Hausgeburt - Gebären im vertrauten Umfeld

Frau bei der Hausgeburt
Hausgeburt: Ganz entspannt gebären - Foto: © Jyn



Inhaltsverzeichnis für diesen Artikel:

Früher waren Hausgeburten gang und gäbe. Heute werden Eltern, die sich für diese Art der Entbindung entscheiden, meist als Exoten belächelt oder von Frauenärzten und Bekannten als verantwortungslos hingestellt.

Tatsache jedoch ist, dass bei einer normal verlaufenden Schwangerschaft eine Hausgeburt genauso sicher ist wie eine Entbindung im Geburtshaus oder in der Klinik. In den eigenen vier Wänden die Geburt zu erleben - das bedeutet für viele werdende Mütter eine ganz besondere Sicherheit. Hier fühlen sie sich wohl, hier ist ihnen alles vertraut. Loslassen und sich entspannen können sind wichtige Voraussetzungen für eine schöne Geburt. Im eigenen Haus oder der eigenen Wohnungen gelingt das manchen werdenden Müttern am besten. Einige Frauen bevorzugen auch eine Alleingeburt ganz ohne ärztliche Hilfe.

Vorbereitung der Hausgeburt

Für eine Hausgeburt müssen Sie zuerst einmal eine Hebamme finden, welche bereit ist, diese Art der Geburt zu begleiten. Unser Tipp: melden Sie sich rechtzeitig bei einer Hausgeburtshebamme an, denn deren freie Kapazitäten sind in der Regel begrenzt. Ein frühzeitiges Kennenlernen schafft zudem ein Vertrauensverhältnis, welches für eine Hausgeburt unbedingt notwendig ist. Die Hausgeburtshebamme wird alle anstehenden Vorsorgeuntersuchungen (bis auf den Ultraschall - dafür müssen Sie eine Arztpraxis aufsuchen) durchführen. Nur wenn alles im Normalbereich ist und Sie keine Risikoschwangere sind, können Sie sich auf eine Hausgeburt freuen.

Haben Sie bereits Kinder, so sollten Sie gemeinsam mit ihnen und mit Ihrem Partner entscheiden, ob Ihre Sprösslinge bei der Hausgeburt dabei sein sollen. Ist dies der Fall, so benötigen die Kinder eine eigene Betreuungsperson, die sich während der Geburt um sie kümmert und gegebenenfalls den Geburtsraum verlässt. Hier sind wir gleich beim nächsten wichtigen Punkt: dem Geburtsraum. Überlegen Sie sich, wo Sie Ihr Baby auf die Welt bringen möchten. Für die meisten Familien wird dies das Wohnzimmer oder das Schlafzimmer sein. Ideal ist eine Liegemöglichkeit mitten im Raum, damit Ihre Hebamme und Ihr Partner gut an Sie heran können. Der Raum sollte Tag und Nacht beheizbar sein und über ausreichend Lichtquellen verfügen.

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Ablauf der Hausgeburt

Beginnen bei Ihnen die Wehen, so kontaktieren Sie Ihre Hebamme und legen Sie Ihren Mutterpass bereit. Ihr Partner kann nun eine wasserdichte Unterlage auf das Bett oder das Sofa ziehen und den Platz um die Liegefläche mit großen Malerplanen auslegen. Stellen Sie große Schüsseln bereit und sorgen Sie dafür, dass warmes Wasser zur Verfügung steht. Wichtig ist auch ein Mülleimer nebst Müllbeutel. Ausreichend Handtücher, Bekleidung für das Neugeborene und Wechselbekleidung für Sie selbst sollten bereitliegen. Und ganz wichtig: die Kliniktasche. Den Verlauf einer Geburt kann man nie voraussehen und es ist nicht ausgeschlossen, dass Sie während der Wehen doch noch in eine Klinik verlegt werden müssen. Für diese Eventualität sollten Sie unbedingt alles vorbereitet haben. Für die Zeit nach der Geburt kann Ihr Partner jetzt schon einen kleinen Imbiss vorbereiten. Stellen Sie Getränke bereit und kochen Sie einen sehr starken Kaffee. Nein - nicht zum trinken! Viele Hebammen verwenden den Kaffee als Dammschutz unter der Geburt, um ein Einreißen dieses dehnbaren Gewebes zu vermeiden.

Ihre Hebamme wird Sie während der gesamten Zeit der Hausgeburt begleiten. Wenn sie ihr OK gibt, dann können Sie sich frei im Haus bewegen und die Positionen einnehmen, die Ihnen angenehm sind. Mit bereitgelegten Kissen können Sie sich abstützen, daher sollten diese in ausreichender Anzahl vorhanden sein. Viele Hausgeburtshebammen besitzen auch einen Geburtshocker, den sie zur Geburt mitbringen. Probieren Sie einfach aus, in welcher Lage Sie sich am wohlsten fühlen und die Wehen am besten verarbeiten können.

Haben Sie nun die Austreibungsphase hinter sich, so wird Ihr Baby in weiche Tücher gehüllt und Sie können es endlich in Ihren Armen halten. Wiegen, Messen, Anziehen - das hat Zeit. Genießen Sie die ersten Augenblicke mit Ihrem Kind. Ihre Hebamme versorgt nach der Geburt eventuelle Dammverletzungen und führt dann die U1 bei Ihrem Baby durch. Unmittelbar nach der Geburt möchte Ihr Kleines zum ersten Mal an die Brust. Die Hebamme hilft Ihnen beim Anlegen und gibt Hinweise zur richtigen Stillposition. Bereits in der Schwangerschaft haben Sie mit Ihrer Hebamme besprochen, was aus Ihrer Plazenta werden soll. Dieses nun ausgediente Organ kann über den Hausmüll entsorgt werden. Viele Eltern möchten jedoch die Plazenta im Garten eingraben und darauf einen Baum für ihr Kind pflanzen.

Die Hausgeburtshebamme wird Sie während der Zeit des Wochenbettes regelmäßig aufsuchen und nach Ihnen und Ihrem Baby schauen. Sie kontrolliert, ob die Rückbildung der Gebärmutter normal verläuft, ob sich Ihr Baby gut entwickelt und Sie hilft natürlich auch beim Stillen oder der Flaschenernährung. Sie selbst benötigen für die Wochenbettzeit eine Hilfe, die Ihnen im Haushalt und bei der Betreuung der Geschwisterkinder zur Seite steht.

Eine Hausgeburt kann ein wunderschönes Erlebnis sein, an das Sie sich immer wieder gern zurückerinnern werden. Seien Sie aber nicht traurig, wenn die Geburt zu Hause aus irgendeinem Grund nicht möglich ist. Ihre Gesundheit und die Ihres Babys haben natürlich Vorrang vor einer noch so heimeligen Atmosphäre in den eigenen vier Wänden.
Text: K. L. / Stand: 27.07.2019

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[Bitte beachten Sie: Unsere Artikel können nicht den Rat eines Arztes ersetzen. Bei gesundheitlichen Problemen wenden Sie sich bitte immer an einen Arzt Ihres Vertrauens!]

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