Fenster beim Hausbau: Darauf sollten Sie als Bauherr achten

Fenster beim Hausbau planen
Beim Neubau hat man die Fensterplanung selbst in der Hand - Symbolbild: © tl6781 - stock.adobe.com

Der Hausbau ist ein komplexes Thema, bei dem es für Bauherren gefühlt tausend Dinge zu berücksichtigen gibt. Im Fokus der Planung stehen dabei meist Themen wie Finanzierung, Grundriss, Aufteilung der Räume und Haustechnik. Deutlich weniger Aufmerksamkeit bekommt erfahrungsgemäß die Fensterplanung.

Dabei sind die Fenster längst nicht mehr nur für die Lichtzufuhr zuständig. Sie spielen auch eine gewichtige Rolle bei der Sicherheit und Energieeffizienz des neuen Eigenheims und beeinflussen maßgeblich den Wohnkomfort. Zudem stellen sie eine nicht unerhebliche Investition dar und sollten idealerweise die nächsten 30 bis 40 Jahre im Haus verbleiben. Deshalb lohnt es sich, bei Auswahl und Platzierung im Neubau genau hinzuschauen. Worauf Sie genau achten müssen, lesen Sie hier.

Anzeige

Warum die Fensterplanung beim Neubau so wichtig ist

Im Gegensatz zu einer späteren Sanierung haben Sie beim Neubau eines Eigenheims die Fensterplanung komplett selbst in der Hand. Sie können die Größe und Position jedes einzelnen Fensters an Ihre Wünsche und Bedürfnisse anpassen und haben auch beim Material und der Technik die freie Auswahl.

Diese Möglichkeit sollten Sie nutzen, da die Fenster die empfindlichste Stelle der Gebäudehülle sind. Über keine andere Fläche im Haus entweicht so viel Wärme nach draußen und kommt so viel Sonnenwärme und Licht nach drinnen. Fehler bei der Planung wie zu kleine Fensterflächen oder eine falsche Ausrichtung rächen sich später in Form von hohen Heizkosten oder sich stark aufheizenden Räumen und lassen sich nicht mehr oder nur mit hohem Arbeits- und Kostenaufwand beheben.

Tageslicht, Ausrichtung und Fenstergröße clever planen

Bei der Planung Ihres neuen Zuhauses können Sie frei wählen, wo welche Fenster hinsollen. Beziehen Sie dabei die Himmelsrichtung mit ein. Richtung Süden dürfen die Fensterflächen ruhig großzügig ausfallen. So kommt auch in den Wintermonaten viel Sonne ins Haus und wärmt die Räume praktisch kostenlos mit auf. Fensterprofis nennen das auch solare Gewinne. Richtung Norden können Sie die Fenster kleiner planen, da hier in der Regel nur Wärme entweicht und keine Sonne hineinkommt.

Nach Osten hin haben Sie in den Morgenstunden Sonne. Kleine bis mittelgroße Fensterflächen sind hier ideal, besonders für das Schlafzimmer, wenn Sie sich gerne früh morgens von der Sonne wecken lassen möchten. Größer dürfen die Fenster wieder Richtung Westen hin ausfallen. In den Sommermonaten scheint die Sonne hier von nachmittags bis abends hinein und sorgt für eine angenehme Lichtstimmung.

Die optimale Fenstergröße

Bei der Fenstergröße redet der Gesetzgeber wie so oft ein Wörtchen mit. Als grobe Orientierung schreiben die Landesbauordnungen eine Fensterfläche von mindestens einem Zehntel bis einem Achtel der Raumgrundfläche vor. Das entspricht etwa 10 bis 12,5 Prozent. Das ist aber nur das gesetzlich vorgeschriebene Minimum. Für wirklich helle, angenehme Räume empfiehlt die moderne Tageslichtnorm eher das Doppelte, also rund ein Fünftel bis ein Viertel der Bodenfläche.

Bedenken Sie jedoch, dass hochwertiges Dreifachglas etwas Licht schluckt und oft nur um die 70 Prozent des Tageslichts durchlässt. Ein weiterer Punkt ist, dass große Südfenster zwar wohnlich sind und viel Licht reinlassen, Wohnzimmer und andere Räume aber auch schnell in eine Sauna verwandeln können. Planen Sie deshalb direkt eine Sonnenschutzverglasung oder außenliegende Rollläden.

Tipp

Für eine anschauliche Planung können Sie den Sonnenverlauf über den Tag in Ihren Grundriss einzeichnen und dann die Fenster und Fenstergrößen festlegen.

