Wie kann man Kinder bestrafen, die lügen?

Junge hat gelogen und wird von seiner Mutter zur Rede gestellt
Wenn Kinder lügen sollte man mit ihnen darüber sprechen
Foto: © chamillew

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Hilfe, mein Kind lügt!

Maren, die Mutter der 9-jährigen Paula, ist geschockt. Erst beim Elterngespräch in der Schule erfährt sie von der schlechten Note in der letzten mündlichen Leistungskontrolle.

Ihre Tochter hatte ihr doch so stolz von der "2" erzählt, welche sie bekommen hatte... Ähnlich geht es dem Vater von Marcus. Der 12-jährige spielte mit seinen Freunden Fußball und dabei ging eine Fensterscheibe zu Bruch. Erst durch die Nachbarn erfuhren die Eltern, dass ihr Sohn den Schaden angerichtet hatte.

Kinder lügen immer wieder. Bis zum Alter von etwa 6 Jahren machen sie sich noch keine Gedanken über Recht oder Unrecht. Sie wissen nicht, welche Folgen es hat, wenn sie die Unwahrheit erzählen. Das ändert sich jedoch mit dem Eintritt in die Grundschule. Jetzt entwickeln sich Moral und Gewissen und die Kids lügen ganz bewusst, meist, um mögliche unangenehme Folgen zu vermeiden. Eltern reagieren auf die Lügen ihrer Kinder fast immer mit einer Mischung aus Schock, Enttäuschung und Unverständnis. Fragen tauchen auf ("Was haben wir falsch gemacht?") und Hilflosigkeit macht sich breit ("Sollen wir unser Kind jetzt bestrafen?", "Was können wir gegen die Lügen tun?"). Verständlich, dass viele Eltern zuerst daran denken, ihr Kind zu bestrafen, wenn sie von den Lügenmärchen erfahren. Viel wichtiger jedoch erscheint die Frage nach dem "Warum". Warum lügt der Nachwuchs? Was steckt dahinter und was will er mit der Verdrehung der Wahrheit erreichen?

Lügen um Anerkennung einzuheimsen

Aus der alten Familienkutsche wird ein chicer Sportwagen und aus der Wohnung im 5. Stock eines Neubauviertels ein Einfamilienhaus im Grünen. Kinder lügen oft, damit sie vor ihren Freunden angeben können. Sie möchten gern gut dastehen und Anerkennung einheimsen. Dafür nehmen sie es oftmals mit der Wahrheit nicht so genau.

Das können Sie tun:
Eltern leben Werte vor - und das schon in den ersten Lebensjahren. Wer nur auf materielle Dinge aus ist, der hat es hier schwer. Vermitteln Sie Ihrem Nachwuchs, auf was es wirklich ankommt. Bestärken Sie ihn in den Dingen, welche er gut kann. So baut sich ein gesundes Selbstbewusstsein auf und die Lügen um Anerkennung sind nicht länger notwendig.

Lügen aus Angst, bestraft zu werden

Neben dem Wunsch nach Anerkennung lügen Kinder sehr oft, um eine mögliche Strafe zu umgehen. Sie wissen nicht, wie die Eltern auf bestimmte Dinge reagieren. Gibt es Hausarrest oder Fernsehverbot, wenn die Mathearbeit schlecht ausgefallen ist? Wird Papa schreien und toben, wenn er erfährt, dass das neue Fahrrad einen riesigen Kratzer hat? Die Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen kann manchmal hart sein. Und doch gehört dies zu den wichtigsten Lektionen im Leben.

Das können Sie tun:
Statt den Nachwuchs einfach nur zu bestrafen, ist es sinnvoller, die logischen Konsequenzen herauszufinden. Eine 5 in Mathe? Ab jetzt wird dreimal die Woche nachmittags zusätzlich geübt. Das geliehene Buch aus der Bücherei ziert ein großer Kakaofleck? In Absprache mit der Bibliothekarin bezahlt der Nachwuchs das Exemplar vom Taschengeld. Wilde Bestrafungen sind kontraproduktiv. Das Kind hat so noch mehr Angst vor den elterlichen Reaktionen und lügt bei der nächsten Gelegenheit garantiert wieder.

Notlügen

Notlügen werden meist von älteren Kindern verwendet. Sie wollen zum Beispiel Oma und Opa nicht enttäuschen und freuen sich angeblich sehr über das tolle Geburtstagsgeschenk - obwohl die Großeltern absolut nicht den Geschmack des Juniors getroffen haben. Notlügen lernen die Kids in erster Linie von uns Eltern. Sie erleben es immer wieder, dass wir gute Miene zum bösen Spiel machen, nur um andere nicht zu enttäuschen.

Das können Sie tun:
Zeigen Sie Verständnis für diese Art von Lügen. Ihr Kind möchte sich damit nicht in den Vordergrund stellen, sondern es lügt aus Rücksichtnahme. Dennoch sollten Notlügen nicht zur Tagesordnung werden. Gehen Sie mit gutem Vorbild voran und greifen Sie selbst nicht zu häufig zu dieser Art von Lügen.

Lügen aus Schamgefühl

Eltern erwarten manchmal viel. Oft zu viel, als dass das eigene Kind den Anforderungen gerecht werden kann. Merkt der Nachwuchs, dass er in den Augen der Eltern versagt hat, schämt er sich und greift nicht selten zu einer Lüge. Er möchte sie nicht enttäuschen und ihre Erwartungen erfüllen.

Das können Sie tun:
Gehen Sie dieses Thema sensibel an. Schrauben Sie überhöhte Erwartungen herunter und bleiben Sie realistisch. Alle Menschen machen Fehler und funktionieren nicht immer nach den gewünschten Plänen. Vermitteln Sie Ihrem Kind, dass Fehler zum Leben dazugehören und nicht tragisch sind.

Muss man Kinder bestrafen, wenn sie lügen?

Es ist immer unangenehm, wenn man herausfindet, dass das eigene Kind lügt. Sprechen Sie offen und direkt mit Ihrem Nachwuchs über die Situation und überlegen Sie gemeinsam, wie es vielleicht beim nächsten Mal in einer ähnlichen Lage ohne zu lügen agieren könnte. Statt Strafen sollten logische Konsequenzen zum Einsatz kommen. Blamieren Sie Ihr Kind nicht und stellen Sie es auf keinen Fall vor anderen Menschen bloß. Und ganz wichtig: gehen Sie mit gutem Beispiel voran und bleiben Sie selbst immer bei der Wahrheit. Passiert Ihnen doch einmal eine Lüge, so können Sie darüber mit ihrem Kind sprechen. Es merkt dann, dass solche Situationen zwar sehr unschön sind, aber eben manchmal einfach vorkommen können. Das wiederum nimmt ihm den Druck, perfekt sein zu müssen.
Text: K. L. / Stand: 04.06.2019

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