"Papa hat aber gesagt, ich darf...." Welche Mutter kennt nicht das Gefühl still grummelnden Zornes ins sich, wenn sie solche oder ähnliche Sätze vom eigenen Nachwuchs zu hören bekommt. Kinder haben äußerst sensible Antennen für knifflige Erziehungssituationen und nutzen elterliche Unsicherheit oder Uneinigkeit gnadenlos aus. Tröstlich, dass es wohl allen Erziehungsberechtigten so geht. Aber es gibt Mittel und Wege, die alles ein wenig einfacher machen.
Vom Prachtkind zum Terrorteufel
Es ist verblüffend: Viele Kinder verhalten sich unter Anleitung eines Elternteiles ganz normal - mäßig vernünftig, relativ einsichtig und insgesamt freundlich. Sobald aber beide Elternteile anwesend sind, mutiert genau dieses Kind zur respektlosen Zicke, zum ungezogenen Rotzlöffel. Ein klarer Fall von mangelnder Teamarbeit - der Nachwuchs kennt die unterschiedlichen Erziehungsstile genau und reizt das Reaktionsverhalten der Eltern weit über die Grenzen aus. Dabei können Kinder sehr gut mit differenten Verhaltensmaßstäben umgehen, oft wird das Kompetenzgerangel der Erwachsenen erst zum Problemauslöser.
Goldene Regeln
Ein Patentrezept zur Behebung aller Erziehungsstreitigkeiten gibt es sicher nicht. Grundsätzlich sollte jedoch - unabhängig vom Stil - der Umgang mit den Kindern geprägt sein von Einfühlungs- und Durchsetzungsvermögen. Eltern spenden Zuwendung, Unterstützung, Trost und Verständnis; sie dürfen jedoch auch Forderungen stellen und konsequent handeln. Oft ist es in spontan auftretenden Situationen für die Eltern nicht mehr möglich, sich abzustimmen. Hier kann vereinbart werden: Wer zuerst auf das Kind reagiert, hat Recht. (Auch wenn Vater oder Mutter der dann vom anderen gefällten Entscheidung skeptisch gegenüber stehen.) Eine nicht ganz optimale Lösung ist allenfalls besser als offen angebrachte Kritik - schwächt diese doch den Stand und die Autorität des Entscheidenden enorm. Bei zeitlich wechselnden "Zuständigkeiten" fürs Kind ist denkbar: Wer sich momentan ums Kind kümmert, hat Recht.
Auch wenn Eltern so ein Wechselspiel als verwirrend empfinden, reagieren die meisten Kinder überraschend positiv darauf. Bei offensichtlichen Regelbrüchen durch den Nachwuchs müssen sich Eltern deutlich beistehen. Ignoriert das Kind beispielsweise Anweisungen oder Bitten der Mutter, sollte der Vater es mit Nachdruck auffordern, diesen Folge zu leisten. So demonstrieren Eltern die Einheitlichkeit ihrer Entscheidungen. Natürlich ist es schwer, täglich und ohne Pause eine klare Erziehungslinie zu verfolgen - niemand ist perfekt. Einige kleine Abweichungen und Ausnahmen kann man sich durchaus leisten: Wenn an lediglich 2 von 10 Tagen die familiäre Kommunikation einfach nicht klappen will, ist noch nichts verloren.
Die lieben Großeltern
Auf gewissen T-Shirts steht: "Wenn Mama und Papa NEIN sagen, frag ich einfach Oma und Opa!" In zahlreichen 3-Generationen-Familien ist dieses Motto allerdings auch Programm. Wer will den lieben Enkelkindern schon stets alles abschlagen und dauernd schimpfen. Dass sie so mit den Kindern unbemerkt ein Bündnis gegen die Eltern schmieden, ist vielen Großeltern gar nicht klar. Wie viele Töchter und Söhne haben schon gegen (Schwieger)Mütter und -väter rebelliert im Kampf um Fernsehverbot und Süßigkeitenrationierung - oft ohne Erfolg. Auch hier helfen Teamregeln: Großeltern genießen, gegebenenfalls betreuen sie den Nachwuchs - Eltern tragen die Verantwortung. Deshalb dürfen sie auch großelterliche Entscheidungen aufheben oder abändern.
Schlimmer als jede spontane Fehlentscheidung sind anhaltende Grabenkämpfe und der ewige Streit ums Rechthaben zwischen den Erziehenden; mit gegenseitiger Akzeptanz kommt man viel weiter.
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