Giftpflanzen im Garten

Text: Tkni / Letzte Aktualisierung: 11.04.2026

Giftpflanzen im Garten - z.B. Eisenhut
Eine der giftigsten Zierpflanzen im Garten ist der Eisenhut - Foto: © Grigoriy Lukyanov - stock.adobe. com

In fast jedem Garten wachsen Pflanzen, deren Giftwirkung kaum jemand auf dem Schirm hat. Viele davon sehen schlicht hübsch aus: leuchtende Beeren, auffällige Blüten, süßlich duftende Schoten. Gerade diese harmlose Erscheinung macht sie gefährlich – vor allem für kleine Kinder, die im Spiel gern alles in den Mund nehmen. Wer den Garten kindersicher gestalten will, muss die wichtigsten Giftpflanzen kennen und wissen, wie er im Ernstfall reagiert.

Wie groß ist die Gefahr durch Giftpflanzen wirklich?

Laut den Giftinformationszentralen gehören Pflanzenvergiftungen bei Kindern unter sechs Jahren zu den häufigsten Anrufgründen. Direkt nach Vergiftungen durch Medikamente und Haushaltschemikalien folgen die Pflanzen. Die gute Nachricht: Die meisten Fälle verlaufen glimpflich, weil Kinder nur kleine Mengen probieren und viele heimische Pflanzen nur leicht giftig sind. Die schlechte Nachricht: Es gibt eine Handvoll Gewächse, bei denen schon zwei, drei Beeren oder ein paar Samen reichen, um ein Kind in die Klinik zu bringen.

Paracelsus hat es treffend formuliert: Die Dosis macht das Gift. Bei einem erwachsenen Körper wirkt die gleiche Menge oft nur leicht, bei einem 15 Kilo schweren Kleinkind kann sie lebensgefährlich sein. Auch Haustiere reagieren sehr unterschiedlich – was für den Hund harmlos ist, kann die Katze töten. Deshalb lohnt es sich, den eigenen Garten einmal bewusst durchzugehen und zu prüfen, was dort wächst.

Die gefährlichsten Giftpflanzen im Garten

Die folgenden Pflanzen stehen ganz oben auf der Liste der Giftnotrufzentralen. Wer kleine Kinder oder neugierige Haustiere hat, sollte sie nach Möglichkeit gar nicht erst anpflanzen – oder zumindest konsequent außer Reichweite halten.

