Die künstliche Befruchtung

Künstliche Befruchtung
Die In Vitro Fertilisation ist für viele Paare eine
Alternative beim unerfüllten Kinderwunsch - Foto: © fotoflash


Inhaltsverzeichnis für diesen Artikel:

Ungewollt kinderlos - Was nun?

Wünschen Sie sich schon seit längerer Zeit ein Kind und der Kindersegen will einfach nicht eintreten?

Dann haben Sie sicher bereits Kontakt mit Ihrem Arzt aufgenommen und die organischen Ursachen dafür klären lassen. Bei neunzig Prozent aller ungewollt kinderlosen Paare liegen die Gründe ihrer Kinderlosigkeit im körperlichen Bereich. Ein Schock, der den Kinderwunsch deswegen natürlich nicht weniger werden lässt. Familien sind der Eckstein unserer Gesellschaft, und es wundert daher nicht, dass wir alle gern dieses wundervolle Zusammenspiel der Generationen erleben möchten. Wenn die Natur einem Paar dies leider nicht ermöglicht, dann kommt die moderne Medizin ins Spiel. Mit Hilfe künstlicher Befruchtung ein eigenes Kind auszutragen und zur Welt zu bringen, ist eine Alternative zu Adoption oder einer Pflegeelternschaft.

Wie läuft eine In Vitro Fertilisation ab?

Bei einer künstlichen Befruchtung erfolgt die Befruchtung der Eizelle nicht unbedingt außerhalb des Körpers. Es bedeutet nur, dass der Geschlechtsverkehr zwischen den Partnern dabei fehlt. Mittels der Intrauterinen Insemination kann auch Sperma während der fruchtbaren Tage der Frau mit Hilfe einer Spritze in die Gebärmutter gebracht werden. Es handelt sich dabei letztendlich auch immer um einen medizinischen Eingriff in den menschlichen Körper. Ist die Spermienqualität nicht ausreichend, dass eine Befruchtung im Körper der Frau möglich ist, hilft die Wissenschaft nach und vollzieht dies außerhalb im Labor. Um die Grundlage dafür zu schaffen, wird häufig im Voraus eine hormonelle Stimulation der Eierstöcke eingeleitet um mehrere Eizellen auf einmal heranreifen zu lassen. Da der weibliche Körper normalerweise nur eine Eizelle pro Zyklus zur Verfügung stellt, könnte so auch nur eine befruchtete Eizelle später eingepflanzt werden und die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft wäre somit verringert. Die Eizellen werden der Frau nach der Stimulation entnommen. Wird dieser Eingriff vorgenommen, sprechen Mediziner von einer In Vitro Fertilisation. In Vitro ("im Glas") kommt es also zur Befruchtung der Eizelle auf einem besonderen Nährboden. Entweder die vorher durch eine Samenspende gewonnenen Spermien können allein das Ei befruchten oder die Mediziner führen dies bei einer Intrazytoplasmatischen Injektion (ICSI) durch. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn die Spermien in ihrer Beweglichkeit weit eingeschränkt sind. Kann der Samen nicht durch eine Masturbation gewonnen werden, ist auch eine Punktion der Nebenhoden durch den Arzt möglich. Sind die Zellen schließlich befruchtet, werden Sie nach ca. vierzig bis fünfzig Stunden in die Gebärmutter der Frau eingesetzt und eine zweiwöchige Zeit des Bangens und Wartens der werdenden Eltern beginnt. Doch in der Regel führen erst mehrere Behandlungen zum Erfolg. Die Chance ein Kind nach einer künstlichen Befruchtung zur Welt zu bringen, liegt bei nur ca. 30 Prozent. Dieses Risiko nehmen Paare nur zu gern in Kauf, wenn es auch eine enorme psychische Belastung darstellt, mehrfach Rückschläge ertragen zu müssen. Der Erfolg ist also auch abhängig von den persönlichen Gegebenheiten, also der Ursache für die Unfruchtbarkeit, die Art der künstlichen Befruchtung und unumstößlich auch des Alters.

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Eine IvF ist nicht ganz so einfach!

Zu den körperlichen und psychischen Belastungen reihen sich noch die gesetzlichen Hürden in die Reihe der Erschwernisse ein. In Deutschland sind diese besonders streng geregelt. So dürfen nur Ehepaare eine künstliche Befruchtung vornehmen lassen. Die Eizelle muss also unabdingbar auch von der Mutter selbst stammen, Eizellenspenden wie sie in den USA oder Spanien legal sind, sind in Deutschland per Gesetz verboten. Samenspenden hingegen sind möglich, aber niemals anonym. Denn es ist im Grundgesetz festgeschrieben, dass jeder das Recht auf Kenntnis seiner Abstammung hat. Stammen die Samen vom Ehepartner, handelt es sich um eine so genannte Homologe Insemination. War ein Außenstehender Spender, so spricht man von einer Heterologen oder Donogenen Insemination. Wollen also zum Beispiel lesbische Paare, die in einer Regenbogenfamilie leben, ein Kind von einem anonymen Spender, müssen sie ins Ausland gehen. Weiterhin lauten Vorschriften, dass beide Elternteile HIV-negativ sein müssen, und das Mindestalter der Eltern bei 25 Jahren liegt. Das Höchstalter wiederum darf bei der Mutter nicht das vierzigste Lebensjahr und beim Samenspender nicht das fünfzigste Lebensjahr überschreiten. Ein Rötelnschutz bei der werdenden Mutter ist obligatorisch. Sind auch diese Voraussetzungen geschaffen und besteht ernsthaft die Möglichkeit einer Schwangerschaft, dann zahlt die gesetzliche Krankenkasse die Hälfte der Kosten für bis zu drei Versuche. Auch dann noch ist es ein enormer finanzieller Aufwand, eine künstliche Befruchtung durchführen zu lassen. Nicht alle Paare können diese Mittel aufbringen, um sich ihren Kinderwunsch zu erfüllen.

Hinzu kommt weiterhin, dass in Deutschland das Embryonenschutzgesetz verbietet, mehr als drei befruchtete Eizellen auf einmal einzupflanzen. Denn das Risiko für Mutter und Kind bei Mehrlingsgeburten steigt rapide an. Auch ist es nicht erlaubt, mit Hilfe der Präimplantationstechnik im Vorhinein feststellen zu lassen, ob eventuelle Gendefekte vorliegen. Und zu guter Letzt dürfen bereits geteilte Eizellen nicht eingefroren werden.

Trotz aller Schwierigkeiten sind etwa zwei Prozent aller Neugeborenen das Ergebnis einer künstlichen Befruchtung. Das gibt vielen Paaren Hoffnung. In Zeiten der Vergreisung unserer Gesellschaft ist es wünschenswert, dass die Krankenkassen oder der Staat die Chance erkennt, auch auf diese Weise für Nachwuchs in unseren Reihen zu sorgen und wieder die Kosten für eine künstliche Befruchtung vollständig zu übernehmen. Denn die Kinder von heute sind gleichzeitig auch die Eltern von morgen.
Text: C. D. / Stand: 23.03.2019

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[Bitte beachten Sie: Unsere Artikel können nicht den Rat eines Arztes ersetzen. Bei gesundheitlichen Problemen wenden Sie sich bitte immer an einen Arzt Ihres Vertrauens!]

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