Sicher Autofahren mit Kindern

Text: O. K. / Zuletzt aktualisiert: 17.07.2019

Mutter setzt Kind in Kindersitz
Kindersicherheit im Auto: Der richtige Kindersitz ist wichtig! - Symbolbild: © Africa Studio - stock.adobe.com

Kindersicherheit im Auto

Wenn Sie mit Kindern Auto fahren, tragen Sie eine große Verantwortung. Sie müssen als Fahrer / Beifahrer dafür Sorge tragen, dass die Kinder sicher zu ihrem Ziel gelangen und ihnen unterwegs nichts passiert. Das gilt nicht nur für Ihre eigenen Kinder oder Enkelkinder, sondern auch für deren Freunde oder andere Kinder. Deswegen ist die Kindersicherheit im Auto so wichtig.

Wichtigste Grundregel

Nehmen Sie (eigene oder fremde) Kinder nur mit, wenn Sie für eine sichere Fahrt sorgen und alle hierfür erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen ergreifen können. Dazu gehört, dass Sie Kinder niemals, auch nicht für noch so kurze Strecken, unangeschnallt im Auto transportieren. Ob Sie die Kinder anschnallen oder ältere Kinder sich selbst den Gurt anlegen: Prüfen Sie den korrekten Sitz des Gurtes lieber einmal zu viel als zu wenig. Und starten Sie den Motor grundsätzlich erst, wenn das Kind angeschnallt ist. Nur so können Sie sicher Autofahren mit Kindern.

Achtung: Einfaches Anschnallen reicht nicht aus, denn der Dreipunkt-Gurt für Erwachsene ist für Kinder nicht optimal. Das liegt daran, dass der Gurt

  • mit seinem Schloss auf dem Beckenknochen der Kinder liegt
  • bei Kindern oft zu nah am Hals liegt
  • bei Unfällen Kinder im schlimmsten Fall strangulieren kann

Die seit April 1993 geltende generelle Sicherungspflicht für Kinder im Pkw schreibt vor, dass Kinder in Kraftfahrzeugen auf allen Plätzen nur auf altersgemäßen und amtlich genehmigten Rückhaltesystemen mitgenommen werden dürfen. Und zwar bis zum Ende ihres 12. Lebensjahres bzw. bis sie eine Größe von 1,50 Metern erreichen. Ansonsten droht Ihnen ein Bußgeld in Höhe von mindestens 60 Euro (bei mehreren Kindern 70 Euro) und 1 Punkt in Flensburg. Sollte es zu einem Unfall kommen, kann es zudem sein, dass Sie straf- und zivilrechtlich haften müssen.
In unserem Portal finden Sie auch einige hilfreiche Tipps für lange Autofahrten mit Kindern

Welche Rückhaltesysteme gibt es?

Grundsätzlich lassen sich drei verschiedene Rückhaltesysteme unterscheiden:

  • Babyschale
  • Kindersitz
  • Sitzerhöhung

Für alle diese Systeme gilt: Beachten und befolgen Sie die Hinweise der Autohersteller und Hersteller der Rückhaltesysteme! Darüber hinaus gibt es noch einige spezifische Informationen für die einzelnen Systeme, die Sie kennen sollten.

Babyschale

Neugeborene und Babys bis zu einem Alter von etwa 12 Monaten sind während der Autofahrt in einer Babyschale am besten aufgehoben. Die Schalen lassen sich - je nach Modell - mit dem Autogurt oder einer Basisstation befestigen. Sie werden immer rückwärtsgerichtet eingebaut ("Reboard"-System). Der Vorteil dieses Systems ist, dass die Halswirbelsäule von Kindern in einem rückwärts gerichteten Sitz den Aufprallkräften bei einem Unfall besser standhalten kann. Deshalb fordert die EU, dass Kinder bis zu einem Alter von 12 Monaten (alternativ: bis zu einem Gewicht von 13 kg) immer rückwärtsgerichtet fahren.

Achtung: Reboard-Systeme dürfen nur dann auf dem Beifahrersitz eingebaut werden, wenn sich der Beifahrer-Airbag deaktivieren lässt!

Kindersitz

Wenn das Kind selbstständig sitzen kann und sein Hinterkopf nicht mehr vollständig durch die Rückenlehne der Babyschale geschützt ist, wird es Zeit, zu einem Kindersitz zu wechseln. Durch seine besondere Form schützt der Kindersitz den Kopf-, Schulter- und Beckenbereich des Kindes optimal. Darüber hinaus sorgt er dank der speziell konzipierten Gurtführung dafür, dass der Schultergurt nicht zu nahe am Hals entlangläuft und der Beckengurt über das Becken oder die Oberschenkel verläuft.

Sitzerhöhung

Laut EU-Norm dürfen Kinder ab einem Gewicht von 15 Kilogramm auf einer einfachen Sitzerhöhung mitfahren. Diese verfügt nicht mehr über ein eigenes Gurtsystem, sondern nutzt den 3-Punkt-Gurt des Autos. Aufgrund des fehlenden Seitenhalts sind Sitzerhöhungen nur dann zu empfehlen, wenn das Kind aufgrund seiner Statur oder Größe nicht mehr in einen Kindersitz mit Rückenlehne hineinpasst. Achten Sie jedoch auch hier auf eine hochwertige Verarbeitung und vermeiden Sie einfache Erhöhungen aus Styropor.

