Fast die Hälfte der Schulkinder hat Schlafprobleme
46 Prozent der Schulkinder in Deutschland schlafen schlecht - das zeigt der aktuelle DAK-Präventionsradar für das Schuljahr 2025/2026. Im Schuljahr 2019/2020 lag dieser Wert noch bei 36 Prozent. Fast sieben von zehn Kindern fühlen sich mindestens einmal pro Woche erschöpft, die Hälfte berichtet von emotional-psychischem Unbehagen. Es sind Zahlen, die aufhorchen lassen - besonders, weil sich die Lage seit Jahren verschlechtert.
Erschöpfung und Schlafmangel nehmen deutlich zu
Die Studie befragt seit 2016 regelmäßig Kinder und Jugendliche der Klassen 5 bis 10 an allgemeinbildenden weiterführenden Schulen. Für die aktuelle, zehnte Welle haben über 30.000 Kinder an 141 Schulen in 15 Bundesländern (ohne Saarland) teilgenommen - eine breite Datenbasis.
Die Ergebnisse im Überblick:
- 46 Prozent der Schulkinder berichten von Schlafproblemen (2019/2020: 36 Prozent).
- 69 Prozent fühlen sich mindestens einmal pro Woche erschöpft (vor drei Jahren: 52 Prozent).
- 50 Prozent berichten von emotional-psychischem Unbehagen.
- 49 Prozent haben ein vermindertes Wohlbefinden (Vorjahr: 41 Prozent).
DAK-Vorstandsvorsitzender Andreas Storm ordnet die Zahlen ein: "Bildungserfolg und Gesundheit hängen untrennbar zusammen. Wir müssen sie bei Kindern und Jugendlichen stärker fördern und Gesundheit als festen Bestandteil von Bildung begreifen."
Mediennutzung als mögliche Ursache
Kinderärzte sehen einen klaren Zusammenhang zwischen den Schlafproblemen und dem abendlichen Bildschirmkonsum. Dr. Michael Hubmann, Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), weist auf den "Zusammenhang zwischen übermäßiger Mediennutzung und den Erschöpfungs- und Schlafproblemen von Kindern und Jugendlichen" hin. Wer bis spät abends am Handy oder Tablet sitzt, schläft nicht nur später ein - das blaue Licht der Bildschirme stört auch die körpereigene Produktion des Schlafhormons Melatonin.
Für Familien heißt das ganz praktisch: Feste Zeiten, ab denen Bildschirme ausgeschaltet bleiben, können einen echten Unterschied machen. Fachleute empfehlen, mindestens eine Stunde vor dem Schlafengehen keine Smartphones, Tablets oder Fernseher mehr zu nutzen. Mehr zum Thema Medienerziehung für Kinder
Gesundheitskompetenz: Schutzfaktor mit großem Potenzial
Ein besonders auffälliger Befund der Studie betrifft die sogenannte Gesundheitskompetenz - also das Wissen darüber, was dem eigenen Körper gut tut und wie man gesunde Entscheidungen trifft. 89 Prozent der befragten Schulkinder verfügen laut der Studie über eine unzureichende Gesundheitskompetenz.
Dabei zeigt die Erhebung gleichzeitig, wie wirksam dieses Wissen ist: Kinder mit ausgeprägter Gesundheitskompetenz haben ein um 27 Prozent geringeres Risiko für vermindertes Wohlbefinden. Sie blicken außerdem 19 Prozent häufiger zuversichtlich in die Zukunft.
Studienleiter Prof. Reiner Hanewinkel vom IFT-Nord fasst zusammen: "Damit aus den akuten Belastungen von heute keine chronischen Krankheiten von morgen werden, müssen wir junge Menschen stark machen" - und zwar durch gezielte Förderung von Gesundheitskompetenz.
Zukunftsangst und sinkendes Wohlbefinden
Die Schlafprobleme stehen nicht für sich allein. Der Präventionsradar zeichnet ein breiteres Bild: Nur noch 57 Prozent der Schulkinder blicken positiv in die Zukunft - im Vorjahr waren es noch 62 Prozent. Die Hälfte der Befragten gibt an, dass es ihnen schwer fällt, im Alltag interessante Dinge wahrzunehmen.
Amy Kirchhoff, Generalsekretärin der Bundesschülerkonferenz (BSK), bringt es auf den Punkt: "Wer sich nicht wohlfühlen und nicht partizipieren kann, kann auch nicht lernen."
Drei von vier Kindern wünschen sich das Schulfach Gesundheit
Die Kinder selbst haben eine klare Vorstellung davon, was helfen könnte: 74 Prozent befürworten ein eigenständiges Schulfach "Gesundheit". 28 Prozent finden diese Idee sogar "sehr gut". Ein solches Fach könnte Themen wie Schlafhygiene, Stressbewältigung, Ernährung und den Umgang mit digitalen Medien abdecken.
Was Eltern tun können
Aus den Studienergebnissen lassen sich einige Ansatzpunkte für den Familienalltag ableiten:
- Feste Schlafenszeiten einhalten - auch am Wochenende möglichst nicht mehr als eine Stunde abweichen.
- Bildschirmzeit am Abend begrenzen - mindestens 60 Minuten vor dem Schlafengehen kein Handy, Tablet oder Fernseher.
- Offene Gespräche führen - Kinder, die über ihre Sorgen reden können, schlafen nachweislich besser.
- Bewegung am Tag einplanen - körperliche Aktivität fördert den natürlichen Schlafrhythmus.
- Das Schlafzimmer als Ruhezone gestalten - dunkel, kühl und ohne Bildschirme.
- Schlafrituale für Kinder - feste Rituale helfen abends abzuschalten und geben den Kindern Ruhe.
Quelle: DAK-Gesundheit, Pressemitteilung vom 14. September 2026 zum DAK-Präventionsradar (10. Welle, Schuljahr 2025/2026, über 30.000 Teilnehmende). Eigene Aufbereitung der Zahlen durch die Redaktion familie-und-tipps.de.






