Kinder stark machen gegen Mißbrauch

Wie kann man Kinder stark machen gegen Mißbrauch?

Laut Angaben des Bundeskriminalamtes werden in Deutschland jedes Jahr etwa 15 000 Kinder sexuell missbraucht. Die Dunkelziffer liegt vermutlich weit über diesem Wert, da längst nicht alle Fälle angezeigt werden. Mit Blick auf diese erschreckende Zahl an Missbrauchsfällen stellt sich die Frage wie Eltern und Erzieher Kinder gegen derartige Übergriffe stark machen können.

Von wem droht die Gefahr?

Allgemein wird angenommen, dass viele Missbrauchsfälle dadurch begünstig werden, dass Kinder mit fremden Personen mitgehen. Diese Fälle kommen auch vor und es ist in keinem Fall schädlich, Kinder auf diese Gefahr aufmerksam zu machen. Doch der überwiegende Teil aller Missbrauchsfälle findet im familiären Umfeld statt. Die Täter sind dabei entweder eng mit der Familie befreundet oder gehören sogar zur Familie. Dabei ist nicht automatisch davon auszugehen, dass jeder Täter ein Mann fortgeschrittenen Alters ist. Die Täter können jedes Alter haben, jeder sozialen Schicht angehören und auch Frauen kommen als Täter infrage. In Fällen, in denen der Missbrauch durch ein Familienmitglied oder einen guten Bekannten verübt wird, schweigen die Opfer meistens. Sie schämen sich und haben nicht den Mut, sich anderen Erwachsenen anzuvertrauen. Oft kommt es auch vor, dass Erwachsene, die ins Vertrauen gezogen werden, die Augen vor der Wahrheit verschließen und das Kind auf diese Weise dem Täter weiterhin hilflos ausgeliefert ist. Sexueller Mißbrauch durch Familienmitglieder

Geh nicht mit Fremden mit!

Dennoch ist eine der wichtigsten Verhaltensregeln, die jedes Kind verinnerlichen sollte, dass es nicht mir fremden Personen mitgeht. Die meisten Eltern denken, dass ihr Kind weiß, dass es sich so verhalten soll und dementsprechend auch so handelt. Doch die meisten Kinder sind leichtgläubig, sie können sich nicht vorstellen, dass ihnen jemand etwas Böses antun will, und vergessen dabei schon Mal die von den Eltern vorgegebenen Leitsätze. Auch in Notsituationen, zum Beispiel wenn sich ein Kind verlaufen hat, können diese Grundsätze in Vergessenheit geraten. Daher ist es äußerst wichtig, dass Eltern ihre Kinder regelmäßig aufklären und mit ihnen über mögliche Gefahren sprechen. Eltern sollten dabei nicht grundlos Angst schüren oder ihren Kindern gar Angst einjagen, aber ein gesundes Misstrauen kann auf keinen Fall schaden. Täter nutzen häufig Tricks, die Kinder nicht durchschauen, um ihnen nah zu sein. Sie locken Kinder mit dem Versprechen auf Süßigkeiten oder tollem Spielzeug, sie erzählen von Katzen- oder Hundebabys. Einige Täter bitten um Hilfe und lassen sich den Weg zum Sportplatz oder zum Supermarkt zeigen, sie täuschen Kinder, indem sie vorgeben einem Elternteil sei etwas zugestoßen und sie führen nun gemeinsam ins Krankenhaus.

Wie können Eltern ihr Kind schützen, ohne es zu verängstigen?

Ganz wichtig ist es, ein vertrauensvolles Verhältnis aufzubauen. Zeigen Sie Ihrem Kind, dass Sie immer da sind, dass Sie zuhören und dass Sie ihm vertrauen. Alle Familienmitglieder sollten miteinander reden, sich austauschen und ihre Ängste und Sorgen miteinander teilen. Auf diese Weise hat Ihr Kind immer eine Anlaufstelle, wenn es einmal Probleme hat. Auf diese Weise können Sie auch fördern, dass Ihr Kind "Nein" sagt. Fördern Sie Diskussionen und lehren Sie es, Auseinandersetzungen nicht aus dem Wege zu gehen. So kann es gelingen, dass ein Kind auch gegenüber fremden Personen deutlich "Nein" sagt, wenn etwas geschieht, mit dem es nicht einverstanden ist. Wichtig ist es auch, dass Kinder ihrem Alter entsprechend aufgeklärt werden. In einigen Grundschulen gibt es spezielle Präventionsprogramme, die zum Teil in Kooperation mit der Polizei durchgeführt werden können. Kinder lernen hier auf spielerische Weise, wie sie sich verhalten sollen, wenn sie jemand bedrängt oder belästigt.

Einige Grundregeln, die Eltern ihrem Kind einschärfen sollten lauten:

  • Sag immer Bescheid, wenn Du irgendwo hingehst.
  • Sag Bescheid, wenn Du ein Geschenk oder Süßigkeiten von jemandem erhalten hast.
  • Sag laut "Nein" wenn Du etwas nicht möchtest oder Dich jemand anfasst.
  • Ruf an, wenn Du Dich nicht wohlfühlst oder Hilfe brauchst, ganz egal wann.

Natürlich können diese Regeln nur wirksam sein, wenn Sie sie Ihrem Kind nicht einfach vorgeben, sondern Sie Ihnen vorleben. Nur wenn Sie ein intaktes Verhältnis haben und das Selbstbewusstsein Ihres Kindes fördern, kann Ihr Kind stark sein.
Text: D. S. / Stand: 27.07.2019

In unserem Verzeichnis finden Sie auch einige Kinderpsychologen und Familienberatungsstellen, die Ihnen weiterhelfen können.

[Bitte beachten Sie: Unsere Artikel können nicht den Rat eines Arztes ersetzen. Bei gesundheitlichen Problemen wenden Sie sich bitte immer an einen Arzt Ihres Vertrauens!]

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