Wie einen streßfreien Ablauf morgens mit Kindern organisieren?

Text: A. B. (Mutter und Medienwissenschaftlerin aus Berlin) / Letzte Aktualisierung: 26.09.2020

Mutter hat Stress bei der Morgenroutine mit Kindern
Für viele Eltern ein echtes Problem: Die Kinder pünktlich in die Schule zu bekommen! - Foto: © HaywireMedia - stock.adobe. com

Eltern, die es bis dahin noch nicht kannten, sind spätestens mit dem Schuleintritt des Nachwuchses damit konfrontiert: Das 8-Uhr-Diktat des Schulgongs kennt keine Kulanz mehr. Vorbei sind die Zeiten, in denen man sich zur Not vielleicht nochmal ein Bonus-Nickerchen für sich selbst oder den Sprössling gönnen konnte, stattdessen ist Hektik, ja manchmal sogar Chaos angesagt.
Einen streßfreien Ablauf morgens mit Kindern zu organisieren ist nicht einfach. So können Sie es versuchen:

Morgenroutine mit Kinder

Wo ist das unverzichtbare Lieblings-Dino-Shirt des Sohnes? Wo das Mathe-Heft und wo das Diensthandy? Zeit für mehr als einen schnellen Kaffee im Stehen bleibt da kaum, wenn die Suche nach dem Tages-Equipment erst kurz vor knapp beginnt. Auch wenn das Leben vorher ein echtes Lotterleben war und das Kind eine echte Nachteule, ist es trotzdem hinzukriegen, das Chaos am Morgen zu zähmen. Dabei ist mit der altklug klingenden Weisheit "Organisation ist alles" schon viel geholfen. Doch worin genau besteht diese Organisation?

Den Biorhythmus umstellen: Wie bekomme ich mein Kind rechtzeitig ins Bett?

Einer der wichtigsten Punkte ist sicherlich, dass das Kind am Abend zuvor rechtzeitig schlafen geht, um dann, wenn der Wecker nun eventuell deutlich früher klingelt, ausgeruht in den Tag starten zu können. Kinder, die zu Kita-Zeiten erst um 21 Uhr oder mitunter gar 22 Uhr eingeschlafen sind, müssen nun ihren Biorhythmus umstellen - ein Punkt, der vielen betroffenen Eltern im Vorfeld am meisten Bedenken bereitet. Diese Ängste sind jedoch meistens unbegründet. Darum sind feste Schlafenszeiten für Kinder wichtig

Oft genügt es, das Kind bereits ein paar Tage vorher mit der neuen Weckzeit aufstehen zu lassen, dann gelingt das Einschlafen am Abend auch meist früher und oft auch deutlich schneller. Wichtig ist lediglich, dass es mehrere Tage in Folge sind, an denen diese Zeiten erprobt werden, sonst funktioniert es in der Regel weniger gut. Es sollte nun auch weniger Ausnahmen geben, an denen das Kind später ins Bett darf - außer es kann Schlafmangel überdurchschnittlich gut kompensieren.

Was du heute kannst besorgen: Bereits am Vorabend das Wichtigste vorbereiten

Ist das Kind früh im Bett, bleibt noch etwas Zeit, um ein paar Dinge vorzubereiten, die den Start am Morgen darauf entspannter werden lassen. Während man den Schulranzen mit dem Kind bereits vor dem Zubettgehen gemeinsam packen sollte (ab der dritten Klasse sind die meisten dazu auch alleine in der Lage) und vielleicht auch die Kleidungsstücke, die das Kind am Folgetag auch gerne anziehen möchte, gemeinsam aussucht und zurechtlegt, kann man auch weitere Vorbereitungen bereits am jetzt treffen. Die eigene Erwachsenen-Kleidung herzurichten, hat den Vorteil, dass man morgens nicht in die Falle tappt, eventuell auf die Schnelle noch bügeln oder Schuheputzen zu müssen. Auch den Frühstückstisch kann man so weit wie möglich schon eindecken, das Handy an die Ladestation packen und ggf. am Abend, statt erst morgens duschen. Die Hardliner machen sogar schon den Filter inklusive Pulver in die Kaffeemaschine und gießen morgens nur noch das Wasser nach. Das klingt in manchen Ohren natürlich übertrieben, doch Fakt ist auch: Jede gewonnene Minute am Morgen ist Gold wert. Das gilt zumindest für alle, deren Kinder in der Früh zu den Slow-Go-Kindern gehören, die nur langsam in die Gänge kommen. Wer hingegen zu den Glücklichen zählt, deren Kids sofort voll auf Touren kommen, kommt natürlich auch mit weniger Zeit klar. Eins bleibt am Ende aber immer wahr: Hektik ist Stress und Stress ist für die wenigsten - auch für Turbo-Aufsteher - auf Dauer ein echter Glücksbringer.