Großes Fenster bringt viel Licht ins Haus
Ein großes Fenster bringt viel Licht ins Haus - Symbolbild: © Africa Studio - stock.adobe.com

Wärmedämmung und U-Wert im Blick haben

Um die Energiekosten niedrig zu halten, ist die Dämmfähigkeit der Fenster entscheidend. Wie gut ein Fenster dämmt, zeigt der U-Wert. Je niedriger dieser ist, desto weniger Wärme geht verloren. Weil Fenster aber aus mehreren Komponenten wie Glas und Rahmen bestehen, wird der U-Wert je nach Bauteil unterschieden:

  • Ug-Wert für die Verglasung
  • Uf-Wert für den Fensterrahmen
  • Uw-Wert für das komplette Fenster

Zusätzlich gibt es noch einen g-Wert, der Ihnen Auskunft darüber gibt, wie viel Sonnenenergie durch das Glas ins Haus gelangt. Bei der Kaufentscheidung sollten Sie sich vor allem am Uw-Wert für das ganze Fenster inklusive Rahmen orientieren.

Moderne Neubaufenster kommen auf Uw-Werte von 0,8 W/(m²K) und niedriger, gute Dreifachverglasungen zum Teil auf 0,66. Das Gebäudeenergiegesetz gibt Ihnen beim Neubau keinen festen Wert für die Fenster vor. Es verlangt aber einen energetischen Nachweis für das gesamte Gebäude. Gut gedämmte Fenster mit einer Zwei- oder Dreifachverglasung sind ein wichtiger Baustein, um dabei gut abzuschneiden.
Lesen Sie auch unseren Ratgeber zum Thema energieeffiziente Fertighäuser.

Was ist besser: Zwei- oder Dreifachverglasung?

Für Neubauten ganz klar die Dreifachverglasung. Die Mehrfachverglasung ist heute Standard und praktisch Pflicht, damit Sie die gesetzlichen Vorgaben erfüllen können. Das Dreifachglas besteht aus drei Einzelscheiben. Die beiden Zwischenräume sind schon werksseitig mit einem Edelgas (in der Regel Argon, seltener Krypton oder Xenon) gefüllt. Das Gas leitet die Wärme schlechter und drückt den U-Wert des Fensters nach unten. Dafür ist aber auch der Anschaffungspreis deutlich höher.

Bei neuen Wohnhäusern kommt die Zweifachverglasung kaum noch zum Einsatz. Wenn doch, dann höchstens bei unbeheizten Räumen wie dem Keller oder nach Süden ausgerichteten Fenstern, um die solare Wärmegewinnung zu verbessern.

Die Wahl des Materials: Kunststoff, Holz, Aluminium oder ein Mix?

Größe, Ausrichtung, U-Wert und Verglasung sind für Ihre Fensterplanung wichtige Themen. Am Ende sollen die Fenster aber auch zum Haus passen und nicht das Budget sprengen. Beides können Sie über die Wahl des Rahmenmaterials beeinflussen. Zum Vergleich hilft Ihnen die folgende Übersicht:

Material Dämmung Pflegeaufwand Kosten Charakter
Kunststoff gut gering günstig vielseitiger Allrounder
Holz sehr gut höher mittel bis hoch natürlich und wohnlich
Aluminium mittel bis gut gering hoch modern, stabil und schlank
Holz-Aluminium sehr gut gering hoch Holz innen, Alu außen

Für viele Bauherren ist Kunststoff die ideale Wahl. Es bietet ein unschlagbares Preis-Leistungs-Verhältnis und moderne Profile dämmen gut. Zudem sind die Rahmen in vielen Dekoren erhältlich, sodass sich die Optik an die jeweiligen Wünsche anpassen lässt.

Die Optik von Holz ist natürlich und auch die Dämmwerte des Naturmaterials können überzeugen. Allerdings sollten Sie als Bauherr bedenken, dass Sie alle paar Jahre zu Pinsel und Farbe greifen müssen. Zudem müssen Sie bei der Anschaffung tiefer in die Tasche greifen, wenn Sie wirklich gutes und langlebiges Holz haben möchten.

Aluminium bietet moderne und schlanke Rahmen (ideal für große Fenster) und - thermisch getrennt - eine gute Wärmedämmung. Allerdings sind auch hier die Kosten hoch. Das Beste aus beiden Welten bietet eine Holz-Alu-Kombination.

Anzeige

An Schallschutz, Einbruchschutz und Kindersicherheit denken

Bauen Sie in einer ruhigen Gegend, können Sie sich glücklich schätzen. Ist jedoch eine vielbefahrene Straße oder eine Bahnstrecke in der Nähe, sollten Sie das Thema Schallschutz direkt mitbedenken. Gerade für das Kinder- und Schlafzimmer lohnt es sich, zu einem besseren Fenster zu greifen, statt später teuer nachzurüsten.

