Aufräumen lernen

Ein aufgeräumtes Kinderzimmer
So aufgeräumt sieht ein Kinderzimmer selten aus
Foto: Pavel Losevsky


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Chaos im Kinderzimmer - wie gewinne ich die Oberhand?

Eltern würden lügen, behaupten sie, ihr Kind sei immer ordentlich und räume brav auf. Es ist wahrscheinlich wider der Natur, dass Kinder einen angeborenen Aufräumtrieb besitzen. (Hausarbeiten für Kinder) Vielmehr fürchten viele Eltern, ihre Kinder im Chaos des Kinderzimmers nicht mehr wieder zu finden, nachdem es dort gespielt hat. Wie kann ich es also als Erwachsener schaffen, mein Kind zur Ordnung zu animieren?

Zunächst sollten Sie als Erwachsener bedenken, dass Ihr Sinn für Ordnung nicht dem Ihres Kindes entspricht. In einem Augenblick, wo Sie vielleicht gerade den Überblick verlieren, beginnt Ihr Kind ganz neue kreative Spielideen zu entwickeln, die für seine Lernprozesse äußerst wichtig sind. Nichts desto trotz müssen Kinder lernen, dass eine gewisse Grundordnung zum Leben gehört, auch wenn für Kinder das Aufräumen zur unwichtigsten Nebensache der Welt zählt. Spätestens wenn selbst den Kindern die Unordnung über den Kopf wächst, brauchen sie die Hilfe ihrer Eltern, um wieder kreativ spielen zu können und nicht durch die Fülle der Spielsachen überfordert zu sein. Gerade in sehr jungen Jahren sind Kinder noch nicht in der Lage, allein diese Ordnung herzustellen. Denn aufräumen erfordert organisatorisches Talent und die Fähigkeit, Prioritäten zu setzen. Wo gehört etwas hin, wie sortiere ich meine wertvollen Spielsachen?

Wie bringt man Kindern das Aufräumen bei?

Erzwingen Sie nicht durch übertriebene Autorität das Aufräumen. Ihr Kind wird dann den Prozess des Ordnung halten immer mit einem negativen Gefühl verbinden. Bleiben Sie lieber sachlich und führen Sie wenige, aber effektive Regeln ein, die Sie auch konsequent durchsetzen.

Zum Beispiel wird jeden Abend aufgeräumt, auch wenn die Zeit einmal knapp sein sollte. Für das Kind ist es tabu, die gesamte Wohnung in Beschlag zu nehmen. Hat es ein Spiel beendet, sollte das Spielzeug erst wieder seinen Platz finden, bevor das nächste kommt. Kleine Grundregeln, die auch außerhalb des Kinderzimmers gelten, helfen dem Kind ebenfalls, Ordnung zu erlernen. Denn Ordnung halten ist ein Lernprozess. Zum Beispiel gehört die Jacke immer an den Haken und nicht auf den Fußboden. Abends gehören die Anziehsachen in den Wäschekorb und auch der Zahnputzbecher hat einen festen Platz.

Helfen Sie Ihrem Kind, indem Sie exakte klare Anweisungen geben und nicht schwammige undeutliche Formulierungen verwenden: Die Bauklötze gehören in die Kiste, der Teddy ins Puppenbett usw. Alle Ansagen an das Kind müssen sachlich bleiben. Wenn Sie aufgeregt durchs Zimmer rennen und wütend schnaubend über einen Saustall schimpfen und ausfallend werden, werden Sie bei dem Kind nichts erreichen. Loben Sie es, wenn es freiwillig aufräumt, auch wenn das Ergebnis vielleicht nicht ganz Ihren Vorstellungen entspricht. Sie sollten auch Ihr Kind mit entscheiden lassen, wo welches Spielzeug seinen Platz finden soll. Auch über die vier Wände des Kinderzimmers hinaus, kann Ihr Kind Ordnung erlernen. Kleine Aufgaben im Haushalt zeigen den Kleinen, dass auch hier eine gewisse Ordnung herrschen muss. Zum Beispiel kann es die Wäsche in die Waschmaschine räumen oder den Müll raustragen. Ab ungefähr fünf Jahren werden Kinder zunehmend selbstständig und übernehmen mehr Verantwortung. Es hilft den Kindern nicht, wenn Sie in der Zeit des Kindergarten oder der Schule das Aufräumen für Ihr Kind übernehmen und es ein perfektes Zimmer übernehmen kann. Auch eine erkaufte Ordnung schadet Ihrem Kind eher, getreu dem Motto: Wenn du jetzt aufräumst, bekommst du auch Gummibärchen...

Sie helfen Ihrem Kind ein Gefühl für Ordnung zu entwickeln, wenn Sie es ihm richtig vorleben. (Vorbild sein) Räumen Sie selbst abends immer Ihre Kleidung auf, oder lassen Sie gern mal Ihr Frühstücksgeschirr stehen? Gönnen Sie außerdem Ihrem Kind nicht zu viel Spielzeug, Sie werden ihm damit keinen Gefallen tun. Ist Ihr Sohn oder Ihre Tochter ins Spiel vertieft und wird abrupt daraus herausgerissen, wird sich die Laune des Kindes nun aufzuräumen ernsthaft in Grenzen halten. Kündigen Sie besser eine Viertelstunde vor Spielende das Aufräumen an und erinnern Sie nochmals kurz vor Schluss daran. Wenn es Ihrem Kind sehr schwer fällt, muss es auch ernsthaft mit den Konsequenzen leben. Findet ein Kind aufgrund der Unordnung sein Lieblings-T-Shirt nicht mehr, kann es dies eben nicht mehr anziehen. Ist der Lieblingsteddy verschwunden und schlummert sanft unter einem Berg Wäsche, dann muss Ihr Kleines eben ohne einschlafen. Das Geschrei wird groß sein, doch das nächste Mal wird es sich daran erinnern und seine Konsequenzen daraus ziehen. Auch wenn es starke Nerven der Eltern kostet, Kinder lernen aus Erfahrung.

Kleine Helfer erleichtern die Arbeit

Um Ihrem Kind das Aufräumen zu erleichtern, braucht es auch die nötigen Hilfsmittel von Ihnen zur Verfügung gestellt. Ausreichend Regale, Schachteln, Beutel und Kisten helfen ihm, alles an seinen Platz zu räumen. Dabei sollten Sie darauf achten, dass diese auch für das Kind erreichbar sind. Es nützt nichts, wenn sich die Puzzles im obersten Schrankregal befinden und das Kind sie nicht aufräumen kann, weil es nicht herankommt. Kleine Bilder oder Schilder an den Kisten oder Schubladen erleichtern Kindern das Zuordnen der Spielsachen.

Ihr Kind wird nie perfekt aufräumen. Das wäre auch zu viel erwartet. Es braucht ein Grundverständnis für Ordnung, welches es erst erlernen und auch dessen Notwendigkeit verstehen muss. Erklären Sie Ihrem Kind also, warum es wichtig ist, Dinge wieder an seinen Platz zu legen und setzen Sie dieses Wissen nicht voraus. Und hat Ihr Kind einen schönen Turm oder eine tolle Ritterburg gebaut, lassen Sie diese ruhig einmal stehen und zeigen Sie Ihrem Kind, dass Sie stolz auf dessen Fähigkeiten sind und das Aufräumen nicht über sein Spiel stellen werden.
Text: C. D.

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