Zeit-Puffer einplanen und Compressed Multitasking strategisch vermeiden

Wer auf der Arbeit gewohnt ist, im Sauseschritt Compressed Multitasking zu meistern, sollte zumindest möglichst nicht versucht sein, dies dem eigenen Kind zuzumuten. Zwischen Anziehen, Haare kämmen, und - wichtig - halbwegs in Ruhe gemeinsam am Tisch frühstücken, sollte ein kleiner Puffer eingebaut werden, der es erlaubt, auch auf ungeplante kleine Zwischenfälle noch reagieren zu können. Wer hingegen schon am Abend einkalkuliert, dass man das Kind ja zur Not auch in zehn Minuten von der Bettkante bis zur Türschwelle bringen und statt zu Fuß oder mit dem Rad im Fall der Fälle auch mit dem Auto bis zur Schule vorpreschen kann, während das Kind auf dem Rücksitz schnell eine Banane verdrückt, der wird so schnell keine nachhaltige Ruhe in das Morgenprogramm bekommen.

Streßfreier Ablauf morgens mit Kindern
Ein gemeinsammes streßfreies Frühstück bekommen nur wenige Familien hin! - Foto: © Africa Studio - stock.adobe. com

Wichtig für die Morgenroutine mit Kindern: Geregelte Badzeiten am Morgen

Konnte man früher den Kleinen - gerade den Jungs - noch anziehen, was man selbst als schick und der Tagestemperatur angebracht hielt, werden größere Kinder zunehmend wählerischer und brauchen mitunter morgens nun auch länger im Bad. Je älter die Kinder werden und sich selbst "stylen" wollen, desto wichtiger werden geregelte "Bad-Zeiten". Es kann daher hilfreich sein, gemeinsam einen Plan aufzustellen, wem wann am Morgen welches Zeitfester im Bad "zusteht" und wer Aktivitäten wie Schminken oder Haare föhnen eventuell auch auf Wohn- oder Schlafzimmer verlegen kann.

Apropos Plan aufstellen: Wenn der Ablauf für den Morgen einmal feststeht, dann kann es eine gute Stütze sein, ihn in Form eines Plakats oder einer Zeichnung zu visualisieren - im Idealfall im Rahmen einer gemeinschaftlichen Mal-Aktion. Wenn das gut gelingt, reicht es später nach ein bisschen Training einfach, auf das Plakat hinzuweisen, statt den Ablauf permanent wie ein Mantra vorbeten und zur Eile ermahnen zu müssen.

Auf die guten Seiten des Perfektionismus konzentrieren

Zum Schluss eine Beruhigung für alle gestressten Eltern: Die gechillten Vorzeigefamilien, bei denen alles ganz locker und entspannt läuft, sind höchst rar gesät. Es ist lediglich die Vorstellung an diese Bilderbuch-Menschen, die in uns archaische Versagensängste aufblitzen lassen, wenn gerade mal in der Morgenroutine wieder so gar nichts funktioniert wie es sollte. Den absoluten Perfektionismus sollte man daher lieber erst gar nicht anstreben. Auch wenn es gut ist, morgens die Uhr in Sichtweite zu haben, so sollte man abwägen, welche Seiten des Perfektionismus die guten sind und welche die innere Unzufriedenheit nur weiter befeuern. Wer auf dem Weg zur Arbeit noch die Möglichkeit hat - etwa in der S-Bahn - für eine Weile mit einem Buch auf neue Gedanken zu kommen oder einfach nur mit geschlossenen Augen innezuhalten, statt gleich an die Präsentation nachher zu denken, wird sich ein bisschen weniger getrieben fühlen.

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