Die Geburt im Geburtshaus

Eine Frau im Geburtshaus
Im Geburtshaus geht alles etwas persönlicher und ruhiger zu
Foto: © Alfred Wekelo


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Etwa 98 Prozent aller Schwangeren bekommen ihr Baby in einer Klinik. Doch es gibt auch Frauen, welche in Sachen Geburt alternative Wege gehen möchten. Die Gründe dafür sind vielfältig. Manche werdenden Mütter fühlen sich einfach in einer Klinik nicht wohl. Sie assoziieren den Aufenthalt dort mit Kranksein und empfinden die Anwesenheit von Ärzten und Schwestern eher als störend und nicht als Sicherheit. Das wechselnde Personal und die manchmal immer noch recht kühle Atmosphäre in der Klinik tragen zudem nicht gerade dazu bei, dass sich werdende Mütter an diesem Ort voll und ganz gehen lassen können.

Was sind Geburtshäuser eigentlich?

Die Geburt wird hier nur von der Hebamme begleitet - ein Arzt ist nicht anwesend. Die Hebammen im Geburtshaus verstehen die Schwangerschaft und die Geburt als einen ganz natürlichen Vorgang und sehen jede werdende Mutter als Individuum an. In einer Atmosphäre, welche von Vertrauen und Rücksichtnahme geprägt ist, lernen sich die Frauen und die Hebammen schon recht früh in der Schwangerschaft kennen. So kann diese Beziehung zueinander wachsen und die werdende Mutter fühlt sich aufgehoben und sicher. Die Räumlichkeiten im Geburtshaus wirken gemütlich und haben so gar nichts mit einem Kreißsaal gemein. Es herrschen warme Farben vor, das Licht kann gedimmt werden - überhaupt fällt es hier den meisten Schwangeren viel leichter sich fallen zu lassen. Dazu trägt natürlich auch maßgeblich bei, dass hier die werdende Mutter in ihrem gesamten Wesen angenommen wird. In einem Geburtshaus darf sie ganz genauso sein wie sie ist. Individuelle Vorlieben oder Abneigungen werden berücksichtigt und Routine ist hier ein Fremdwort. Klar - eine Geburt geht nie ohne Schmerzen ab. Im Geburtshaus gibt es aber keine PDA, hier setzt man auf natürliche Mittel zur Schmerzlinderung. Es können Akupunktur, Aromatherapie und Massagen zum Einsatz kommen. Und eine Hebamme, welche die Schwangere genau kennt, kann mit einfühlsamen Worten helfen den Schmerz zu lindern, indem sie der Gebärenden verdeutlicht, dass sie jede Wehe ihrem Baby ein Stück näher kommen lässt.

Am meisten jedoch schätzen Frauen (und auch die anwesenden Väter) die geschützte Atmosphäre in einem Geburtshaus. Normalerweise betreut eine Hebamme die Schwangere über die gesamte Geburt hinweg. Die Frau fühlt sich sicher und weiß, dass niemand einfach so zur Tür herein schneit. Im Gegensatz zu so mancher Klinik. Immer wieder hört man von Müttern, welche im Krankenhaus entbunden haben und sich dort völlig bloßgestellt fühlten. Da wird einfach die Tür aufgerissen und irgendwelche Praktikanten oder Schwestern stehen plötzlich vor der Gebärenden. Da wird ohne groß zu fragen nach dem Muttermund getastet und auf dem Bauch rumgedrückt - wohl jede Frau weiß, wie demütigend dies sein kann. Natürlich wird auch im Geburtshaus der Geburtsverlauf von der Hebamme kontrolliert - aber es ist die Art und Weise, die hier den Unterschied macht. Achtung und Rücksichtnahme gegenüber der werdenden Mutter: das ist es, was die Geburt in einem Geburtshaus zu einem unvergesslichen Ereignis werden lässt.

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Ist eine Geburt im Geburtshaus riskant?

Immer wieder hört man das Argument, dass es zu riskant sei, außerhalb eines Krankenhauses zu entbinden. Die Geburt jedoch ist ein ganz natürlicher Vorgang, welcher im Regelfall nicht die Anwesenheit eines Arztes oder irgendwelcher Technik erfordert. Eine erfahrene Hebamme betreut die Gebärende über den Geburtszeitraum hinweg und ist selbstverständlich in der Lage, bei eventuell auftretenden Komplikationen situationsgerecht zu reagieren. Zeichnet sich eine Gefährdung von Mutter oder Kind ab, so wird die betreuende Hebamme unverzüglich die nächste Klinik informieren und die Verlegung der Gebärenden dorthin veranlassen. Dieser Fall kann nie gänzlich ausgeschlossen werden. Dennoch ist er eher die Ausnahme, denn in einem Geburtshaus dürfen nur Frauen entbinden, welche eine komplikationslose Schwangerschaft hatten und bei denen keine Probleme bei der Geburt zu erwarten sind. Risikoschwangere gehören demnach selbstverständlich in eine Klinik. Darunter fallen unter anderem auch werdende Mütter, welche Mehrlinge erwarten oder bei denen das Ungeborene eine schwierige Geburtslage aufweist.

Die meisten Geburtshäuser bieten die Möglichkeit zu einer ambulanten Geburt an. Einige jedoch verfügen über angrenzende Räumlichkeiten, in denen Mutter und Kind (und natürlich auch der frischgebackene Papa und weitere Geschwisterkinder) sich noch einige Tage von den Anstrengungen der Geburt erholen können. Auch hierbei gibt es keine Routine - alles läuft ganz gemütlich ab.

Was kostet die Entbindung in Geburtshäusern?

Die Kosten für eine Entbindung im Geburthaus werden zwischen den reinen Hebammenkosten und den Betriebskosten unterschieden. Die Hebammenkosten werden gänzlich von der Krankenkasse bezahlt. Darüber hinaus übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Betriebskosten bis zu einer Höhe von 550 Euro - allerdings nur für ausgewählte Geburtshäuser. Um keine bösen Überraschungen zu erleben, sollten sich werdende Eltern bei einer geplanten Geburt im Geburtshaus vorher mit ihrer zuständigen Krankenkasse in Verbindung setzen.
Text: K. L. / Stand: 22.06.2017

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[Bitte beachten Sie: Unsere Artikel können nicht den Rat eines Arztes ersetzen. Bei gesundheitlichen Problemen wenden Sie sich bitte immer an einen Arzt Ihres Vertrauens!]

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