Kind wird unerwartet behindert geboren - Was nun?

Eltern mit behindertem Baby
Was tun, wenn das Kind unerwartet behindert geboren wird?
Foto: © S.Kobold

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Wie umgehen mit einem behinderten Baby?

Die Monate der Schwangerschaft waren, bis auf ein paar kleinere Wehwehchen, unbeschwert. Die ganze Familie freut sich auf den lang ersehnten Nachwuchs. Endlich die ersten Wehen - es geht los! Die Geburt schreitet gut voran und nach wenigen Stunden ist es soweit: das Baby erblickt das Licht der Welt. Doch statt Freudentränen und lachender Gesichter breitet sich eine bedrückende Stille im Kreißsaal aus: das soeben geborene Kind ist behindert. Damit haben die Eltern nicht gerechnet und verständlicherweise müssen sie diese Neuigkeit erst einmal verdauen.

Nach einer komplikationslosen Schwangerschaft geht wohl fast jede Frau davon aus, dass ihr Baby gesund auf die Welt kommt. Um so mehr bricht die Erkenntnis, dass dem nicht so ist, in das bis dahin heile Leben hinein. Die Eltern haben sich doch alles so schön ausgemalt: nach den Schmerzen der Geburt endlich den kleinen Wonneproppen in den Armen halten, zusammen im Familienbett kuscheln, die Elternzeit genießen und Nachbarn und Freunde werden natürlich staunende und bewundernde Blicke in den Kinderwagen werfen. Und nun? Fragen über Fragen vermischen sich mit Ängsten und Unsicherheiten. Wie geht es weiter? Wie sehr wird die Behinderung das Kind beeinträchtigen? Und wie sind seine Prognosen? Die Gefühle fahren Achterbahn und neben Momenten der Freude werden vielleicht auch negative Emotionen auftauchen. Schuldgefühle (Ich habe damals auf der Party zuviel getrunken, als ich noch gar nicht wusste, dass ich schwanger bin!), Wut (Warum muss ausgerechnet mir das passieren?), Zweifel (War es wirklich richtig, auf die Pränataldiagnostik zu verzichten?) oder gar Abwehr (Dieses Kind will ich nicht, ich kann es nicht lieben!) - all diese Gefühle und Gedanken können auftauchen. Und auch wenn die Eltern darüber erschrecken: all das ist in dieser Situation völlig normal.

Im Gespräch bleiben - doch wer spricht mit uns?

Wenn die Behinderung des eigenen Kindes die Eltern völlig unerwartet trifft, so sind Verunsicherung und Angst groß. Lassen Sie alle Gefühle zu und suchen Sie sich dazu Gesprächspartner, welche bereit sind, Ihnen zuzuhören. Das kann noch in der Klinik die Hebamme oder eine Seelsorgerin sein, eine gute Freundin oder vielleicht auch Eltern, welche ein ähnliches Schicksal getroffen hat. Vielleicht können aber auch Freunde oder Verwandte so gar nicht mit der neuen Situation umgehen und wenden sich vorerst ab. Für die Eltern ist dies natürlich enttäuschend, doch häufig steckt hinter solch einer Reaktion einfach Angst und Unwissenheit. Machen Sie sich das bewusst und versinken Sie darüber nicht in Wut, sondern legen Sie all Ihre Energie lieber in die Bewältigung Ihres Alltages. Viele Eltern behinderter Kinder finden in Selbsthilfegruppen Rückhalt und erfahren dort wertvolle Hinweise für den Umgang mit dem Kind und den eigenen Gefühlen.

Aller Anfang ist schwer...

Ein Baby bringt immer gewohnte Strukturen durcheinander. Wird ein behindertes Kind geboren und wussten die Eltern vorher davon nichts, so gibt es nach der Entbindung viel zu organisieren. Je nach Art und Schwere der Behinderung kann es sein, dass das Baby noch eine Weile in der Kinderklinik verbringen muss. Die Mutter sollte nach Möglichkeit darauf bestehen, mit aufgenommen zu werden. In vielen Fällen wird eine Brusternährung möglich sein. Das Stillen sowie das intensive Zusammensein mit dem Baby schaffen Vertrauen und Zuversicht und schenken selbst im turbulenten (Klinik)-Alltag Inseln der Liebe und Geborgenheit. Parallel dazu müssen Fachärzte und Therapeuten ausfindig gemacht werden, welche das Kind von Anfang an betreuen und gezielt fördern. Das Team in der Entbindungsklinik wird diesbezüglich sicher den einen oder anderen Hinweis für Sie bereit halten. Aus erster Hand jedoch erhalten Sie Informationen von anderen betroffenen Familien. Sie haben die Suche nach Ärzten und Therapeuten schon hinter sich und können sicher den einen oder anderen Spezialisten empfehlen.

Den Alltag neu organisieren

Stillen oder Fläschchen geben, Wäsche waschen, einkaufen, Baby ausfahren oder im Tragetuch durch das Wohngebiet spazieren - junge Eltern haben ein volles Programm. Bei einem Baby mit speziellen Bedürfnissen stehen daneben noch andere Termine im Kalender. Verschiedene Therapien müssen durchgeführt und Fachärzte konsultiert werden. Je nach Schwere der Behinderung ist es auch möglich, dass ein Pflegedienst in den Alltag integriert werden muss. Der frischgebackene Vater wird sicher versuchen, die erste Zeit nach der Geburt Urlaub zu nehmen und so der Mutter zur Seite zu stehen. Doch spätestens danach benötigt die Familie Hilfe. Im Idealfall übernimmt eine liebe Oma teilweise den Haushalt oder eine gute Freundin erledigt die Einkäufe mit. Suchen Sie sich Unterstützung wo es nur geht! Lassen Sie sich von Besuchern vorgekochtes Essen mitbringen oder frieren Sie sich einige Mahlzeiten ein. Auch ein Menü-Service wäre für die ersten turbulenten Wochen denkbar. Reduzieren Sie die Hausarbeit auf das Nötigste und scheren Sie sich nicht um zerknitterte T-Shirts oder dreckige Fenster. Was wichtig ist, das sind Sie, Ihr Partner und das Baby!

Liebe neu entdecken

So groß der Schock bei der Geburt des Kindes vielleicht auch war: irgendwann lernen Eltern, mit dieser Situation umzugehen. Und sie werden merken, dass viele ihrer Träume trotzdem in Erfüllung gehen. Ein tiefer Blick in die Augen des Babys, zusammen auf der Couch kuscheln, im Tragetuch seine Nähe intensiv erleben, die kleine Hand, welche sich zärtlich an die Brust schmiegt - es sind die kleinen Dinge, welche Liebe schenken! Und diese Liebe ist auch mit einem behinderten Kind spürbar! Erleben Sie gemeinsam schöne Dinge und staunen Sie Tag für Tag, was das Leben für Sie bereit hält! Und auch wenn sich vielleicht manch vermeintlicher Freund (vorerst) abwendet - neue Kontakte werden entstehen und diese sind meist intensiver als andere.

Ein behindertes Kind ist eine große Aufgabe - keine Frage. Doch die neue Herausforderung kann ebenso Glück, Zufriedenheit und Erfüllung schenken. Vieles wird anders sein, als Sie sich es je gedacht haben. Und vieles wird Sie mit Liebe erfüllen, was Sie nie vermutet hätten.
Text: K. L. / Stand: 16.09.2019

[Bitte beachten Sie: Unsere Artikel können nicht den Rat eines Arztes ersetzen. Bei gesundheitlichen Problemen wenden Sie sich bitte immer an einen Arzt Ihres Vertrauens!]

In unserem Verzeichnis finden Sie übrigens auch einige Kinderärzte, die Ihnen sicher weiterhelfen können.

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