  • Blauer Eisenhut: Der Blaue Eisenhut (Aconitum napellus) mit seinen helmförmigen, tiefblauen Blüten gilt als eine der giftigsten heimischen Pflanzen. Sein Hauptgift Akonitin wirkt auch über die Haut: Schon das Abbrechen einer Blüte ohne Handschuhe kann zu Taubheitsgefühlen und Kreislaufbeschwerden führen. Die Angaben zur tödlichen Dosis schwanken je nach Quelle zwischen einem und sechs Gramm der Wurzel – bei Kindern reichen deutlich geringere Mengen. Bei Gartenarbeit rund um den Eisenhut sind Handschuhe und langer Ärmel Pflicht – in Haushalten mit Kindern hat diese Pflanze nichts zu suchen.
  • Goldregen: Der Goldregen (Laburnum) hängt im Frühjahr voller leuchtend gelber Blütentrauben, aus denen sich später erbsenähnliche Schoten entwickeln. Genau diese Schoten sind das Problem: Kinder verwechseln die Samen leicht mit Erbsen. Der Wirkstoff Cytisin ähnelt dem Nikotin, wirkt aber deutlich stärker. Schon drei bis fünf Samen können bei einem Kleinkind zu Erbrechen, Krämpfen und Atemnot führen. Zehn bis fünfzehn Samen gelten als lebensgefährlich.
  • Engelstrompete und Stechapfel: Die Engelstrompete (Brugmansia) ist wegen ihrer riesigen, herabhängenden Blüten ein beliebtes Kübelgewächs. Alle Pflanzenteile enthalten hochwirksame Tropanalkaloide wie Scopolamin und Hyoscyamin. Schon der Verzehr weniger Samen kann Halluzinationen, Herzrasen und schwere Kreislaufstörungen auslösen – und das innerhalb weniger Minuten. Der eng verwandte Stechapfel (Datura) wächst oft ungebeten als Unkraut am Beetrand und ist ebenso gefährlich.
  • Fingerhut: Der Rote Fingerhut (Digitalis purpurea) ist in vielen Bauerngärten zu finden und wird auch in der Medizin zur Gewinnung von Herzglykosiden genutzt. Genau diese Glykoside machen ihn so riskant: Sie greifen direkt am Herzen an. Schon zwei bis drei Blätter können bei einem Kind zu Herzrhythmusstörungen führen. Verwechslungen mit Beinwell oder Borretsch beim Pflücken für den Salat haben schon Erwachsene in die Notaufnahme gebracht.
  • Maiglöckchen: Das Maiglöckchen (Convallaria majalis) duftet wunderbar, enthält aber ähnliche herzwirksame Glykoside wie der Fingerhut. Besonders trügerisch sind die roten Beeren, die nach der Blüte erscheinen. Auch das Wasser aus einer Vase mit Maiglöckchen ist giftig – ein Punkt, den viele Menschen nicht auf dem Schirm haben, wenn sie einen Blumenstrauß im Wohnzimmer aufstellen.
  • Herbstzeitlose: Die Herbstzeitlose (Colchicum autumnale) ähnelt im Frühjahr stark dem Bärlauch – mit dem Unterschied, dass ihr Gift Colchicin zu den gefährlichsten Pflanzengiften überhaupt zählt. Ein Gegengift gibt es nicht. Vergiftungen treten jedes Jahr auf, weil Hobbysammler Herbstzeitlose statt Bärlauch pflücken. Wer Bärlauch sammelt, sollte zerriebene Blätter immer per Geruch prüfen: Bärlauch riecht nach Knoblauch, Herbstzeitlose ist geruchlos.
  • Eibe: Die Eibe (Taxus baccata) ist ein klassisches Heckengewächs und in allen Teilen giftig – mit einer Ausnahme: Das rote Fruchtfleisch um den Samen ist harmlos. Der Samen selbst enthält Taxin und kann schon in kleinen Mengen zu schwerem Kreislaufkollaps führen. Kinder spucken den harten Kern glücklicherweise meistens aus, doch eine gewisse Restgefahr bleibt. Für Pferde und Rinder sind Eibennadeln tödlich.
  • Tollkirsche: Die Schwarzen Beeren der Tollkirsche (Atropa belladonna) schmecken süßlich und erinnern an Kirschen. Fünf bis zehn Beeren können ein Kind töten, drei reichen für schwere Symptome. Das Gift Atropin wirkt auf das zentrale Nervensystem: weite Pupillen, Herzrasen, Halluzinationen, im schlimmsten Fall Atemstillstand.
  • Seidelbast: Der Seidelbast (Daphne mezereum) blüht schon im zeitigen Frühjahr in kräftigem Rosa, noch bevor die Blätter austreiben. Später trägt er leuchtend rote Beeren. Der Saft reizt bereits auf der Haut, der Verzehr weniger Beeren führt zu heftigen Schleimhautverätzungen, Erbrechen und Durchfall.
  • Riesen-Bärenklau: Der Riesen-Bärenklau (Heracleum mantegazzianum) ist streng genommen kein Gift im klassischen Sinn, verursacht aber in Verbindung mit Sonnenlicht schwere Verbrennungen zweiten und dritten Grades. Schon das Streifen der Pflanze bei strahlendem Sonnenschein reicht. Die Pflanze wuchert an Wegrändern und in vernachlässigten Gartenecken und sollte nur mit Schutzkleidung entfernt werden – am besten bei bedecktem Himmel.

Weitere giftige Zierpflanzen, die oft übersehen werden

Nicht jede Giftpflanze ist tödlich – viele lösen aber unangenehme Symptome wie Hautreizungen, Übelkeit oder Magen-Darm-Beschwerden aus. Zu den bekanntesten Vertretern gehören:

  • Alpenveilchen – Knolle enthält Cyclamin
  • Blauregen (Wisteria) – vor allem Samen und Schoten
  • Buchsbaum – Blätter und Rinde
  • Efeu – Beeren und Blätter
  • Hortensie – alle Pflanzenteile
  • Hyazinthe – Zwiebel löst Hautreizungen aus
  • Kirschlorbeer – Blätter und Steine der Beeren
  • Narzisse – Zwiebel, häufig mit Zwiebeln verwechselt
  • Oleander – in allen Teilen stark herzwirksam
  • Pfaffenhütchen – Samen und Früchte
  • Rhododendron und Azalee – Blätter und Nektar
  • Rittersporn – besonders Samen und junge Pflanzenteile
Infografik: Die 5 giftigsten Pflanzen im Garten
Die fünf giftigsten Pflanzen im Garten auf einen Blick

Symptome einer Pflanzenvergiftung erkennen

Eine Vergiftung zeigt sich selten sofort. Je nach Pflanze und aufgenommener Menge vergehen Minuten bis mehrere Stunden, bis Beschwerden auftreten. Wer den Verdacht hat, dass ein Kind etwas Giftiges gegessen hat, achtet auf folgende Anzeichen: anhaltende Übelkeit oder Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen, Speichelfluss oder umgekehrt trockene Schleimhäute, weite oder besonders enge Pupillen, Herzrasen oder auffällig langsamer Puls, Verwirrtheit, Schwindel, Zittern, Krämpfe, Hautrotötungen oder Bläschenbildung an den Lippen.

