Emanzipation - Frausein verboten, Mannsein auch?

"Ich bewundere Frauen, aber sie sind mir nicht ebenbürtig", soll einst der US-Schauspieler und ehemalige Frauenschwarm Anthony Quinn (1915-2001) von sich gegeben haben. Exakt um Männer solcher Art das Gegenteil zu beweisen hat sich das weibliche Geschlecht auf die Beine gestellt und um seine Rechte und sein Ansehen gekämpft. "Emanzipation" nannte und nennt sich dieser Kampf und hat leider mittlerweile - nicht nur unter Männern - ein negatives Image gewonnen.

Starkes und schwaches Geschlecht - wenn es so einfach wäre

Männer und Frauen werden aufgrund ihrer biologischen Unterschiede von Kindheit an in verschiedene Rollen gedrängt. Männer müssen - und wollen zumeist auch - stark sein, Frauen feminin. Fällt ein Individuum aus dem Rahmen, so wird es als unnatürlich empfunden und sozial meist diskriminiert. Mann stark, Frau schwach - eine Ungleichheit, die quasi schon die Natur vorgezeichnet hat. Doch so einfach ist es angeblich auch wieder nicht.

Der Kampf um die soziale, rechtliche und menschliche Gleichberechtigung

Die ersten Kämpfe für Gleichstellung und Gerechtigkeit der Frauen in der von Männern beherrschten Welt begannen im England und Frankreich des 18. Jahrhunderts. Die Französische Revolution mit ihrem Wahlspruch "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit" hat auch die Frauen auf den Plan gerufen. Leider vergeblich. Mitte des 19. Jahrhunderts und zwar im Zuge der Industrialisierung begannen schließlich auch die deutschen Frauen, für ihre Rechte zu kämpfen. Neben dem Kampf der Arbeiterinnen gegen die Ausbeutung in den Fabriken und um soziale Gleichheit, forderten mittelständische Frauen das Recht auf Bildung und Arbeit ein. Die Durchsetzung des Rechts auf aktives und passives Wahlrecht gelang ihnen allerdings erst 1918. Während des Nationalsozialismus drängte man die Frauen wieder zurück in die Rolle der Hausfrau und Mutter, ab 1949 konnte in Deutschland jedoch wieder ein Aufwind durch die Verankerung des Gleichberechtigungsparagraphen ins Grundgesetz erreicht werden. Seither wurden viele weitere Gesetze zum Wohle der Gleichstellung der Frauen erlassen.

Weit gekommen und doch zu kurz?

Trotz der rechtlichen und gesellschaftlichen Gleichstellung der Frau gibt es immer noch Gebiete, in denen sich die Frauen in ihren Rechten beschnitten fühlen. Sie haben es geschafft, Karriereleitern zu erklimmen und Führungspositionen zu übernehmen. Trotzdem liegt es immer noch in ihrem Zuständigkeitsbereich, die Kinder zu bekommen, sie zu versorgen und den Haushalt zu führen. Eine Doppelbelastung, die auf Dauer an die Substanz geht. Und hier scheiden sich die Geister: Während Frauenrechtlerinnen hierin eine weitere Ungerechtigkeit sehen, die es gilt auszugleichen, ist in etwa die ehemalige TV-Moderatorin Eva Herman der Meinung, dass sich die meisten Frauen damit zuviel zumuten, in der Doppelrolle und der harten Arbeitswelt unglücklich sind und auf die Stimme ihrer eigenen Natur hören sollten: Dem Wunsch nach Liebe, Geborgenheit und Familie.

Missverständnisse zwischen Mann und Frau

Die Emanzipation der Frauen hat bei den Männern zugleich eine gewisse Unsicherheit ausgelöst. Dürfen sie dem erstarkten Geschlecht nicht mehr das Gefühl geben, es sei schwächer und ihnen somit "unterlegen"? Ist das Türaufhalten oder in den Mantel helfen schon ein Akt der Beleidigung? Kann ihnen ein freundliches Kompliment an eine Kollegin schon als sexuelle Belästigung ausgelegt werden? Außerdem ist Geld verdienen nicht mehr rein männlich und Frauen haben teilweise ihre früher rein männlich besetzten Aufgaben übernommen. Dafür ist das Windelnwechseln nicht mehr rein weiblich. Die Rollen haben sich vermischt, viele Männer - und auch Frauen - sind irritiert. Eva Herman spricht in ihrem Buch sogar von verweichlichten und verweiblichten Männern.
Manch radikale Vertreterinnen von Frauenorganisationen glauben zudem, sich als Kampfhennen gegen die bösen Männer behaupten zu müssen und schießen manchmal - auch nicht immer zum Wohle der Frauen, die sie zu vertreten glauben - über ihr Ziel hinaus. Grenzen werden teilweise überschritten, die Fronten verhärten sich. Darf Mann nicht mehr Mann sein und Frau nicht mehr Frau? War das mit der Emanzipation anfangs nicht ein wenig anders gemeint?

Wie auch immer man die Entwicklung der Emanzipation der Frauen und die Richtung, die sie jetzt geht, auch sehen mag: Die Türe von einem männlichen Zeitgenossen geöffnet zu bekommen oder in die Jacke geholfen zu werden wird wahrscheinlich nur die radikale Frauenrechtlerin Alice Schwarzer mit einem Kinnhaken honorieren. Der große Rest der Frauen wird trotz Emanzipation sicherlich noch immer gerne zuvorkommend behandelt. Denn die rechtliche und gesellschaftspolitische Gleichstellung der Frau sollte doch nicht gleichzeitig den Verfall von Höflichkeitsregeln zur Folge haben! Frau ist in dieser Hinsicht immer noch gern Frau und Mann sollte sich trauen, Mann zu bleiben.
Text: M. R. / Stand: 21.02.2017

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