Worauf Sie beim Kauf achten sollten

Achten Sie darauf, dass der Kindersitz die sogenannte ECE-Zulassung besitzt. Diese Regelung der EU teilt Kindersitze in fünf verschiedene Gewichtsklassen ein. In der folgenden Tabelle finden Sie ungefähre Altersangaben, die jedoch nur als grobe Richtwerte zu verstehen sind. Entscheidend sind immer Gewicht und Größe.

Kindersitz-Klasse Empfohlenes Gewicht des Kindes Alter des Kindes Fahrtrichtung
0 0 - 10 kg 0 - 9 Monate rückwärts
0 + 0 - 13 kg 0 - 18 Monate rückwärts
I 9 - 25 kg 9 Monate - 4 Jahre vorwärts
II 15 - 25 kg 4 - 7 Jahre vorwärts
III 22 - 36 kg 7 - 12 Jahre vorwärts

Die Hersteller von Kindersitzen konzipieren die Sitze häufig so, dass sie "mitwachsen", also für Kinder verschiedener Alters- und Gewichtsklassen geeignet sind. Deshalb können diese Sitze gleich mehrere Kindersitz-Klassen der EU-Norm abdecken.

Tipp: Wenn möglich, wählen Sie einen ISOFIX-Sitz. Dieses System ermöglicht die direkte Befestigung des Kindersitzes an der Karosserie und ist deshalb sicherer als andere Systeme. Um einen ISOFIX-Sitz nutzen zu können, muss das Auto entsprechend ausgestattet sein. Das trifft jedoch auf alle neueren Pkws zu. Achten Sie also beim Kauf des Familienauto auf diesen Punkt.

Weitere Tipps für die sichere Fahrt mit Kindern

  • 1. Bei plötzlichem Bremsen können lose Gegenstände im Auto zu Geschossen werden, die Kinder schlimme Verletzungen zufügen können. Achten Sie deshalb darauf, während der Fahrt möglichst kein Spielzeug, insbesondere keine spitzen Gegenstände, ungesichert im Auto zu haben.
  • 2. Sichern Sie Türen und Fenster mit der Kindersicherung, um ein plötzliches Öffnen während der Fahrt zu verhindern. Vor allem elektrische Fensterheber üben auf die kleinen Insassen eine magische Anziehungskraft aus. Um zu verhindern, dass sie Gegenstände durch das geöffnete Fenster werfen oder sich die Finger beim Schließen einklemmen, sollten Sie die Fensterheber deaktivieren und die Fenster bei Bedarf selbst öffnen.
  • 3. Lassen Sie Kinder niemals unbeaufsichtigt im Auto. Das gilt vor allem an warmen Tagen, in dem sich das Auto schnell auf unerträgliche Temperaturen aufheizen und für ein Kind lebensgefährlich werden kann.
  • 4. Wenn Sie an einer Straße parken, lassen Sie die Kinder immer auf der Bürgersteigseite und niemals auf der Straßenseite aussteigen.
  • 5. Achten Sie auf mögliche Fußgänger oder Radfahrer, bevor Kinder die Autotür zum Aussteigen öffnen. Auch ältere Kinder vergessen häufig den Blick nach hinten!

Achtung: Kinder lenken ab!

Kinder im Auto gehören zu den am meisten unterschätzten Ablenkungen während der Fahrt. Denn während der Fahrt wollen auch die Kleinsten unterhalten / beschäftigt werden und interessante Dinge den Eltern zeigen. Nur einmal kurz nach hinten schauen, viele wissbegierige Fragen beantworten, im Bedarfsfall trösten oder nach dem unter den Sitz gefallenen Kuscheltier angeln - all das sind potenzielle Unfallrisiken, derer Sie sich bewusst sein sollten. Halten Sie deshalb im Zweifelsfall lieber kurz an und versorgen Sie Ihr(e) Kind(er) in Ruhe, um dann entspannt weiter zu fahren.

Versuchen Sie die Kinder während der für sie meist langweiligen Fahrt zu unterhalten, zum Beispiel mit einem der klassischen Reisespiele wie "Ich sehe was, was du nicht siehst" oder für ältere Kindern Spiele rund um die Autokennzeichen der anderen Fahrzeuge. Nutzen Sie gerne auch die Möglichkeiten der neuen Medien und lassen Sie Ihre Kinder während der Fahrt ein Hörspiel oder Hörbuch hören oder auch auf dem Tablet ihre Lieblingsserie schauen.

Quellenangabe bzw. weiterführende Informationen:

Ein paar ergänzende Hinweise:
Nicht nur ein Unfall kann die Gesundheit Ihres Kindes im Auto gefährden. Auch rücksichtsloses Verhalten der Autoinsassen. Ganz selbstverständlich sollte im Auto nicht geraucht werden, wenn Kinder im Auto sitzen. Passen Sie die Radiolautstärke entsprechend an. Auch bei der Einstellung der Klimaanlage sollten Sie an mitfahrende Kinder denken! Kinder sind empfindlicher als Erwachsene.
Akute Lebensgefahr besteht, wenn Kinder bei Hitze alleine im Auto zurückgelassen werden. Schnell entstehen im Auto Temperaturen von weit über 50°C.

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