Wie gut ein Fenster vor Lärm von draußen schützt, ist in der Richtlinie VDI 2719 vermerkt. Darin sind Fenster in sechs Schallschutzklassen unterteilt. Jede davon dämmt 5 Dezibel mehr als die vorige. Welche Sie brauchen, hängt vom Umgebungslärm ab:

  • Klasse 1: sehr ruhige Wohnlagen mit kaum Verkehr
  • Klasse 2: ruhige Wohngebiete mit wenig Verkehr
  • Klasse 3 bis 4: stärker befahrene Straßen und Hauptverkehrsstraßen
  • Klasse 5 bis 6: Häuser in Autobahn-, Bahn- oder Flughafennähe

Einbruchschutz mit einplanen

Nicht weniger wichtig, aber bei der Fensterplanung oft vernachlässigt, ist der Einbruchschutz. Rund 80 Prozent aller Haus- und Wohnungseinbrüche erfolgt durch die Fenster. Bei vielen Fenstern haben die Einbrecher leichtes Spiel, weil sie kaum eine wirksame Einbruchsicherung enthalten. Achten Sie deshalb bei der Planung auf eine möglichst hohe Widerstandsklasse (RC = Resistance Class).

Die Widerstandsklasse gibt an, wie lange ein Fenster einem Einbrecher mit bestimmten Werkzeugen standhalten kann. Laut Statistik geben die meisten Kriminellen auf, wenn sie das Fenster nicht binnen drei Minuten geöffnet haben. Genau in diesen Bereich fällt die Widerstandsklasse RC 2, die auch häufig von der Polizei empfohlen wird. Sie hält Hebelversuchen mindestens drei Minuten stand.

Mehr geht bekanntlich immer, auch beim Einbruchschutz. Möchten Sie es Einbrechern noch schwerer machen, gibt es noch die Klassen RC 3 bis RC 6. Ab RC 4 handelt es sich allerdings um Klassen, die für Eigenheime überdimensioniert sind.
Mehr zum Thema Grundstück einbruchsicher machen

Bei kleinen Kindern abschließbare Griffe wählen

Fenster und Fensterbänke üben auf Kinder eine magische Anziehungskraft aus. Schaut man einmal nicht hin, klettern sie hoch und versuchen das Fenster zu öffnen. Leider oft mit fatalen Folgen. Wenn Ihre Kinder noch klein sind, sollten Sie vorsorgen. Am besten, indem Sie Fenster mit abschließbarem Griff kaufen. Der macht es nicht nur Ihrem Nachwuchs unmöglich die Fenster selbst zu öffnen, sondern verbessert auch gleichzeitig den Einbruchschutz ohne zusätzliche Maßnahmen.
Weitere Tipps finden Sie in unserem Ratgeber kindersicherer Haushalt.

Fenster fachgerecht einbauen lassen
Lassen Sie sich die Fenster fachgerecht einbauen, um Schimmel und Wärmebrücken zu verhindern - Foto: © Serhii - stock.adobe.com

Fenster online konfigurieren und fachgerecht einbauen lassen

Im Idealfall haben Sie jetzt schon eine ganz konkrete Vorstellung, wie Ihre Fenster aussehen sollen. Bleibt die Frage, wo Sie diese am besten kaufen. Da das Budget für das Eigenheim bei den meisten Bauherren knapp ist, lohnt sich wie so oft ein Blick ins Internet. Online bieten Ihnen viele Anbieter die Möglichkeit, Ihre Fenster anhand der gewünschten Maße, Verglasung, Sicherheitsausstattung und Farbe mit wenigen Klicks individuell zu konfigurieren. Das Schöne ist, dass Sie sofort einen Preis angezeigt bekommen. Das lange Warten auf ein Angebot entfällt also.

Die besten Fenster bringen allerdings wenig, wenn Sie am Ende nicht richtig eingebaut werden. Im schlimmsten Fall drohen Wärmebrücken und Schimmel. Überlassen Sie die Arbeit daher am besten einem lokalen Fachbetrieb. Dieser setzt die Fenster luftdicht ein und schließt sie sauber an die Wand an. Viele Betriebe beraten Sie gerne auch im Vorfeld und übernehmen gegen Bezahlung das Aufmaß. Einige Online-Anbieter schließen diese Lücke, indem sie Ihnen optional einen Aufmaß- und Montageservice anbieten. Für welche Variante Sie sich entscheiden, bleibt am Ende Ihnen überlassen.

Weitere Informationen und Quellenangaben

Über den Autor

Oliver K.

Oliver ist Vater und schreibt mit Leidenschaft über Garten-, Heimwerker- und Technikthemen - und immer wieder gern auch über Familienthemen aus eigener Erfahrung.

Weitere Infos für Bauherren

Mehr zum Thema Hausbau
Elektroinstallation im Haus planen
Haustechnik

Elektroinstallation im Haus planen

Was Sie bei der Planung der Elektroinstallation beachten sollten und welche Arbeiten Sie selber machen können.

Lesezeit: 10 Min.
Häusertypen
Planung

Häusertypen im Überblick

Einfamilienhaus, Doppelhaushälfte oder Reihenhaus - welcher Haustyp passt zu Ihnen?

Lesezeit: 11 Min.
Baufinanzierung
Finanzen

Baufinanzierung

Worauf Sie bei der Finanzierung Ihres Eigenheims achten sollten.

Lesezeit: 8 Min.

Mehr zum Thema Hausbau

Weitere Artikel zum Thema Wohnen