit und hat zum Teil andere Bedürfnisse als ein gesundes Baby. Viele Eltern schätzen daher den Austausch mit anderen Betroffenen - zum Beispiel in einer Selbsthilfegruppe. Auch wenn die Einschränkungen unterschiedlicher Art sind, so können doch wertvolle Tipps und Hinweise weitergegeben werden. Besonders im Dschungel der Behörden können sich Eltern ziemlich verirren. Daneben tauchen viele Fragen auf: Wie finde ich einen guten integrativen Kindergarten? Welche Unterlagen sind für den Antrag auf zusätzliche Betreuungsleistungen notwendig? Welche Förderungen stehen autistischen Kindern zu? Wie beantrage ich einen Schwerbehindertenausweis? Unverzichtbar empfinden viele Eltern vor allem auch den persönlichen Austausch. In einer Selbsthilfegruppe können sie ihre Gedanken und Gefühle aussprechen, ihren Tränen freien Lauf lassen, aber auch gemeinsam viele schöne Stunden erleben. Die großen und kleinen Erfolge der Anderen geben Mut und können Zuversicht und Optimismus schenken.

Hilfe im Alltag annehmen

Je nach Art der Behinderung ist der Alltag mehr oder weniger auf die besonderen Bedürfnisse des Kindes abzustimmen. Sie werden also unter Umständen Hilfe und Unterstützung benötigen, um neben der Hausarbeit und den veranlassten Therapien auch noch ein wenig freie Zeit für sich und Ihren Partner zu haben. Leben bereits andere Kinder in der Familie, so dürfen auch diese nicht zu kurz kommen. Nehmen Sie daher jede erdenkliche Hilfe von außen an und scheuen Sie sich auch nicht, gegebenenfalls um Unterstützung zu bitten. In jeder größeren Stadt gibt es (meist christliche) Anlaufstellen, welche diesbezüglich Optionen aufzeigen. Hier finden Sie auch kompetente Personen, um das Eine oder Andere einmal auszusprechen, was Ihnen auf der Seele liegt.

Die Geburt eines behinderten Kindes verändert das Leben der Eltern von einem Augenblick auf den anderen. Neben Freude und Glück schwingen auch Unsicherheit und Angst mit. Ein stabiles Familienumfeld, gute Freunde und bei Bedarf der Besuch einer Selbsthilfegruppe können dazu beitragen, das kleine Wunder Leben zu genießen und so anzunehmen, wie es den Eltern geschenkt wurde.
Text: K. L. / Stand: 13.12.2018

[Bitte beachten Sie: Unsere Artikel können nicht den Rat eines Arztes ersetzen. Bei gesundheitlichen Problemen wenden Sie sich bitte immer an einen Arzt Ihres Vertrauens!]

In unserem Verzeichnis finden Sie übrigens auch einige Kinderärzte, die Ihnen sicher weiterhelfen können.

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