Bei Babys und Kleinkindern sollte schon ein einziges dieser Symptome ausreichen, um einen Giftnotruf zu kontaktieren. Warten Sie nicht ab, ob sich das Bild verschlimmert – gerade bei Akonitin, Colchicin oder Oleandringredienzien zählt jede Minute.

Erste Hilfe bei Vergiftungen durch Pflanzen

Bleiben Sie ruhig und verschaffen Sie sich einen Überblick: Welche Pflanze wurde gegessen, wie viel davon, wann ist es passiert? Bewahren Sie wenn möglich ein Stück der Pflanze oder ein Foto auf – das hilft den Ärzten bei der Behandlung. Rufen Sie anschließend sofort den Giftnotruf an.

Was hilft: Dem Kind ein bis zwei Gläser Wasser oder Tee zu trinken geben, um die Giftkonzentration im Magen zu verdünnen. Falls Pflanzenreste im Mund sind, diese vorsichtig entfernen und ausspucken lassen.

Was Sie auf keinen Fall tun sollten: Kein Erbrechen auslösen – das kann Ätzschäden in der Speiseröhre verschlimmern. Keine Milch geben, weil das Fett manche Gifte schneller ins Blut bringt. Keine Salzlösung, keine Aktivkohle ohne ärztliche Anweisung. Und auf keinen Fall abwarten, ob sich das Kind selbst wieder erholt.

Mehr Infos dazu, was man bei Vergiftungen bei Kindern tun sollte, finden Sie ebenfalls bei uns.

Giftnotruf – die wichtigsten Rufnummern

In Deutschland gibt es mehrere Giftinformationszentralen, die rund um die Uhr erreichbar sind. Welche für Sie zuständig ist, hängt vom Bundesland ab. Notieren Sie sich die Nummer Ihres regionalen Giftnotrufs am besten neben dem Telefon:

  • Berlin (Berlin und Brandenburg): 030 / 19240
  • Bonn (NRW): 0228 / 19240
  • Erfurt (Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen): 0361 / 730 730
  • Freiburg (Baden-Württemberg): 0761 / 19240
  • Göttingen (Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein): 0551 / 19240
  • Mainz (Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland): 06131 / 19240
  • München (Bayern): 089 / 19240

In Österreich erreichen Sie die Vergiftungsinformationszentrale unter 01 / 406 43 43,
in der Schweiz Tox Info Suisse unter 145. Im akuten Notfall wählen Sie zusätzlich die 112.

Vorbeugen: So machen Sie den Garten kindersicher

Die sicherste Maßnahme ist, besonders gefährliche Pflanzen gar nicht erst in die Nähe des Spielbereichs zu setzen. Eisenhut, Goldregen, Engelstrompete, Fingerhut und Pfaffenhütchen haben in einem Familiengarten wenig verloren – zumindest, solange die Kinder noch in der Phase sind, in der alles im Mund landet. Als Ersatz eignen sich ungiftige Alternativen wie Rosen, Lavendel, Sonnenblumen, Kapuzinerkresse, Stockrosen oder Storchschnabel.

Wer bestehende Giftpflanzen nicht entfernen will, kann sie hinter eine Hecke oder einen Zaun setzen, sodass Kinder nicht drankommen. Achten Sie zusätzlich auf heruntergefallene Beeren, Blüten oder Samen und lesen Sie diese regelmäßig auf. Sprechen Sie mit Ihren Kindern offen über die Pflanzen: Ab etwa drei Jahren verstehen die meisten, dass bestimmte Beeren verboten sind, wenn man es ihnen geduldig erklärt. Eine feste Regel hat sich bewährt: Im Garten wird nur gegessen, was Mama oder Papa ausdrücklich erlauben. Keine Beeren, keine Samen, keine Blüten vom Strauch.

Giftpflanzen und Haustiere

Hunde fressen meistens nur, was schmeckt; Katzen und vor allem Kaninchen oder Meerschweinchen sind da sorgloser. Oleander, Eibe, Maiglöckchen und Herbstzeitlose können für Katzen lebensgefährlich werden. Für Pferde zählen Eibe, Goldregen und Robinie zu den Hauptrisiken. Im Verdachtsfall wenden Sie sich direkt an die tierärztliche Klinik. Einige Giftnotrufe nehmen auch Anrufe zu Haustieren entgegen, verweisen Sie aber meist an eine Tierklinik weiter.

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