Trauerbewältigung für Erwachsene

Trauerbewältigung auf dem Friedhof
Ein Besuch auf dem Friedhof kann bei der Trauerbewältigung
helfen - Foto: © Lorenz Timm


Inhaltsverzeichnis dieses Artikels:

Wenn ein geliebter Mensch gestorben ist

Wirklich vorbereitet ist niemand auf die Nachricht, dass ein nahestehender Mensch gestorben ist.

Emotionen treten in einem zum Vorschein, die mächtig und beängstigend sind. Plötzlich verliert man selbst den Boden unter den Füßen und das Gefühl will nicht verstummen, dass der Schmerz jemals wieder der Freude und dem Glück weichen könnte. Trauer ist überwältigend. Die Gefühle sind unausweichlich und intensiv. Bis sich ein Trauernder wieder im seelischen Gleichgewicht befindet, ist es ein langer Weg. Dennoch erwartet die Gesellschaft, dass wir schnell wieder "funktionieren" und uns so verhalten, wie zuvor. Platz für Trauer bleibt leider viel zu oft versagt. Deshalb ist eine schöne Trauerfeier bei der man Abschied nehmen kann sehr wichtig.

Dabei gehen Psychotherapeuten davon aus, dass jeder Mensch verschiedene Trauerphasen überwinden muss, um wieder im inneren und äußeren Gleichgewicht seinem Alltagsleben nachgehen zu können. Diese Phasen können sogar insgesamt bis zu fünf Jahre andauern. Jeder Mensch erlebt sie in einer stark schwankenden Intensität. Zudem können diese Trauerphasen miteinander verschmelzen. Irgendwann gelangt jeder Trauernde an den Punkt, an dem er nicht intuitiv zum Telefonhörer greift, um dem bereits Verstorbenen schnell etwas Wichtiges erzählen zu wollen oder beim Anblick eines Fotos in Tränen ausbricht.

Kindern fällt der Umgang mit dem Tod oft noch schwerer als uns Erwachsenen. Deshalb sollte man sich für die Trauerbewältigung mit Kindern ruhig Hilfe holen.
Wie bringt man Kindern den Tod eines Haustiers bei?

Die Phasen der Trauerbewältigung

Phase 1: Das Leugnen
Ganz typisch ist die erste Reaktion, auf die erschütternde Nachricht: "Das kann nicht sein, es ist bestimmt ein Irrtum". Wir wollen nicht wahrhaben, dass wirklich das Unvermeidliche eingetreten ist. Der erste Schock versetzt uns in eine Art von Trance. Wir schützen uns damit selbst. Und es dauert eine Weile bis wir erkennen, dass die Realität stärker ist, als das Leugnen.

Phase 2:
Emotionen, die plötzlich aufbrechen

Eine wahre Flut von Gefühlen kommt in uns auf. Wir fühlen uns außerstande, sie zu kontrollieren. Wut, Angst, Verzweiflung und die Frage nach der Sinnhaftigkeit stellen uns auf eine harte Probe. Das Gefühl, die anderen Menschen dürfen glücklich sein und ich nicht, macht sich breit.

Phase 3: Die Neuorientierung
Nur Schritt für Schritt finden wir zurück in den Alltag. Kleine Dinge erfreuen uns wieder ab und zu und die Trauer schmerzt bei weitem nicht mehr so stark wie zuvor. Dennoch ist sie dauerhaft präsent.

Phase 4: Akzeptanz
Ein geliebter Mensch ist gestorben und ich kann damit umgehen. Ich habe gelernt, weiterzuleben und meistere meinen Alltag. Der birgt möglicherweise neue Herausforderungen und zeigt mir neue Aufgaben, die ich nun wieder im seelischen und körperlichen Gleichgewicht erfüllen kann.

[ Zum Seitenanfang ]

Tod eines geliebten Menschen - Wie damit umgehen?

Es braucht Kraft und Zeit, die vier Phasen der Trauerbewältigung zu durchleben. Um die schlimme Zeit besser zu überstehen und seine Trauer auch wirklich auszuleben, können kleine Dinge im täglichen Ablauf eine große Hilfe darstellen. Verleihen Sie der Trauer im wahrsten Sinne des Wortes Ausdruck.

  • Sprechen Sie mit Betroffenen, die eine ähnliche schwere Zeit durchlebt haben, wie Sie. Sei es im Bekanntenkreis, bei Selbsthilfegruppen oder auch im Internet in Foren. Es tut gut zu wissen, dass man nicht allein ist und andere den Schmerz nachempfinden können.
  • Vertrauen sich einer Art Tagebuch an. Papier ist geduldig und es beruhigt das Gemüt, sich Dinge von der Seele schreiben zu können, mit denen Sie niemanden belasten möchten.
  • Wenn Sie kein Tagebuch führen möchten, ist möglicherweise ein Trauerbuch mit Fotos und Erinnerungen an den Verstorbenen für Sie die geeignete Alternative, den Tod eines Menschen zu verarbeiten. Notieren Sie schöne Erlebnisse, Anekdoten oder kleben Sie kleine Erinnerungsstücke ein. Halten Sie schlicht weg die Erinnerung an den Verstorbenen wach und scheuen Sie sich nicht davor, auch Freunde und Verwandte daran teilhaben zu lassen.
  • Versuchen Sie, die Trauer zuzulassen und nicht nach außen stark zu wirken. Natürlich ist dies bei kleinen Kindern in der Familie schwer. Aber es gibt sicherlich eine Person, der Sie sich ganz offen und ehrlich anvertrauen können.
  • Verbringen Sie nicht den ganzen Tag damit, zu grübeln und in der Ecke zu sitzen. Gehen Sie nach draußen. Beschäftigen Sie sich und nehmen Sie sich etwas vor. Tanken Sie Sonne und frische Luft.
  • Ernähren Sie sich gesund. Auch wenn jeder Bissen schwer fällt und der Appetit gar nicht richtig kommen mag: Ihr Körper braucht gerade jetzt gesunde Nährstoffe.
  • Geben Sie sich Zeit, zu trauern. Es ist unmöglich, den Trauerprozess zu beschleunigen, auch wenn unsere Gesellschaft dies gern sehen möchte.
  • Verzeihen Sie Ihrer Umwelt, wenn diese mit flachen Floskeln versucht, Sie zu trösten. Worte wie "du schaffst das schon" helfen Ihnen zwar nicht, aber auch andere Menschen sind unsicher im Umgang mit dem Thema Tod und wollten mit Sicherheit nichts Böses sagen.

Ein erlebter Verlust ist immer tragisch und kann durch nichts geschmälert werden. Der Tod gehört zum Leben dazu und jeder einzelne von uns wird früher oder später damit konfrontiert werden. Und auch wenn die Trauer bewältigt ist, etwas Wehmut wird immer ein leiser Begleiter sein. Bei einem bestimmten Geruch oder einem Lied im Radio kommen die Erinnerungen ab und zu wieder. Und dies ist auch in Ordnung, denn so bleibt der Verstorbene immer in Ihrem Herzen und der Erinnerung.
Text: C. D. / Stand: 13.12.2018

Mehr zum Thema Familie: